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Willkommen in der Smiley-Welt!

BildBei der COP in Paris wird nicht nur verhandelt. Es gibt auch eine "Grüne Zone", die – außerhalb des eigentlichen Verhandlungsgeländes gelegen – eine Art Ausblick auf die klimafreundlichere Zukunft bieten soll. Eigentlich ist das Areal für die Zivilgesellschaft gedacht, aber hier tummeln sich auffallend viele Unternehmen.

Aus Paris Verena Kern

Wer auf dem Pariser Konferenzgelände die etwas abseits gelegene "Grüne Zone" betritt, kommt nicht umhin, sich die Augen zu reiben. Vor dem Eingang begrüßen Weltkugeln mit Smiley-Gesichtern den ermatteten Gipfelteilnehmer.

BildEingang der "Espace Generation Klima", der Halle für die "Generation Klima". (Foto: Kern)

Ist die unvermeidliche Sicherheitsschleuse erst mal überwunden, tut sich unvermittelt eine bunte, mit üppigen Pflanzenarrangements dekorierte Wirklichkeit auf, wie eine Art Paralleluniversum, in dem alles viel besser, viel schöner ist. Was ist hier los?

Auf Klimakonferenzen wird nicht nur verhandelt. Die zweiwöchigen diplomatischen Gipfeltreffen werden stets flankiert von zahlreichen Ausstellungen. Wirtschaftsunternehmen präsentieren ihre mehr oder weniger grünen "Solutions", jeder Staat hat seinen Pavillon, in dem er sich in Selbstdarstellung ergehen kann, nette Werbefilmchen flimmern auf hunderten von Bildschirmen, warme Worte ergießen sich an allen Ecken und Enden auf den Besucher und hin und wieder gibt es ein Glas Sekt.

Und dann ist da auch noch die Grüne Zone. Sie soll das Refugium der Zivilgesellschaft sein, all jener engagierten und bewegten Leute also, die schon jetzt da sind, wo die Klimaverhandlungen den Rest der Menschheit erst noch hinbringen sollen. Für das immer noch graue Hier und Jetzt, so muss man es sich vorstellen, wird in der Grünen Zone schon mal das farbenfrohere, klimafreundlichere Morgen ausgemalt.

BildGoogles Superbildschirm gibt das beliebteste Bildmotiv ab. Hier: Zwei Indigene aus Peru vor der Welt. (Foto: Kern)

In Paris haben sich die Planer dafür etwas ganz Besonderes ausgedacht. Die Halle nennt sich "Areal der Generation Klima", und genauso hochambitioniert und vieldeutig wie der Name, so ist auch der Inhalt.

Gleich hinter dem Eingang öffnet sich ein Atrium. Durch die Oberlichter flutet an schönen Tagen Sonnenlicht. Aktivisten finden sich zusammen und skandieren vor unzähligen Handykameras: "Wir wollen Klimagerechtigkeit!" Und: "Wir wollen einen ambitionierten Klimavertrag!"

Der Schriftzug "COP 21" steht als weiße Plastik im Raum und gibt ein beliebtes Fotomotiv ab. Holzpaletten sind zu Sitzgelegenheiten arrangiert, ausgestattet mit bunten Polstern, damit es nicht zu unbequem ist. Überall stehen Pflanzenkübel, und von der Decke hängen Girlanden in den Grundfarben. Selbst der Weg zu den Toiletten ist bunt gestaltet, in rot, orange, gelb, blau, grün.

Man kann sich auf Fahrräder setzen und damit Strom erzeugen. Man kann dem Solar Sound System lauschen und dabei in einem Liegestuhl Platz nehmen, als wäre man irgendwo am Strand. Man kann Todd Stern, dem Chefverhandler der USA, einen Brief schreiben oder an einen künstlichen Baum ein Bändchen hängen, auf dem man die eigenen Forderungen und Herzenswünsche vermerkt hat.

BildTodd Stern einen Brief schreiben? Auch das geht hier. (Foto: Kern)

Es ist halb Jahrmarkt, halb grüner Themenpark. Je länger man sich in der Grünen Zone aufhält, desto mehr kommt man ins Grübeln, ob der Begriff "Zivilgesellschaft" nicht umdefiniert werden muss. Ob das, was man bislang darunter verstand, nicht zu eng gefasst ist.

Am deutlichsten wird das bei den Ausstellungsständen. Zwar dominieren immer noch die Nichtregierungsorganisationen. Aber zwischen all den Umwelt- und Entwicklungsleuten tummeln sich in Paris auch auffallend viele Unternehmen und politische Akteure. Die Region Île-de-France beispielsweise präsentiert mit lustigen Postkartenmotiven ihre Kampagne zum Energiesparen. Große Industriekonzerne wie Siemens promoten effiziente Technologien, als hätten sie die grüne Idee selbst erfunden. Selbst die CCS-Leute haben bei der "Generation Klima" einen Stand und stellen ihr umstrittenes Verfahren als Zukunftslösung vor.

Mit dabei ist auch der Internetriese Google. Auf einem riesigen Monitor zeigt er gestochen scharfe Bilder der Welt, auf denen die Folgen des Klimawandels schon zu sehen sind. Es ist das mit Abstand beliebteste Fotomotiv.

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Alles so schön bunt hier. Warum klingt "Alle zusammen für das Klima" auf einmal wie eine Drohung? (Foto: Kern)

"Alle zusammen für das Klima", lautet in Paris das Motto der COP. Zumindest im Bereich der "Zivilgesellschaft" ist das offenbar tatsächlich ernst gemeint.

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Alle Beiträge zur COP 21 in Frankreich
finden Sie in unserem Paris-Dossier

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