Klima-Ungehorsam in Paris

Die Politiker und Diplomaten arbeiten Tag und Nacht an einem neuen Weltklimavertrag – doch auch die Zivilgesellschaft schläft nicht. Klimaaktivisten besetzen Banken, entlarven Konzerne und gießen Öl im Louvre aus. 

Aus Paris Susanne Götze

Trotz Demoverbot und höchster Sicherheitsstufe: Klimaaktivisten protestieren in Paris seit Montag mit dezentralen Aktionen für einen weltweiten Ausstieg aus fossilen Energien. Am Pranger stehen große Konzerne und Banken, die sich als big polluter einen Namen gemacht haben, als die großen "Verschmutzer", sich aber trotzdem in Paris als Wohltäter präsentieren dürfen.

BildPlace de la Republique: Mütter aus Australien demonstrieren für die Zukunft ihrer Kinder. (Foto: Susanne Götze)

Vor dem Sitz des Danone-Konzerns demonstrieren Kleinbauern der Organisation Via Campesina mit einer roten Linie für "Ernährungssouveränität" und gegen Agroindustrie, Landgrabbing, Monokulturen und chemische Düngung – die Begleiterscheinungen von sogenannten falschen Lösungen im Klimaschutz.

Ein paar Stunden später singen und tanzen Aktivisten der Gruppe "Gewaltfreie Aktion COP 21" vor der Hauptfiliale der Bank BNP Paribas an der Pariser Metrostation Opéra. "Die Bank, die den Planeten bescheißt" (banque niquons la planete), so lautet hier der Slogan gegen die Investionspraxis des Bankhauses: "Die Bank investiert in Kohle und schafft ihre Gewinne in Steuerparadiese – gleichzeitig fehlt es an Klimahilfen für die Länder des Südens", meint ein Sprecher der Initiative am Rande der Kundgebung.

Schon gestern waren hunderte Klimaaktivisten der Initiative "fossilfreeculture" in die Vorhalle des Louvre-Museums gekommen, sie verschmierten Öl auf dem Boden und zettelten so eine Minidemo unter den Augen der erstaunten Besucher an. Das Künsterkollektiv Liberate Tate und die Gruppe BP or not BP forderten die Museumsleiter des Louvre auf, die Kooperationen mit großen Ölkonzernen wie Total und Eni sofort zu beenden. 

Aus dem Gefängnis sandten die Louvre-Aktivisten nach sechs Stunden Arrest einen Videogruß und erklärten: "Wir können nicht zulassen, dass Ölkonzerne wie Total unsere Kultur sponsern, wir brauchen eine Kultur ohne fossile Energien."

BildAktion vor dem Louvre für eine "ölfreie" Kunst: Der Louvre wird laut den Aktivisten auch von Ölkonzernen wie Total unterstützt. (Foto: Art Not Oil)

Bereits am Montag hatte es zahlreiche Festnahmen bei einer Aktion in der Konzern-Ausstellung "Solutions 21" im Grand Palais auf der Champs Elysées gegeben, wo vor allem Unternehmen ihre Klimaschutz-Technologien vorstellen. Die Umweltschützer protestierten am Stand von GDF Suez, die sich heute Engie nennt, laut gegen die "falschen Lösungen" wie das Fracking – und wurden sofort hinausgeworfen.

Dabei ging die Polizei nach Aussage von Aktivisten brutal vor, eine US-amerikanische Journalistin berichtete von gezielten Pfefferspray-Attacken gegen Journalisten, Kinder und alte Menschen. 

Unterstützung für Flughafengegner bei Nantes

Am heutigen Donnerstag hat die sogenannte Anti-COP-21-Initiative auch eine Solidaritätsveranstaltung für den Widerstand in Notre-Dame-des-Landes organisiert, einem von Aktivisten besetzen Gebiet bei Nantes, auf dem die französische Regierung zusammen mit dem Unternehmen Vinci seit Jahren einen Großflughafen errichten will. Dort kämpfen einige hundert Umweltschützer, Bauern und Aussteiger seit Jahrzehnten gegen die Vertreibung der Anwohner und die Abholzung von Waldflächen.

Ein Ersuchen des Unternehmens Vinci, die Besetzer endgültig von dem Gelände zu vertreiben und mit hohen Geldstrafen zu belegen, wurde heute verschoben. Nun soll das Gericht in Nantes Anfang Januar erneut entscheiden. Dort haben sich heute rund 700 Menschen mit zahlreichen Traktoren vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Die Aktivisten vermuten nun, dass eine Räumungsaktion während der Klimakonferenz zu viel Aufsehen erregt hätte und hinter dem Aufschub eine politische Entscheidung steckt.

Am Samstag will die Klimabewegung zu einem Aktionstag mobilisieren. Der Versuch des französischen Innenministeriums, die Aktivisten für eine Abschlusskundgebung in ein Stadion abzuschieben, scheiterte. Nun wollen "tausende kleine Gruppen" in den Straßen von Paris friedliche Protestaktionen organisieren. 

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Alle Beiträge zur COP 21 in Frankreich
finden Sie in unserem Paris-Dossier

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