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Weniger Geld, mehr Strategie

Noch 1 Tag bis Cancún: Die Jugendbewegung will in Mexiko "mehr als nur reden". Mehr als 200 Teilnehmer trafen sich in Cancún zur Konferenz der Jugend: Auf dem Weltklimagipfel setzen sie auf strategische Planung von Aktionen.

Aus Cancún Daniel Boese

Zum ersten Mal erarbeiten die Aktivisten der verschiedenen internationalen Delegationen eine gemeinsam abgestimmte Kampagne für die zwei Wochen dauernden Verhandlungen. Trotz finanzieller und logistischer Hürden begleiten Jugendliche aus aller Welt ab morgen die Verhandlungen mit ihrem kritischen Blick.

bunkerfilms5Schon seit September adoptiert die britische Jugendkoalition UKYCC Abgeordnete des Parlaments, um mit ihnen über Klimaschutz und Klimapolitik zu reden. Die KampagneAdopt an MP baut auf das “Adopt a Negotiator”-Projekt auf, bei dem junge Blogger seit Juni 2009 die Verhandlungsführer ihrer Länder bei den UN verfolgen. Gerade die britische Trackerin Anna Collins hat immer wieder festgestellt, wie nervös die Diplomaten auf die ungewohnte Beobachtung durch Jugendaktivisten mit ihrer Präsenz auf Twitter, Facebook und eigenen Blogs reagieren. Wobei die Jugend ihren Ziele durchaus freundlich verfolgt, beispielsweise mit einem Picknick für adoptierte Parlamentarier in einem Londoner Park, “Climate in the Park”.

Auch andere Jugendaktivisten versuchen den Druck zu erhöhen. So wird die Kampagne UN-Fairplay in Cancun die Ergebnisse ihres Reports zur Benachteiligung kleiner Staaten bei den Klimagesprächen vorstellen. Die Aktivisten haben seit mehreren Jahren die Arbeit von Delegationen kleinerer Inselstaaten wie Kiribati unterstützt, indem sie versuchen, die Informationslöcher zu stöpfen. Die Delegationen haben oft weniger als ein Dutzend Mitglieder und können daher nicht an allen relevanten Arbeitsgruppen und Events teilnehmen, zum Teil reisen sie zu den Arbeitsgesprächen in Bonn überhaupt nicht an. Die Jugendaktivisten besuchen daher Termine und schreiben Protokoll für die Delegationen. Der Report “Filling the Information Gaps” soll nun strukturelle Veränderungen herbeiführen, um die Regeln des “unfairen Spiels” zu verändern. Er fordert einen Ausbau der Informationspolitik durch das UN-Klimasekretariat. In Cancun können sich Länder-Delegierte außerdem direkt über ein Online-Forum mit Arbeitsaufträgen an die jungen Protokollführer wenden.

Den großen geopolitischen Konflikt der Verhandlungen thematisieren die Jugenddelegationen aus den USA und China. Sie führen ihren chinesisch-amerikanischen Jugenddialog fort, den sie in Kopenhagen begonnen haben. So werden sie erste Preise für dasGreat Power Racevergeben, bei dem Teams aus Universitäten aus USA, China und Indien um die besten grünen Energie-Projekte kämpfen. 993 Universitäten haben sich beteiligt und 1330 Projekte gestartet. Gleichzeitig werden die amerikanische Jugendaktivisten Politiker zu Hause auf Trab halten. Sie haben einRapid Response Network organisiert, das auf aktuelle Entwicklungen bei den Verhandlungen in Cancun reagiert.

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Die Jugend in Cancun verfolgt kritisch interessiert die Verhandlungen (Foto: Boese)

Logistik und Finanzierung sind für die Jugendaktivisten ein Jahr nach Kopenhagen deutlich schwieriger geworden. Sowohl Regierungen als auch private Stiftungen stellen deutlich weniger Geld zur Verfügung als vor einem Jahr. Dies trifft vor allem Teilnehmer aus dem globalen Süden, so ist aus ganz Afrika nur eine Delegation der togolesischen Jugend-NGO Jeunes Volontaires pour L`environnement angereist. 2009 hatte die Regierung der Niederlande die internationale Jugendklimabewegung mit einem sechsstelligen Budget unterstützt, das war das erste Mal, dass die Aktivisten eine substantielle institutionelle Förderung erhielten.

Gleichzeitig hat jetzt das UN-Klimasekretariat die Hürden für die Jugendpartizipation erhöht und deutlich weniger Akkreditierungen ausgegeben. Die NGO 350.org hatte 110 Akkreditierungen beantragt, aber nur 55 erhalten. Die 55 dürfen auf zwei Wochen verteilt werden, also jeweils 55 Teilnehmer pro Woche. In Kopenhagen hatte 350.org noch 350 Akkreditierungen erhalten, vor allem für Jugendaktivisten kleinerer Kampagnen und Netzwerke aus dem globalen Süden. Dennoch sind auch dieses Jahr Delegationen aus Nepal, Philippinen, Indien und China anwesend.

(Foto: Bunkerfilms)

 

Bislang in unserem Cancún-Countdown:

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