Der schönste Klimafonds der Welt

Bild Deutschland und Großbritannien fördern modellhafte Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Weil das Programm so gut funktioniert, wollen jetzt auch Dänemark und die EU als Geldgeber einsteigen. Allerdings ist der Finanzumfang bescheiden.

Aus Lima Christian Mihatsch

Es ist heiß und feucht in Bangkok. Außer in der "kalten Jahreszeit", wenn die Temperaturen unter 20 Grad fallen können, laufen die Klimaanlagen auf Hochtouren – 24 Stunden am Tag. Und je wohlhabender Thailand wird, desto mehr Menschen können sich Klimaanlagen leisten. Kühlung macht heute den größten Teil des Stromverbrauchs der knapp 70 Millionen Thais aus.

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Stromfresser Klimaanlage: Wer es zu etwas Reichtum in Thailand gebracht hat, leistet sich einen solchen Raumkühler. (Foto: Martin Abegglen/flickr.com)

Kühlung ist folglich auch der beste Ansatzpunkt, um das Wachstum des Stromverbrauchs in Thailand zu begrenzen. Und damit das Wachstum beim Treibhausgas-Ausstoß: Seit 1990 sind die Pro-Kopf-Emissionen um 260 Prozent gestiegen – auf nun 4,3 Tonnen pro Thai. Zuletzt stieg der Wert um durchschnittlich 0,2 Tonnen pro Jahr. Thailand hat sich so in der Liste der Treibhausgas-Produzenten auf Platz 82 hinaufgeschraubt, bei den absoluten Zahlen lag das Land mit 327 Millionen Tonnen im Jahr 2013 sogar auf Platz 19.

Mit einem Projekt will jetzt die thailändische Regierung gegensteuern: Die lokalen Hersteller von Klimaanlagen und Kühlschränken sollen in der Energieeffizienz ihrer Anlagen zur Weltklasse aufschließen. Dadurch lassen sich die Treibhausgas-Emissionen des südostasiatischen Königreichs um 0,6 Prozent reduzieren – immerhin knapp zwei Millionen Tonnen.

Thailand hat Fördergelder für dieses Projekt bei einem kleinen Klimafonds beantragt, der von Deutschland und Großbritannien vor zwei Jahren gegründet wurde: der sogenannten Nama Facility. Die "Namas" kürzen sich ab aus National Appropriate Mitigation Actions – übersetzt so viel wie angemessene nationale Minderungsmaßnahmen.

Der Fonds setzt auf Wettbewerb zwischen Ländern und Projekten. Von 49 Anträgen wurden letztes Jahr nur vier Projekte gefördert. "Es geht darum, eine wirklich gute Klima-Rendite für unsere Investition zu erzielen" sagt Ed Davey, der britische Energie- und Klimaminister. Dies werde dadurch erreicht, dass die Fondsgelder "durch riesige Mengen an privatem Geld gehebelt werden".

Qualität der Projektanträge "dramatisch verbessert"

Neben der Hebelwirkung gehe es darum, Projekte zu identifizieren, die einen "fundamentalen Wandel" in den Ländern anstoßen, sagt Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Das gilt etwa für ein Projekt in Burkina Faso: Dort wird die nachhaltige Nutzung von Feuerholz gefördert. Das dient dem Schutz der Wälder und reduziert Treibhausgas-Emissionen. Das kleine afrikanische Land kann damit 40 Prozent seines Emissionsziels erreichen.

In Tadschikistan wird von den Deutschen und Briten ein Projekt finanziert, mit dem Waldgebiete besser geschützt und wiederaufgeforstet werden sollen. Zudem soll eine nachhaltige Waldwirtschaft etabliert werden. Das vierte Nama-geförderte Projekt liegt in Peru: Hier soll mit den Fördergeldern der öffentliche Personennahverkehr mehrerer Städte ausgebaut werden, unter anderem mit neuen, emissionsärmeren Bussen und Bahnen.

"Die Länder beginnen, anders zu denken", sagt Davey. "Wir haben das an der Qualität der Projektanträge gesehen: Sie hat sich von der ersten zur zweiten Runde dramatisch verbessert." Nach diesem Erfolg wollen nun auch Dänemark und die EU bei der Nama Facility mitmachen. Beide wollen Geld für die dritte Runde geben. "Die Nama Facility ist ein einzigartiger Fonds", schwärmt der dänische Umweltminister Rasmus Petersen. "Es ist der schönste Finanzmechanismus der Welt."

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Erfolge präsentieren kann so schön sein: Jochen Flasbarth, der die gesundheitlich angeschlagene Umweltministerin Barbara Hendricks auf der Pressekonferenz vertrat, in Lima mit Ed Davey und Rasmus Petersen, dem britischen und dem dänischen Umweltminister (v.r.n.l.). (Foto: Reimer)

Es ist allerdings auch einer der kleinsten: Dem Fonds stehen pro Jahr lediglich 60 Millionen Euro zur Verfügung. Zum Vergleich: Die Berliner Stadtreinigung setzt im Jahr 485 Millionen Euro um. Aber in der deutschen Hauptstadt geht es ja auch um konkrete Dinge: um Hundescheiße und nicht um die Zukunft des Planeten.

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Alle Beiträge zur COP 20 in Peru
finden Sie in unserem Lima-Dossier.

 

 

 

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