"China erreicht Klimaziel früher"

Das Porträt: Einer von 13.000

Bild 13.000 Delegierte und Beobachter suchen auf der Klimakonferenz in Lima derzeit den Fortschritt. In einer kleinen Serie stellt klimaretter.info einige von ihnen vor. Heute: Wei Xin, chinesischer Nachrichtenkorrespondent in Südamerika.

Wei Xin tippt entspannt auf die Tastatur seines Laptops im Medienzentrum, wo über hundert Journalisten sitzen und die Luft stickig ist. Die entscheidenden Stunden auf der Klimakoferenz in Lima brechen an, aber der Journalist von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua hat seine Arbeit bereits hinter sich. Am Abend muss er nur noch selbst ein, zwei Interviews für einen chinesischen Radiosender geben und den Fortschritt auf dem Gipfel bewerten.

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Wer die chinesische Klimapolitik verstehen will, muss die chinesische Philosophie verstehen, sagt der chinesische Agenturjournalist Wei Xin. (Foto: von Brackel)

Für den Lateinamerika-Korrespontenen, der sonst aus Brasilien über Wirtschafts- und Politikthemen aller Art berichtet, ist es die erste Klimakonferenz. "Gut organisiert" findet er sie, "eine gute Atmosphäre". Sein Tag beginnt früh um acht und endet um sieben Uhr abends. Er ist mit einem Dutzend Kollegen aus China hier (1.070 Journalisten sind auf der Klimakonferenz, 25 aus Deutschland, vier davon schreiben für klimaretter.info). 

Weis Agentur, eine Nachrichtenagentur der Regierung und die größte in China, habe Interviews mit Achim Steiner, dem Direktor des UN-Umweltprogramms, und mit der Chefin des UN-Klimasekretariats Christiana Figueres geführt, erzählt Wei. Seine Aufgabe war es aber, über die Nebenveranstaltungen, die "Side Events" der chinesischen Delegation zu berichten.

Gestern, erzählt er, habe ein chinesischer Delegierter die Klimaprobleme seines Landes auf einer Karte zusammengestellt. "Der Klimawandel lässt sich nicht mehr ignorieren", sagt der 31-Jährige und kommt sofort auf die Luftverschmutzung in den chinesischen Metropolen zu sprechen.

"Das Volk drängt die Regierung zum Handeln"

Er selbst kommt aus Peking. Vor zehn Jahren trug er noch keine Atemmaske, um sich vor dem Smog zu schützen, vor fünf Jahren setzte er ab und zu eine auf. Inzwischen tut er es immer, wenn er in Peking ist und auf die Straße geht. "Das Volk hat die Regierung zum Handeln gedrängt und die Regierung hat darauf gehört", sagt er.

Angesprochen auf den US-China-Deal meint der Agenturjournalist: "Das war ein wichtiger Schritt – seitdem ist China viel selbstbewusster und mächtiger in den Verhandlungen." Viele Umweltverbände und Beobachter kritisieren, dass das Jahr 2030, in dem China beginnen will seine Emissionen zu senken, viel zu spät angesetzt ist. Wei findet die Kritik übertrieben. 2030 sei eine Obergrenze. "Meiner Meinung nach wird China mit zusätzlichen Maßnahmen das Ziel früher erreichen."

Während China mit dem bilateralen Abkommen mit den USA die traditionelle Zweiteilung der Klimaverhandlungswelt in Entwicklungs- und Industrieländer aufgebrochen zu haben schien, verhandelt das Land in Lima immer noch wie bei früheren Klimakonferenzen: Es fordert ebenso wie Indien die Industrieländer auf, den ersten Schritt zu machen und sich zu ihrer historischen Klimaschuld zu bekennen.

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Wei Xin (links) bei der Arbeit im Medienzentrum. (Foto: von Brackel)

Diese beiden Gesichter erklärt sich Wei folgendermaßen: Das sei bei Staaten genauso wie bei Menschen. Treffen sich zwei auf persönlicher Ebene, dann denken sie jeweils nur an sich selbst. Wenn sie aber in Gruppen aufeinandertreffen, dann ändere sich die Situation. "Da spielt die Tausende Jahre alte chinesische Philosophie eine Rolle", sagt er. "China will die Menschen für ein Ziel vereinen." Als Anführer der Entwicklungsländer sei die Rolle seines Landes eben eine andere.

Aufgezeichnet von Benjamin von Brackel

Andere von 13.000:

Emissionshandels-Spezialistin Santikarn: "Andere Systeme laufen"
Mels Jeleussisow aus Kasachstans Delegation:
"Es fehlt Wahrheit"
Agentur-Journalist Wei Xin:
"China erreicht sein Klimaziel früher"
Nobelpreisträger Al Gore:
"Ja, wir müssen, ja, wir können"
US-Umweltaktivist James Jordan:
"Die Welt reorganisieren"
Entwicklungshelfer Foezullah Talukder:
"Ich bin ziemlich verärgert"
Umweltschützerin Tatjana Schauro:
"Russland tut viel zu wenig"
Deutschlands Delegationsleiterin Wilke:
"Ich versteh die Ungeduld!"
Nomadin Hindou Oumarou Ibrahim:
"Frauen wissen mehr"
"Capacity Building"-Spezialist Moussa:
"Ich hab so meine Zweifel!"

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Alle Beiträge zur COP 20 in Peru
finden Sie in unserem Lima-Dossier

 

 

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