Hände weg vom Geoengineering

Mehr als sechzig Umweltorganisationen aus aller Welt haben zum UN-Earth Day in Cochabamba eine Kampagne gegen Geoengineering gestartet. Hands off Mother Earth (HOME), so das Motto der Kampagne, die sich gegen den umstrittenen "Plan B" für den Klimaschutz einsetzt.

Spiegel in der Erdumlaufbahn, Schwefelpartikel in der Stratosphäre oder Meeresdüngung durch Eisensulfate: "Regierungen, die Jahrezehnte damit verbracht haben, Klimaprobbleme zu ignorieren und nicht einmal den minimalen Kyoto-Zielen gerecht werden, sollten die Hand nicht an das globale Thermostat legen dürfen", sagt Pat Mooney, Träger des Alternativen Nobelpreises und Chef der kanadischen Nichtregierungsorganisation ETC Group.


Die Welt im Griff der Technik? Geoengineering ist höchst umstritten. (Grafik: ETC Group) 

Regierungen, Militär- und Industrievertreter rücken die Debatte um die Bekämpfung des Klimawandels immer weiter in Richtung eines Plan B durch Geoengineering, kritisiert die Kampagne. Russische Wissenschaftler und Regierungsberater kündigten etwa 2009 an, erste Experimente mit Sulfat-Aerosolen zu unternehmen, im gleichen Jahr habe die UK Royal Society einen Bericht veröffentlicht, der die Regierung aufruft, Millionen Dollar in ein zehnjähriges Forschungsprogramm inklusive Feldversuchen zum Geoengineering zu stecken. Über ein ähnliches Programm diskutieren offenbar bereits Kommittees der britischen Regierung und des US-Kongresses. Und auch Microsoft-Mann Bill Gates habe bereits seit 2007 Millionen von Dollar in private Fonds zur Erforschung von Geoengineering fließen lassen.

Für die Diskussion möglicher Technologien des Geoengineering hatte sich auch US-Energieminister Steven Chu wiederholt ausgesprochen. In Deutschland schlug zuletzt etwa ein deutsch-indisches Experiment zur Eisendüngung der Ozeane Wellen auf, an dem das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven beteiligt war.

"Die Beeinflussung von Wetter, Menschen und Ökosystemen durch Geoengineering ist nicht mehr als eine bequeme Entschuldigung für Länder und Unternehmen, die nicht für den Klimaschutz tun wollen", sagt Ricardo Navarro von Friends of the Earth International. Die Integrität von Mutter Erde dürfe nicht durch Experimente verletzt werden, kritisiert auch Silvia Ribeiro von der ETC Group in Mexiko: "Die Welt ist kein Versuchslabor".

"Retooling the planet?" - Eine Studie der ETC Group zum Geoengineering finden Sie HIER

© klimaretter.info/sam

 

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