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Mit dem Taxifahrer am Stade de France

BildDas Echo der Anschläge vom 13. November war in Paris auch bei den Klimaverhandlungen zu spüren, nicht nur wegen der überall sichtbaren Polizei. Die Atmosphäre in der Stadt ist von Entspannung weit entfernt. Nebensachen aus Paris (8). Heute: Einen Monat nach den Anschlägen.

Aus Paris Jörg Staude

Kurz bevor der Taxifahrer mich am imposanten Stade de France im Vorort Saint-Denis absetzt, holt er aus und weist mit dem rechten Arm ins Rund – und obwohl er kein Englisch und ich kein Französisch kann, ist sofort klar, was das Zeichen zu bedeuten hat: Hier, an diesem Ort, jagten sich die drei Selbstmord-Attentäter während des Fußballspiels Frankreich–Deutschland in die Luft. An allen drei Orten liegen immer noch Blumen und erinnern an den Terror.

BildBlumen erinnern an die Anschlagsopfer: Gitterzaun am Stade de France. (Foto: Friederike Meier)

Die geborstenen Scheiben der Restaurants dagegen werden nach und nach ausgetauscht. Davon kann ich mich überzeugen, denn jeden Tag kommt die klimaretter.info-Redaktion am Stade de France und den Anschlagsorten vorbei. Was so fern schien, ist nun jeden Tag präsent – der Schock, den die Pariser am 13. November erlitten haben, lässt sich noch erahnen.

Auf dem Weg von unserer Unterkunft in Saint-Denis nach Le Bourget ins Konferenzzentrum sorgen (freundliche) Polizisten in voller Montur und (auffällige) berittene Polizei dafür, dass der geltende Ausnahmezustand nicht in Vergessenheit gerät. Auch wenn es nach außen hin nicht spürbar sein soll: Nervosität liegt in der Luft.

Alles wird gründlich durchleuchtet

Heute ist eine Straße, die der Shuttlebus nimmt, gesperrt, die es gestern noch nicht war. Eines Freitagabends um zwanzig Uhr werden die Journalisten in der Pressehalle 5 plötzlich aufgefordert, die Arbeit einzustellen und das Gelände zu verlassen – was dann auch alle tun. Gründe werden nicht mitgeteilt. Anderntags halten einige Züge – angeblich wegen einer Bombendrohung – entgegen dem Fahrplan nicht auf der Bahnstation Le Bourget, von der aus die Busse zum Konferenzzentrum abfahren.

Vor Betreten des Konferenz-Geländes wird jeder samt seinem Gepäck gründlich durchleuchtet. Wer eine Wasserflasche dabeihat, muss vor den Augen der Kontrolleure daraus trinken. Auch Parfümflaschen werden inspiziert, Fotoapparate so in Augenschein genommen, dass sich nichts im Innern befindet, das da nicht hingehört. Und wer mal in die falsche Richtung läuft, wird höflich aber bestimmt abgefangen.

BildBlumen, Kerzen und Fahnen: Gedenken an die Toten vom 13. November. (Foto: Friederike Meier)

Ob wirklich Gefahr im Verzug war, wird all die Tage nicht preisgegeben. Die Pressestelle des UN-Klimasekretariats verweist auf die Zuständigkeit der französischen Sicherheitsbehörden – und so laufen Anfragen ins Leere. Angesichts der Debatte nach den Anschlägen, ob die COP 21 wirklich stattfinden soll, lief die Mega-Konferenz erstaunlich reibungslos über Bühne. Vielleicht hat das ja am Ende auch zu ihrem Erfolg beigetragen.

Paris war eine überaus freundliche Gastgeberstadt für den Gipfel – und die Geste des Taxifahrers werde ich nie vergessen.

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Alle Beiträge zur COP 21 in Frankreich

finden Sie in unserem Paris-Dossier

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