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"Wir müssen einzelne Meilensteine erreichen"

sandeep_barbara_klein_crSeit Montag tagt in Bonn wieder die Weltklimadiplomatie. Und auch wenn das Ziel eines rechtsverbindlichen Abkommens für dieses Jahr bereits vom Tisch scheint: Die Länder des Südens hoffen zumindest darauf, dass die Frage der Finanzierung bis Mexiko geklärt wird. wir-klimaretter.de sprach mit den WWF-Experten Sandeep Chamling Rai aus Nepal und Barbara Lueg aus Deutschland über die Aussichten auf Ergebnisse

wir-klimaretter.de: Yvo de Boer hat einem verbindlichen Klimavertrag für dieses Jahr bereits eine Absage erteilt: Glaubt hier auf der Weltklimakonferenz überhaupt noch jemand an ein neues Klima-Abkommen?

Sandeep Chamling Rai: Ich spreche für die Least Developed Countries LCD, also die am wenigsten entwickelten Länder, weil ich aus einem solchen komme. Die LDC-Länder wollen ein rechtsverbindliches Abkommen in diesem Jahr.

Sie wollen eines, aber glauben sie auch daran?

Sandeep Chamling Rai: Ich würde sagen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir haben noch sechs Monate Zeit bis zur Klimakonferenz in Cancún. Für die LDC ist es sehr wichtig, dass bald ein Abkommen unterzeichnet wird. Für uns sind insbesondere Anpassungsmaßnahmen wichtig. Deren Möglichkeiten haben aber ihre Grenzen. Wenn so weitergemacht wird wie bisher, dann werden wir das Ziel, die Klimaerwärmung unterhalb der 2-Grad-Grenze zu halten, nicht erreichen, dann werden es drei Grad oder mehr. Das macht eine Anpassung wesentlich schwieriger, wenn nicht unmöglich.

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Über die Frage der Finanzierung wurde in Bonn noch nicht wirklich gesprochen.

Barbara Lueg: Es ist auf jeden Fall wichtig, dass, wenn in Cancún schon kein weltweites Abkommen erzielt wird, dort einzelne Meilensteine erreicht werden.

Meilenstein in welchem Sinne?

Sandeep Chamling Rai: Wir brauchen Ergebnisse zur Frage der Finanzen, zu REDD und Waldschutz und zur Anpassung an den Klimawandel. Ich beschränke mich hier auf die Anpassungsfrage, weil das mein Spezialgebiet ist. Von zentraler Bedeutung ist die Einrichtung eines internationales Versicherungssystems sowie eines Mechanismus, um die vom Klimawandel verursachten Schäden auszugleichen. Wir brauchen einen Rahmen in dem alle Themen rund um Anpassungsmaßnahmen behandelt werden. Außerdem brauchen wir ein Board, das sich mit den Anpassungsmaßnahmen befasst und an dem alle Parteien beteiligt werden. Dieses sollte dafür sorgen, dass die Verhandlungen auf diesem Gebiet nicht stocken, sie im Gegenteil vorwärts treiben. Für die Anpassungsmaßnahmen ist auch die Frage nach der Finanzierung wichtig. Darüber wurde bisher in Bonn auch noch gar nicht wirklich gesprochen, ich hoffe, das kommt noch auf den Tisch.

Barbara Lueg: Wichtig wird sein, dass in Cancún Quellen ausfindig gemacht und beschlossen werden, aus denen die Gelder für Emissionsminderungen und Anpassungsmaßnahmen kommen können. Wir halten hierbei eine Abgabe auf Emissionen aus dem Luft- und Schiffverkehr für möglich und befürworten diese Idee auch. Außerdem ist ein Teil der Finanzierung durch eine Finanztransaktionssteuer möglich, die ja auch bereits debattiert wird.

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Klimakonferenz in Bonn: Während andere pausieren, arbeitet Belgien weiter. (Fotos: Treblin)

Von welcher Höhe der Gelder sprechen wir denn?

Sandeep Chamling Rai: Die LDC, kleine Inselstaaten und die afrikanischen Länder wollen, dass die Industrieländer 1,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung stellen. Der WWF fordert beispielsweise allein für Anpassungsmaßnahmen 50 Milliarden Dollar pro Jahr. Das müssen zusätzliche Gelder sein, nicht etwa Entwicklungsgelder, die bereits woanders zugesagt wurden.

Barbara Lueg: Die Forderungen variieren bei den einzelnen Ländern. Die Spanne allein bei den Entwicklungsländern liegt meist zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Cancún sollten Zahlen genannt werden, wie hoch die Summe der öffentlichen Gelder ist, die die Industriestaaten zu geben bereit sind. Die 100 Milliarden, die in Kopenhagen für die Zeit nach 2012 versprochen wurden, beziehen alle Gelder mit ein, auch die aus privaten Quellen und aus den Kohlenstoffmärkten. Wichtig ist auch, dass als erster Schritt die kurzfristige Finanzierung durchgeführt wird, die in Kopenhagen schon zugesagt wurde.

