400 Millionen für Klimaversicherung

BildHilfe zur Selbsthilfe: 400 Millionen US-Dollar wollen die G7-Staaten in Klimaversicherungen einzahlen. Mit dem Geld sollen sich die Entwicklungsländer gegenseitig vor Klimawandel-bedingten Schäden und Verlusten absichern.

Aus Paris Sandra Kirchner

Mehr als 400 Millionen US-Dollar wollen die großen Industrieländer für eine Klimaschutzversicherung bereitstellen. Am heutigen Samstag haben Vertreter der G7-Staaten sowie von Entwicklungsländern, Versicherungsgesellschaften und Nichtregierungsorganisationen in Paris eine entsprechende Risikoversicherung der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Vertreter der Zivilgesellschaft demonstrieren auf der Klimakonferenz in Paris – nicht für Versicherungen, sondern für das 1,5-Grad-Ziel. Bei zwei Grad, wie es die Industriestaaten wollen, würden die Schäden durch die Erderwärmung viel zu groß. (Foto: Friederike Meier)

Das Geld soll Regierungen in Entwicklungsländern dabei helfen, nach Katastrophen wie Dürren, Überflutungen oder Wirbelstürmen zügig Lebensmittel an die Bevölkerung zu verteilen und beschädigte Infrastruktur wieder aufzubauen. "Mit der jetzt beschlossenen Verstärkung der Mittel können wir weitere etwa 180 Millionen Menschen gegen Klimarisiken versichern", sagte der deutsche Entwicklungs-Staatssekretär Thomas Silberhorn in Paris. Nach den Plänen der Initiative sollen 2020 rund 400 Millionen Menschen in gefährdeten Staaten versichert sein.

In Juni dieses Jahres hatten die G7-Staaten auf ihrem Gipfel im bayerischen Elmau beschlossen, ihre internationale Klimafinanzierung auszuweiten. Mit der Initiative sollen nun innerhalb der nächsten fünf Jahre Menschen mit einem Einkommen von weniger als zwei US-Dollar pro Tag gegen bestimmte Klimarisiken abgesichert werden.

Dass das Modell funktioniert, haben erste Pilotprojekte nach Angaben der Initiative bereits gezeigt. So hat die Dürreversicherung Africa Risk Capacity (ARC) Anfang des Jahres rund 25 Millionen US-Dollar an Senegal, Mauretanien and Niger ausgezahlt, weil der Herbst im Vorjahr ungewöhnlich trocken war. "Wir sind in der Lage, innerhalb von zwei bis drei Wochen die Gelder auszuzahlen", sagte Ngozi Okonjo-Iweala von ARC. Bislang sind 26 afrikanische Länder bei der Versicherung Mitglied. Voraussetzung für den ARC-Beitritt eines Landes sind ausgearbeitete Nothilfepläne, die im Schadensfall greifen sollen.

"Verluste und Schäden" werden Teil des neuen Klimavertrags 

Der Großteil der benötigten Gelder für die neue G7-Initiative soll aus Deutschland und Großbritannien kommen. In den nächsten zwei Jahren will Deutschland 150 Millionen Euro für die Klimaversicherung beisteuern. Die USA haben 30 Millionen US-Dollar zugesagt, den Rest sollen die übrigen G7-Staaten beisteuern.

Ob die Versicherung auch die Menschen erreicht, die den Schutz am nötigsten haben, ist indes umstritten. Experten befürchten, dass gerade Kleinbauern durchs Raster fallen. Entwicklungsorganisationen wie das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt unterstützen dennoch die Klimaversicherungen. "Eine Klimarisiko-Versicherung kann Menschen schützen und ihnen in Notlagen helfen", sagte die Präsidentin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, in Paris. Mit ihren Hilfswerken könnten Organisationen wie die ihre sicherstellen, dass auch die Ärmsten erreicht werden.

Füllkrug-Weitzel warnte aber davor, die Klimaversicherungen überzubewerten. Es geht ihr dabei um den neuen Weltklimavertrag, der derzeit in Paris ausgehandelt wird. Lange Zeit hatten sich die Industriestaaten dagegen gewehrt, dass die Schäden und Verluste durch den Klimawandel – fachsprachlich "Loss and Damage" – in den Textentwurf für das Klimaabkommen aufgenommen werden. "Die Risikoversicherung kann in ihrer Begrenztheit keinesfalls die verbindliche Einbeziehung von Loss and Damage in ein globales Abkommen ersetzen", betonte Füllkrug-Weitzel.

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Die Industriestaaten unterstützen die Versicherungslösung: Vom Klimawandel bedrohte Länder sollen sich gegenseitig gegen Dürren oder Ernteausfälle – hier ein Feld in Äthiopien – versichern. (Foto: Reimer)

Die Entwicklungsländer haben erfolgreich darauf gedrängt, dass ein entsprechender Abschnitt im Text verankert wird. Gegenwärtig wird noch über das Wie verhandelt. Während die Entwicklungsländer einen eigenen Paragrafen fordern, wollen die Industriestaaten die Passagen zu den Schäden und Verlusten unter "Klimaanpassung" abhandeln.

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Alle Beiträge zur COP 21 in Frankreich
finden Sie in unserem Paris-Dossier

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