Klimagerechtigkeit mit Evo Morales - oder ohne

Wie weiter nach Kopenhagen? Das internationale Netzwerk radikaler und aktionsorientierter KlimaaktivistInnen Climate Justice Action hat sich am Wochenende in Amsterdam getroffen. Themen waren unter anderem der bevorstehende alternative Klimagipfel in Bolivien, die UN-Zwischenverhandlungen in Bonn und ein möglicher globaler Aktionstag im Herbst

Aus Berlin HANNO BÖCK

Am Wochenende fand das erste internationale Treffen des Netzwerks Climate Justice Action nach dem Weltklimagipfel in Dänemark statt. Nach Kopenhagen fragt sich auch die radikalere Klima-Bewegung, wie es weitergehen soll: In Amsterdam debattierten Menschen aus elf europäischen Ländern über die nächsten Schritte einer "Bewegung für Klimagerechtigkeit".

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Forderung nach Klimagerechtigkeit in Kopenhagen

Die Climate Justice Action (CJA) ist noch jung: Gegründet wurde das Netzwerk im Zuge der Mobilisierung zum Klimagipfel in Kopenhagen. Der Anspruch war, in erster Linie auf direkte Aktionen und nicht auf Teilnahme am offiziellen UNFCCC-Gipfel zu setzen. Auch Gruppen, die dem offiziellen Gipfelprozess kritisch bis ablehnend gegenüberstehen, sammelten sich in dem Netzwerk, das Emissionshandel und andere marktbasierte Mechanismen als "falsche Lösungen" ablehnt und durch die Namensgebung (Climate Justice) betonen will, dass Klimaschutz nicht nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte beinhaltet.

Die Aktionstage während des Weltklimagipfels in Kopenhagen, etwa die Reclaim Power-Aktion und der Versuch der Hafenbesetzung, gingen vor allem von Gruppen aus dem CJA-Netzwerk aus.

In Amsterdam standen nun die nächsten Schauplätze von Aktionen auf dem Programm: Ein vieldiskutiertes – und nicht unstrittiges – Thema war dabei der bevorstehende alternative Klimagipfel in bolivianischen Cochabamba vom 20. bis 22. April, zu dem Präsident Evo Morales nach dem Scheitern von Kopenhagen aufgerufen hatte. Viele AktivistInnen sehen in Morales' Alternativgipfel eine Chance, kritischen Stimmen in der Klimapolitik mehr Gehör zu verschaffen.

Gleichzeitig besteht jedoch die Befürchtung der Vereinnahmung. Und auch der Cochabamba-Gipfel sei schließlich ein Treffen, das "von oben" durch eine Regierung initiiert wurde - und nicht durch betroffene Menschen "von unten". Zeitgleich zum Gipfel in Bolivien wollen Gruppen aus Belgien offenbar einen eigenen alternativen Klimaipfel veranstalten.

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COP15: Reclaim Power-Aktion (Fotos: Hanno Böck)

Das zweite große Thema des Amsterdamer Treffens war, wie man sich in Zukunft zu den offiziellen UN-Klimaverhandlungen verhalten wolle. Hier stehen bereits die nächsten Termine vor der Tür: die UN-Zwischenverhandlungen in Bonn (April und Juni) und natürlich die COP 16 im mexikanischen Cancun (Ende November).

Viele TeilnehmerInnen des CJA-Strategietreffens kritisierten das "Gipfelhopping" und wollten stärker auf direkte Aktionen gegen Klimazerstörung setzen. Wenn man von den UN-Verhandlungen wenig erwarte, so wird argumentiert, brauche man ihnen auch nicht hinterherlaufen. Im Klima!Bewegungsnetzwerk, einem Bündnis aus Deutschland, gab es im Vorfeld die Tendenz, sich gar nicht in die Mobilisierung für den Bonn-Gipfel einbringen zu wollen. Einigen konnten sich die Netzwerk-Mitglieder in Amsterdam jedenfalls nicht.

