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Das Spiel in Bonn ist aus

Lange Zeit sah es so aus, als könnte diese Klimakonferenz ein Hoffnungszeichen setzen. Weil aber das Präsidium einen Fehler machte und einzelne Länder sich übergangen fühlten, endet auch diese Konferenz ohne Optimismus. Also so wie immer.

Aus Bonn NICK REIMER

Ohne neue Hoffnung ist am Freitag die Frühjahrstagung der Weltklimadiplomatie zu Ende gegangen. Dabei hatte es bis zum Nachmittag noch optimistisch ausgesehen: Die Delegierten aus 182 Staaten diskutierten einen neuen Verhandlungstext, der als Grundlage für die Suche nach einem Post-Kyoto-Regime dienen sollte. "Mit diesem Text haben wir tatsächlich eine Grundlage, die Verhandlungen in Cancun zu einem Ergebnis zu bingen", hatte die deutsche Verhandlungsführerin Nicole Wilke geurteilt. Selbst Klimaschützer sprachen von einer "guten Grundlage", die "verlorenes Vertrauen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zurückgewonnen habe", wie Regine Günther vom WWF erklärte.

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Ratlosigkeit nach Ende der Konferenz: Dabei hatte es tatsächlich Grund zum Optimismus gegeben. (Fotos: Reimer)

Allerdings sorgten Änderungen dieses Textes bei vielen Ländern in letzter Minute für Ablehnung. Russland hatte am Nachmittag ein Veto eingelegt, woraufhin die Verhandlungsführung noch einmal Zugeständnisse machte. Und dabei die Klammern, die zuvor Optionen im Text markierten, kurzerhand gestrichen. "Wir wollen nicht über Positionen debatieren, sondern über Optionen verhandeln", erklärte daraufhin die Verhandlungsführerin aus Venezuela, Länder wie Ägypten oder Jemen schwenkten auf diese Kritik ebenfalls ein. Und so wurde debattiert, debattiert, debattiert....

Am Ende wurde der Text "zur Kenntnis genommen". Bis zur nächsten Klimakonferenz Anfang August in Bonn soll er nun so überarbeitet werden, dass er von allen als Verhandlungsgrundlage akzeptiert werden kann. Festgelegt wurde auch wo die darauf folgende Konferenz stattfinden soll: im Oktober in Peking. Aber das war wohl auch das konkreteste Ergebnis der Frühjahrstagung.

Dennoch sieht der scheidende UN-Klimasekretariats-Chef "wichtige Fortschritte" auf dem Verhandlungsparkett: Die Staaten hätten sich unter anderem in Fragen des Regenwaldschutzes und des Technologietransfers sowie bei weiteren technischen Details angenähert. Zudem liege der neue Verhandlungstext ja nun auf dem Tisch. De Boer: "Die Delegierten können jetzt nach Hause fahren und ihre Hausaufgaben machen".

Greenpeace sieht das - naturgemäß? - anders: Auf der Bonner Konferenz habe die Chance bestanden zu klären, was in Cancún tatsächlich beschlossen werden könnte, sagte Klima-Koordinator von Greenpeace, Martin Kaiser. "Weil hier aber kein Verhandlungstext als Richtschnur beschlossen wurde, bleibt weiterhin völlig unklar, wann ein ambitionierter und gerechter Welt-Klimavertrag unterzeichnet werden kann."

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Fußball-WM statt Klimakonferenz-TV: Nach dem Ende wurde umgeschaltet. Hier Yvo de Boer mit Luis Alfonso de Alba, Leiter der mexikanische Delegation, der sich ein Fußballdress übergestreift hat.

Unmittelbar nach dem Ende der Konferenz wurde von Konferenz-TV auf Fußball-Weltmeisterschaft umgeschaltet. Manche Delegierte hatten sich sogar Nationaltrikots übergestreift. Allerdings dürfte die Klimaverhandler nicht einmal das Eröffnungsspiel erfreut haben (Mexiko richtet die nächste, Südafrika die übernächste Weltklimakonferenz aus): Eingeblendet wurde gerade noch die Verlängerung.

Mehr zur Klimakonferenz in Bonn finden Sie in unserem Dossier

 
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