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Figueres: "Eon ist ein gutes Beispiel"

BildDie Klimakonferenz COP 20 am ersten Tag: Die neue Geschäfts­politik des größten Energie­konzerns Europas Eon wird mit viel Wohlwollen aufgenommen. Überhaupt sprühen die Delegierten vor Optimismus. Die Chefin des Klimasekretariats warnt aber vor der "Lücke", die das neue Abkommen zum eigentlich notwendigen Klimaschutz lassen wird.

Aus Lima Nick Reimer und Christian Mihatsch

"Erst waren es die Rockefellers, die aus den fossilen Energien ausgestiegen sind, dann folgten Pensionsfonds und Stiftungen, jetzt ist es Eon." Die neue Geschäftspolitik des größten Energiekonzerns Europas gehört für Christiana Figueres, Chefin des UN-Klimasekretariats, zu jenen positiven Signalen, die zu Beginn der Klimakonferenz in Lima für Aufbruch sorgen sollen. 

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Die "Köpfe" der Klimakonferenz: Christiana Figueres, Chefin des UN-Klimasekretariates, und Konferenzpräsident Manuel Pulgar-Vidal, der Umweltminister Perus. (Foto: Reimer)

"Wir haben in Lima eine gute Gelegenheit, den Kritikern dieses Prozesses zu zeigen, wie stark wir vorwärtskommen können", sagt Konferenzpräsident Manuel Pulgar-Vidal, der Umweltminister Perus. Er will mindestens den Waldschutzmechanismus REDD+, die Struktur einer Klimafinanz-Architektur sowie einen "Lima Draft" – quasi die Blaupause des Paris-Abkommens – erreichen. Was durchaus ambitioniert am Beginn der 13 Verhandlungstage ist.

Vier Verhandlungsstränge sind Christiana Figueres wichtig. "Erstens geht es darum, den Verhandlungstext für das Paris-Abkommen zu entwickeln", sagt die Chefin des Klimasekretariats. Ein Entwurf liegt auf dem Tisch der Delegierten, jetzt gehe es "um das kollektive Verständnis", so Figueres. Weil bei den Klimaverhandlungen alles mit allem irgendwie zusammenhängt, sind viele Paragrafen noch mit Klammern versehen, in den optionale Formulierungen aufgeführt sind. Figueres: "Die Verhandler sollen so viele Klammern wie möglich streichen." Also Klarheit schaffen.

Der zweite Verhandlungsstrang befasst sich mit der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Den dritten überschreibt die Klimachefin mit "Finanzen und Technologie". Figueres: "Das sind genau die zwei Seiten, bei der die Staaten des Südens Unterstützung aus dem Norden brauchen." Im vierten Verhandlungsstrang geht es um die Frage, wie der Privatsektor in den Gesamtprozess integriert werden kann.

Die Lücke zum Notwendigen

"Der Zwischenstaatliche Rat für Klimaveränderung IPCC hat in seinem Fünften Sachstandsbericht gerade sehr deutlich gemacht: Wenn die Regierungen wollen, dass sie – wie beschlossen – die Erderwärmung tatsächlich auf durchschnittlich zwei Grad begrenzen wollen, dann müssen sie jetzt handeln." Noch nämlich reiche das, was die Staaten als nationale Ziele angemeldet haben, dafür nicht aus. Das Zwei-Grad-Ziel – 2010 auf der Klimakonferenz in Cancún verabschiedet – soll den Klimawandel für den Menschen gerade noch beherrschbar halten. Erwärmt sich die Erdoberfläche stärker, heizen sogenannte Kipp-Elemente der Erde zusätzlich ein.

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Der Tagungsort ist ein aus Großzelten errichtetes Veranstaltungszentrum im Hauptquartier der peruanischen Armee. In Sichtweite: das Pentagonito, das "kleine Pentagon" von Peru. (Foto: Manuelitoh/Wikimedia Commons)

Figueres spricht von einem gap, einer Lücke, die das Paris-Abkommen zum Notwendigen lassen wird. Tatsächlich erwartet niemand bei der Klimakonferenz in Lima, dass der neue Weltklimavertrag, der nächstes Jahr in Paris verabschiedet werden soll, die Klimaerwärmung tatsächlich auf zwei Grad begrenzt. Dies sei ein "gradueller Prozess" sagt Figueres, der erst im Verlauf weiterer Klimakonferenzen die Welt auf den Zwei-Grad-Pfad bringen werde. Sie setzt darauf, dass die Länder zur "Einsicht gelangen, dass dies in ihrem langfristigen Interesse liegt".

2050 muss die Welt klimaneutral sein

Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass kurzfristig nicht mit einer Verschärfung der Treibhausgas-Emissionsziele zu rechnen ist, die die Staaten bis Ende März nächsten Jahres vorlegen sollen. Und Figueres hat dafür sogar Verständnis: "Die Länder sagen ganz klar: Nach dem erschöpfenden Prozess der Ausarbeitung der Ziele (bis März 2015), ist es nicht realistisch, diese jetzt schon zu ändern."

"Jedes Resultat bei jeder Klimakonferenz ist nie das Ende des Weges", sagt Figueres. Nach der Konferenz von Paris in einem Jahr sollen die nationalen Ziele regelmäßig überprüft und angepasst werden – so lange, bis der notwendige Wert erreicht ist.

Trotzdem kann Christiana Figueres nicht sagen, wann die Welt dann den Zwei-Grad-Pfad erreicht. "Es gibt kein bestimmtes Jahr, eine solche Jahreszahl kann ich nicht nennen." Klar sei aber das langfristige Ziel: "In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts müssen wir klimaneutral sein." Das bedeutet, dass die Emissionen auf Null sinken.

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"Viel Optimismus" wollen die Delegierten der 195 Vertraagsstaaten und der EU zum Beginn verspüren – aber das war bisher bei den meisten COPs, den "Conferences of Parties", so. (Foto: Reimer)

In welcher Form die Klimaneutralität Eingang in das Abschlussdokument von Lima findet, beantwortet Figueres allerdings vage: "Es gibt viele Möglichkeiten, dies im Text zu verankern. Welchen Ansatz die Länder schließlich wählen werden, weiß ich natürlich nicht."

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Alle Beiträge zur COP 20 in Peru
finden Sie in unserem Lima-Dossier

 

 

 

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