Fest steht bislang nur: Climate Justice Action wird sich das nächste Mal in Bonn treffen, zeitgleich zu den UN-Zwischenverhandlungen. Jedoch nicht für Gegenaktionen - sondern vor allem, um in größerem Rahmen und mit mehr Menschen weitere Aktivitäten zu planen. Die Rede war in Amsterdam etwa von einem internationalen Aktionstag im Herbst.

Climate Justice Action, das internationale Netzwerk radikaler und aktionsorientierter KlimaaktivistInnen, traf sich am Wochenende in Amsterdam. Themen waren unter anderem der bevorstehende alternative Klimagipfel in Bolivien, die UN-Zwischenverhandlungen in Bonn und ein möglicher globaler Aktionstag im Herbst

Das Netzwerk Climate Justice Action (CJA) hatte sich im Rahmen der Mobilisierung zum Klimagipfel in Kopenhagen gegründet. Der Anspruch war, in erster Linie auf direkte Aktionen und nicht auf Teilnahme am offiziellen UNFCCC-Gipfel zu setzen. Weiterhin sammelten sich im Netzwerk vor allem Gruppen, die dem offiziellen Gipfelprozess kritisch bis ablehnend gegenüberstanden. Emissionshandel und andere marktbasierte Mechanismen werden als falsche Lösungen abgelehnt, der Begriff der Klimagerechtigkeit („Climate Justice“) soll betonen, dass Klimaschutz nicht nur ökologische, sondern auch soziale Aspekte beinhaltet. Die Aktionstage während der COP15 in Kopenhagen, etwa die Reclaim Power-Aktion und die versuchte Hafenbesetzung, gingen vor allem von Gruppen aus dem CJA-Netzwerk aus.

Am Wochenende fand das erste internationale Treffen des Netzwerks nach dem Gipfel statt. Menschen aus 11 verschiedenen europäischen Ländern debattierten über die nächsten Schritte einer Bewegung für Klimagerechtigkeit.

Ein vieldiskutiertes – und nicht unstrittiges – Thema war dabei der bevorstehende (link http://www.wir-klimaretter.de/nachrichtensep/politik-nachrichten/4805-morales-l-zu-alternativem-klimagipfel-ein )alternative Klimagipfel in Cochamba/Bolivien vom 20. bis 22. April. Boliviens Präsident Evo Morales hatte nach dem Scheitern von Kopenhagen hierzu aufgerufen. Viele AktivistInnen sehen hierin eine Chance, kritischen Stimmen in der Klimapolitik eine Stimme zu geben. Doch besteht die Befürchtung der Vereinnahmung, weiterhin ist auch der bolivianische Alternativgipfel keiner, der von „unten“, von den betroffenen Menschen initiiert wurde, sondern von „oben“, von einer Regierung.

Gruppen aus Belgien/Brüssel planen, zeitgleich zum Gipfel in Bolivien, ebenfalls einen alternativen Klimagipfel zu veranstalten.

Als weiteres wichtiges Thema wurde diskutiert, wie man sich in Zukunft zu den offiziellen UN-Klimaverhandlungen verhält. Als nächstes stehen hier die UN-Zwischenverhandlungen in Bonn (Anfang Juni) und die COP 16 in Mexiko City (Anfang Dezember) an. Viele kritisieren das „Gipfelhopping“ und möchten mehr auf direkte Aktionen gegen Klimazerstörung setzen. Wenn man von den UN-Verhandlungen wenig erwartet – so wird argumentiert – brauche man ihnen auch nicht hinterher laufen. Aus dem Klima!BewegungsNetzwerk, einem Bündnis aus Deutschland, gab es im Vorfeld die Tendenz, sich nicht in die Mobilisierung für den Bonn-Gipfel einbringen zu wollen. Letztendlich blieben die Meinungen hierüber gespalten.

Climate Justice Action wird sich das nächste mal in Bonn treffen, zeitgleich zu den UN-Zwischenverhandlungen dort – jedoch nicht als Aktionsschwerpunkt, sondern vor allem um in größerem Rahmen und mit mehr Menschen weitere Aktivitäten zu planen. Angedacht ist ein internationaler Aktionstag im Herbst.

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