Wenn der Co-Facilitator "red lines" findet

BildAuch die BINGOs versuchen bei JI und den NAMAs mitzumischen, wohingegen die YOUNGOs natürlich etwas haben! Was den LMDC aber egal ist: Deshalb redet sich die AILAC in Rage. Verstehen Sie nicht? Wir übersetzen es Ihnen! Nebensachen aus Paris (7). Heute: Die Sprache der Klimadiplomaten.

Aus Paris Nick Reimer

Wenn der Co-Facilitator aus der ALBA "red lines" im "draft" der ADP findet, dann ist Klimakonferenz. So wie die Juristen oder Mediziner oder andere Berufsgruppen ihre eigene Sprache haben, so pflegen auch die Klimadiplomaten ein ganz eigenes Gewebe von Wörtern.

Bild"Der neue Draft ist getablet", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), um dann zu berichtigen: "Ich meine natürlich, der neue Entwurf ist raus. Man kommt hier ganz durcheinander." (Foto: Nick Reimer)

Übersetzt heißt der Eingangssatz: Die stellvertretende "Vereinfacherin" aus einem Land der südamerikanischen Staatengruppe ALBA – konkret ist es die Venezuelanerin Claudia Salerno – sieht die Interessen von Ländern wie Bolivien, Ecuador, Kuba und Nicaragua im Entwurf zum neuen Weltklimavertrag verletzt. Salerno ist eine von 14 "Vereinfachern", sie befasst sich in Paris mit der Präambel zum neuen Klimaabkommen.

Hauptverständigungssprache auf dem UN-Verhandlungsparkett ist eigentlich Englisch, das faktisch auch alle können. Nur die Chinesen und Franzosen bleiben in ihren Sprachen, um deren Status als "UN-Sprache" zu demonstrieren. Zwar hat Frankreich die strikte Weisung an seine Diplomaten, immer nur französisch zu sprechen, für diese Konferenz aufgehoben. Offenbar fällt Englisch aber einigen der französisch sprechenden Klimadiplomaten schwer.

Bei LULUCF muss auch der "native speaker" passen 

Wobei: Was heißt schon "englisch"? Wenn der Chair der Durban Platform for Enhanced Action ein neues "proposal" "getablet" hat, kommt auch der unbeleckte "native speaker" nicht mehr mit. Im SBSTA wird an der "conclusion" gearbeitet, während die COP auf ein neues "stocktaking" wartet. Ohne das Ergebnis aus der "Conference of the Parties serving as the meeting of the Parties to the Kyoto Protocol" – kein Fehler! – wird ein Erfolg aber schwer.

Die eigentliche Sprache auf der Klimakonferenz ist aber Abkürzisch. Das Ziel der ADP muss sich am IPCC AR 5 messen lassen, die INDCs sind zu lasch und NAMAs bringen es auch nicht. REED+ immerhin sieht in einem gedruckten Text hübsch aus, LULUCF spricht sich dagegen netter: "Lulu-si-eff". CDM ist ein bisschen eingeschlafen, NIMBY dagegen ganz groß in Mode! JI soll es gar nicht mehr geben, CCS dagegen ganz offiziell.

Wegen dieses Abkürzischen kommen auch keine Menschen zur Klimakonferenz, sondern zum Beispiel die AOSIS. Viele von denen sind übrigens Mitglieder der LDCs, und weil die arm sind, lassen sie sich von den ENGOS unterstützen. Rat gibt es von den RINGOs, aber auch die BINGOs versuchen mitzumischen, wogegen die YOUNGOs natürlich etwas haben! Was den LMDC aber egal ist, worüber sich die AILAC wiederum in Rage redet.

Bild"Red lines": Klimaschützer – also die ENGOs – haben am Freitag deutlich gemacht, wo ihre roten Linien auf dem Konferenzparkett liegen – und das sogar wortwörtlich. (Foto: Susanne Schwarz)

Wenn Sie also zu Hause mal wieder den Eindruck haben, dass gar nichts passiert auf den Klimakonferenzen, dann lernen sie doch einfach Abkürzisch und Klimakonferenzisch. Falls Ihnen das aber zu kompliziert ist: Dann lesen Sie ganz normal weiter klimaretter.info. Hier wird Ihnen das alles in jedem Text übersetzt.

Fachbegriffe aus Klimadiplomatie und Klimaschutz erläutert außerdem das klimaretter.info-Lexikon. Und zur Klimakonferenz geben wir einen Überblick über die Staatengruppen, die in Paris verhandeln

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Alle Beiträge zur COP 21 in Frankreich
finden Sie in unserem Paris-Dossier

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