Neuer Schwung für Klimaverhandlungen

Evo Morales rief, und schließlich kamen über 35.000 Teilnehmer zur “Weltkonferenz der Völker über Klimawandel und Rechte der Mutter Erde”. Nach dem Scheitern der UN-Klimaverhandungen in Kopenhagen wurde das Treffen, das am Donnerstag zu Ende ging, zum Aufbruchssignal für Aktivisten aus 142 Ländern

Aus Cochabamba GERHARD DIILGER

"Jenseits von Ideologien, Volksgruppen, Ländern und Regionen ist die Verteidigung des Lebens und der Mutter Erde eine Verantwortung aller", meinte der bolivanische Präsident zum Abschluss des alternativen Klimagipfels. "Vor Kopenhagen gab es dreijährige Diskussionen, die zu keinem Abkommen führten", sagte Morales, "wir hingegen haben hier drei Tage lang debattiert und wichtige Initiativen verabschiedet, durch die die Welt gerettet werden könnte".

Seine venezolanischer Kollege Hugo Chávez warf Washington Erpressung und Geheimdiplomatie vor. "Mit Druck haben die USA erreicht, dass mittlerweile 120 Länder den illegitimen Kopenhagen-Text unterschrieben haben. Wir wissen auch, dass im Hinblick auf das Trefffen in Cancún bereits eine selektive Diplomatie in Gang ist , zu diesen Treffen werden unbequeme Regierungen gar nicht eingeladen".

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"Der Klimawandel betrifft uns alle - jetzt handeln!". (Foto: Dilger)

An die Industrieländer erging die Forderung, ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 zu halbieren und 6 Prozent ihres jährlichen Haushalt in einen Weltklimafonds einzuzahlen. In einem weltweiten Referendum soll darüber abgestimmt werden, ob die Verteidigungsausgaben nicht lieber für den Klimaschutz umgewidmet werden sollten. Schließlich sollten Unternehmen und Regierungen vor einem zu gründenden Weltklimagerichtshof verklagt werden können.

Die Ergebnisse, um die in 17 Arbeitsgruppen teilweise zäh gerungen wurde, flossen in ein 10-seitiges "Abkommen der Völker" ein, das in vielem radikaler ist als die Regierungspraxis der lateinamerikanischen Linksregierungen. So wird das Agrobusiness, das Lebensmittel für den Markt, aber nicht für die Ernährung aller Menschen produziere, als einer der Hauptverursacher des Klimawandel bezeichnet.

Agrotreibstoffe, Emissionshandel, Gentechik, Geo-Engineering oder Monokulturen seien allesamt "falsche Lösungen" im Kampf gegen den Klimawandel, heißt es weiter. Durch große Infrastruktur- und Bergbauprojekte würden indianische und bäuerliche Gemeinschaften in ihrer Existenz bedroht.

Auch Regierungsverteter aus 47 Ländern waren anwesend. Bolivien, Venezuela und Kuba, die sich im Dezember dem völlig unverbindlichen "Kopenhagen-Abkommen" verweigert hatten, wollen die Erklärung von Cochabamba in die UN-Klimaverhandlungen einspeisen – auf dem letzten Treffen der Klimadiplomaten in Bonn war dafür der 26. April als Frist gesetzt worden.

Auch Kirchenvertreter beiteiligten sich an den Debatten. "Die Konferenz bot Gelegenheit, jenen zuzuhören, die vom Klimawandel am meisten betroffen sind", sagte Guillermo Kerber, der Klimareferent des Weltkirchenrates. "Wir sehen darin ein Instrument, um einen globalen Konsens zum Klimawandel herbeizuführen und die Perspektive von Akteuren in den Vordergrund zu stellen, denen im UN-Verhandlungsprozess der Vereinten Nationen nicht genügend Gehör geschenkt worden ist".

Mehr zum alternativen Klimagipfel in Bolivien finden Sie im Cochabamba-Dossier

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