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"Paris war ein enormer Erfolg"

BildDem Abkommen von Paris muss ein schneller Ausstieg aus Kohle und Erdöl folgen. Weiter Gas geben, um dann plötzlich brachial auf die Bremse zu treten – das funktioniert nicht, sagt der Klimawissenschaftler Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Wenn die Industrie das Signal des Weltklimagipfels aufnimmt, könne die CO2-Kurve schon ab 2020 steil nach unten gehen. Teil 3 der Serie "Was der Klimavertrag wert ist".

BildLevermann leitet den Forschungsbereich Globale Anpassungsstrategien am PIK und ist Professor für die Dynamik des Klimasystems am Institut für Physik der Universität Potsdam.

klimaretter.info: Herr Professor Levermann, der Paris-Gipfel war kein Flop wie die Kopenhagen-Konferenz 2009. Aber reicht das aus, was dort beschlossen wurde?

Anders Levermann: Paris war ein enormer Erfolg. Es ist viel mehr herausgekommen, als zu erwarten war. Es gibt die klare Aussage: Wir müssen deutlich unter zwei Grad globaler Erwärmung bleiben. Und es gibt sogar das Ziel, die Temperatur möglichst bei 1,5 Grad Plus zu stabilisieren. Entscheidend ist das Signal, dass in den nächsten Jahrzehnten ein CO2-Ausstieg erfolgen muss. Die Industrie fordert seit langem eine Langfrist-Vorgabe, wohin die Energie-Reise geht. Die hat sie jetzt bekommen. Der Treibhausgas-Ausstoß muss auf Null sinken.

Gibt es überhaupt eine realistische Chance, dass die Regierungen ihre nationalen CO2-Ziele schnell genug verschärfen, um das Zwei-Grad-Erwärmungslimit einzuhalten?

Durchaus – dank der Pflicht, die nationalen CO2-Pläne alle fünf Jahre zu überprüfen und zu verschärfen. Es ergibt sich ein ganz klarer Weg zur Dekarbonisierung. Man kann nicht wieder zurück.

Das Ziel sind 1,5 bis zwei Grad, aber die Regierungen haben CO2-Pläne eingereicht, die die Erwärmung bestenfalls etwas unter drei Grad drücken ...

Richtig, die Diskrepanz ist noch groß. Wenn wir unter zwei Grad bleiben wollen, dürfen wir global noch 1.000 Milliarden Tonnen CO2 ausstoßen. Würden die nationalen Ziele nicht verändert, hätten wir bis 2030 schon 800 davon emittiert, es bliebe nur noch ein kleiner Rest. Das wäre wie: weiter Gas geben, um dann plötzlich brachial auf die Bremse treten. Das funktioniert nicht. Wenn die Industrie aber das Signal der Konferenz aufnimmt, dass Kohlekraftwerke und Verbrennungsmotoren die Technologien der Vergangenheit sind, kann die CO2-Kurve schon ab 2020 steil nach unten gehen.

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Das Abkommen, das am Pariser Flughafen Le Bourget beschlossen wurde, weist den Weg in eine Zukunft ohne Kohle, Öl und Gas. (Foto: Susanne Götze)

Ist das 1,5-Grad-Limit überhaupt machbar?

Das Limit strikt zu halten ist kaum drin. Denn dann schrumpfte das restliche CO2-Budget von 1.000 auf 500 Milliarden Tonnen. Die wären schon vor 2030 ausschöpft. Man kann aber ein zeitweises Überschreiten der 1,5 Grad tolerieren und dann die Temperatur zu senken versuchen, in dem man der Atmosphäre wieder CO2 entzieht – etwa durch Aufforstung oder CO2-Verpressung in die Erde per CCS-Technik. Bei CCS muss aber noch geklärt werden, ob es sicher funktioniert.

Länder wie China, Indien und Südafrika wollen noch hunderte Kohlekraftwerke bauen. Sie glauben, die denken schnell genug um?

Diese Kraftwerke dürfen nicht mehr gebaut werden. Die Länder sind gut beraten, den wachsenden Strombedarf durch die inzwischen preiswert gewordenen erneuerbaren Energien zu decken. Das bringt eine doppelte Dividende. Denn Kohle ist nicht nur CO2-reich, sie verursacht auch extreme Gesundheitsschäden – siehe den Smog in China und Indien. Besonders Peking scheint hier umzudenken. Das brächte einen enormen Nachfrageschub für Öko-Energien. Davon würde auch die deutsche Industrie profitieren.

Und wie ist es mit der Atomkraft?

Einige Länder wie China setzen trotz der Sicherheits- und Endlagerpobleme darauf. Für eine globale Langfrist-Strategie taugt die Atomkraft aber nicht. Da Uran endlich ist, müsste man über kurz oder lang überall auf Plutonium-Reaktoren umsteigen. Und die Gefahren, die damit verbunden sind, will praktisch niemand.

Interview: Joachim Wille

Die klimaretter.info-Serie: Was der Klimavertrag wert ist

Teil 1 – Sandrine Dixson-Declève: "Wer nicht umdenkt, geht unter"
Teil 2 – Kumi Naidoo: "Das ist nicht der Moment für Triumph"
Teil 3 – Anders Levermann: "Paris war ein enormer Erfolg"
Teil 4 – Reimund Schwarze: "Zwei Grad sind eine Risiko-Risiko-Abwägung"
Teil 5 – Hubert Weiger: "Riesenjubel und Riesenwiderspruch"
Teil 6 – Andreas Knie: "Die Wahrheit ist ziemlich brutal"
Teil 7 – Eva Bulling-Schröter: "Auf den Paris-Vertrag festnageln"
Teil 8 – Stefan Krug: "Erster Schritt zu globaler Energiewende"

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Alle Beiträge zur COP 21 in Frankreich

finden Sie in unserem Paris-Dossier

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