INTERVIEW: JOHANNA TREBLIN

wir-klimaretter.de: Yvo de Boer hat letzte Woche auf einer Pressekonferenz gesagt, er halte ein rechtsverbindliches Klimaabkommen in diesem Jahr für unwahrscheinlich. Denken Sie, dass überhaupt jemand hier auf der Weltklimakonferenz an ein rechtsverbindliches Abkommen glaubt?

 

Sandeep Chamling Rai: Ich spreche für die LDCs, also die am wenigstens entwickelten Länder, weil ich aus einem solchen komme. Die LDC-Länder wollen ein rechtsverbindliches Abkommen in diesem Jahr.

 

Sie wollen eines, aber glauben sie auch daran?

 

Sandeep Chamling Rai: Ich würde sagen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wir haben noch sechs Monate Zeit bis zur Klimakonferenz in Cancún. Für die LDC ist es sehr wichtig, dass bald ein Abkommen unterzeichnet wird. Für uns sind insbesondere Anpassungsmaßnahmen wichtig. Deren Möglichkeiten haben aber ihre Grenzen. Wenn so weitergemacht wird wie bisher, dann werden wir das Ziel, die Klimaerwärmung unterhalb der 2° Grenze zu halten, nicht erreichen, dann werden es drei Grad oder mehr. Das macht eine Anpassung wesentlich schwieriger wenn nicht unmöglich.

 

Barbara Lueg: Es ist auf jeden Fall wichtig, dass, wenn in Cancún schon kein weltweites Abkommen erzielt wird, dort einzelne Meilensteine erreicht werden.

 

Meilenstein in welchem Sinne?

 

Sandeep Chamling Rai: Wir brauchen Ergebnisse zur Frage der Finanzen, zu REDD und zur Anpassung an den Klimawandel.

 

Können Sie das spezifizieren?

 

Sandeep Chamling Rai: Ich beschränke mich hier auf die Anpassungsfrage, weil das mein Spezialgebiet ist. Von zentraler Bedeutung ist die Einrichtung eines internationales Versicherungssystems sowie eines Mechanismus, um die vom Klimawandel verursachten Schäden auszugleichen. Wir brauchen einen Rahmen in dem alle Themen rund um Anpassungsmaßnahmen behandelt werden. Außerdem brauchen wir ein Board, das sich mit den Anpassungsmaßnahmen befasst und an dem alle Parteien beteiligt werden. Dieses sollte dafür sorgen, dass die Verhandlungen auf diesem Gebiet nicht stocken, sie im Gegenteil vorwärts treiben. Für die Anpassungsmaßnahmen ist auch die Frage nach der Finanzierung wichtig. Darüber wurde bisher in Bonn auch noch gar nicht wirklich gesprochen, ich hoffe, das kommt noch auf den Tisch.

 

Barbara Lueg: Wichtig wird sein, dass in Cancún Quellen ausfindig gemacht und beschlossen werden, aus denen die Gelder für Emissionsminderungen und Anpassungsmaßnahmen kommen können. Wir halten hierbei eine Abgabe auf Emissionen aus dem Luft- und Schiffverkehr für möglich und befürworten diese Idee auch. Außerdem ist ein Teil der Finanzierung durch eine Finanztransaktionssteuer möglich, die ja auch bereits debattiert wird.

 

Von welcher Höhe der Gelder sprechen wir denn?

 

Sandeep Chamling Rai: Die LDC, kleine Inselstaaten und die afrikanischen Länder wollen, dass die Industrieländer 1,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung stellen. Der WWF fordert beispielsweise allein für Anpassungsmaßnahmen 50 Milliarden Dollar pro Jahr. Das müssen zusätzliche Gelder sein, nicht etwa Entwicklungsgelder, die bereits woanders zugesagt wurden.

 

Barbara Lueg: Die Forderungen variieren bei den einzelnen Ländern. Die Spanne allein bei den Entwicklungsländern liegt meist zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Cancún sollten Zahlen genannt werden, wie hoch die Summe der öffentlichen Gelder ist, die die Industriestaaten zu geben bereit sind. Die 100 Milliarden, die in Kopenhagen für die Zeit nach 2012 versprochen wurden, beziehen alle Gelder mit ein, auch die aus privaten Quellen und aus den Kohlenstoffmärkten. Wichtig ist auch, dass als erster Schritt die kurzfristige Finanzierung durchgeführt wird, die in Kopenhagen schon zugesagt wurde.

 

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