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Die Jugend hat das Wort

Die Klimajugend YOUNGO hat im Vorfeld der Klimaverhandlungen in Cancún eigene Textvorschläge eingereicht. Der Dominikanischen Republik ist es zu verdanken, dass diese nun in offiziellen Verhandlungstext eingegangen sind.

Aus Cancún Lena Hörnlein

Es ist einer der kleinen, kaum wahrgenommenen Erfolge Cancúns: Eine Entscheidung über die Beteiligung der Zivilgesellschaft in der internationalen Klimapolitik. YOUNGO, die Repräsentation der Jugend bei den Klimaverhandlungen, hatte in den vergangenen Monaten eigene Textvorschläge für eine verstärkte Aufklärung über den Klimawandel eingereicht. Die Staaten sollen sich dazu bereit erklären, zivilgesellschaftliche Gruppen bei der Aufklärungs- und Bildungsarbeit über den Klimawandel zu unterstützen. Entwicklungsländer sollen besonders gefördert werden; die Klimafinanzinstitution GEF soll mehr finanzielle Mittel bereitstellen.


Vereint: Die Klima-Jungend, Delegierte und Vertreter des UN-Klimabüros. Endlich steht der Vertrag von Cancún. (Foto: Markus Nilsen)

"Die Verhandler haben uns endlich einmal ernst genommen", so Kari-Anne Isaksen aus Oslo, die für die norwegische Umweltorganisation Spire in Cancún ist. Anders als bei Themen wie Technologietransfer oder Anpassungsfinanzierung hätten die Länder in der Frage, wie man die Bevölkerung am besten über den Klimawandel aufklären kann, den jungen Erwachsenen vertraut, erzählt die 24-Jährige. "Bildung ist etwas, womit wir viel Erfahrung haben. Genauso mit der Beteiligung der Zivilgesellschaft. Schließlich sind wir alle in Non-Profit-Organisationen aktiv."

In der entscheidenden Vorverhandlung Ende letzter Woche waren die Regierungsdelegationen dann beinahe in ihre altbekannte Gewohnheit verfallen: Sie hatten begonnen, über Details, Punkte und Kommas im Textvorschlag zu streiten. Schließlich meldete sich die Dominikanische Republik zu Wort und deutete auf die jungen Leute im Saal: "Schaut, wie viele junge Leute hier sind, um uns zuzusehen. Wenn sie alle ein Ergebnis erwarten, müssen wir aufhören, über Details zu streiten." Die Stellungnahme führte zu einem Stimmungswechsel im Verhandlungssaal. Brasilien schlug vor, sich noch in dieser Sitzung zu einigen.

Der Vorsitzende Robert Owen Jones, der im Auftrag der UN die Diskussion leitete, fand das ein wenig zu ehrgeizig: "Wenn Sie es schaffen, in 90 Minuten zu einer Entscheidung zu kommen, verdienen sie einen goldenen Stern." Vor allem die Gruppe der Entwicklungsländer trieb in den folgenden eineinhalb Stunden die Verhandlungen an. Am Ende stand der Text: Er enthält nun alle wesentlichen Bestandteile, die die jungen Klimaaktivisten vorgeschlagen hatten. An diesem Freitag wurde er von der Staatengemeinschaft im Konsens beschlossen.


Der goldene Stern für die schnelle Entscheidung. (Foto: IISD)

Und obwohl der Text lediglich besagt, dass Jugendliche, Schulen und andere zivilgesellschaftliche Gruppen dabei unterstützt werden sollen, das Bewusstsein für den Klimawandel in der Bevölkerung zu erhöhen, ist Isaksen zufrieden: "Wir werden ein Dokument haben, an dem wir unsere Regierungen messen können. In unseren Heimatländern müssen wir dann nachverfolgen, was tatsächlich getan wird. Und wenn Länder sich nicht engagieren, können wir sie daran erinnern, was sie hier in Cancún versprochen haben."

YOUNGO, ein loser Zusammenschluss von etwa 100 jungen Klima-Interessierten aus aller Welt, die für verschiedene NGOs an den Klimaverhandlungen teilnehmen, feierte die Entscheidung als ersten großen Erfolg. Sie hatten sich während der zweiwöchigen Konferenz mit allen wichtigen Verhandlungsgruppen – EU, USA, Gruppe der 77 – getroffen, um auf ihre Zusammenarbeit zählen zu können. Besonders verdient aber hätte den goldenden Stern die Delegation der Dominikanischen Republik. Und auch der Vorsitzende Owen Jones, der zuvor so skeptisch war, ob 90 Minuten für eine Einigung ausreichen, bekam von den jungen Leuten einen gelben Stern aus Pappe. Er lobte die Aktivisten als "starke Agenten des Wandels".

 

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