Im Schneckentempo nach Paris

Tag 9 der Klimakonferenz in Bonn: Nur noch bis zum Wochenende haben die Verhandler Zeit, um den Fahrplan nach Paris festzuzurren – damit dort 2015 ein neuer Klimavertrag beschlossen werden kann. Doch die Diskussionen um Anpassungsmaßnahmen, Reduktionspflichten und Finanzspritzen verlaufen mehr als schleppend. Nicht einmal durch das Unwetter, das auch in Bonn tobte, ließ man sich aus der Ruhe bringen.

Aus Bonn Kathrin Henneberger

Die Zeit drängt: Schon in sechs Monaten soll die sogenannte Durban Platform liefern. Die 2011 ins Leben gerufene Ad Hoc Working Group on the Durban Platform for Enhanced Action (ADP) hat das Mandat, die Texte für einen neuen Klimavertrag für den Gipfel 2015  in Paris zu schreiben. Die zentralen Elemente sollen allerdings schon auf dem nächsten Klimagipfel im Dezember in Lima feststehen. 

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Auf der Klimakonferenz in Bonn werden die Bausteine für den Verhandlungstext des nächsten Klimavertrages ausgearbeitet. Auch Waldschutz ist ein Thema. (Foto: Kathrin Henneberger) 

Viel Zeit bleibt den Verhandlern also nicht mehr. Doch die zurzeit stattfindende Vorbereitungskonferenz in Bonn lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Am Montag und Dienstag tobte im ganzen Bundesland Nordrhein-Westfalen das schwerste Unwetter seit 20 Jahren. Bei der Konferenz im Bonner Hotel Maritim ließ sich davon niemand beeindrucken. "Slowly, slowly, catchee monkey" – kommentierte eco, der NGO-Newsletter der Konferenz, die bisherigen Fortschritte: Um niemanden zu verschrecken, schleichen die Diskussionen vorsichtig voran.

Die Nichtregierungsorganisationen bemühen sich dennoch um Optimismus. "Auf der Klimakonferenz herrscht bisher eine gute Stimmung, die Staaten führen ernsthafte Diskussionen über die Möglichkeiten des neuen Abkommens", sagte Alden Meyer von der Union of Concerned Scientists. Doch Meyer mahnte auch: "Jetzt muss der Verhandlungstext konkretisiert und an die wissenschaftlichen Forderungen angepasst werden." Der Mann vom Climate Action Network erhofft sich einen Durchbruch von dem Ban-Ki-Moon-Gipfel, dem Treffen der Minister und Staatschefs im September beim UN-Generalsekretär in New York. Meyer wünscht sich, dass nun – anders als bei den gescheiterten Verhandlungen in Kopenhagen 2009 – "ambitionierte Ziele" und "effektive Instrumente" zur Reduzierung der Treibhausgase entwickelt werden.

Die Schwerpunkte in Bonn liegen auf der Finanzierung und technologischen Unterstützung für Entwicklungsländer. Dadurch sollen sie die Möglichkeit erhalten, sich wirtschaftlich zu entwickeln und gleichzeitig CO2-arme Strukturen aufzubauen. Um das umzusetzen, präsentieren jetzt die Staaten ihre – unterschiedlichen – Vorstellungen, skizzieren Wege und stellen Forderungen für den neuen Klimavertrag 2015.

Große Lücke zwischen realen Emissionen und Reduktionsverpflichtungen

In den letzten Tagen traf sich auch die ADP-Kontaktgruppe für Technologische Entwicklung in Bonn das erste Mal. Einig waren sich die Delegierten darin, dem "Technology Executive Committee" (TEC) und dem "Climate Technology Centre and Network" (CTCN), die den Auftrag haben die Technologischen Mechanismen umzusetzen, die Arbeit zu erleichtern.

Als zweiter Verhandlungsstrang wird unter dem Dach der Durban Platform auch über Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase bis 2020 verhandelt. Das Ziel ist hier, die große Lücke zwischen den realen Emissionen und den Reduktionsverpflichtungen zu schließen. Bis zum vergangenen März traf sich der ADP-Verhandlungsstrang in einer Gruppe, nun wurde sie in verschiedene Arbeitsbereiche unterteilt.

In einer Untergruppe geht es beispielsweise um die Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel. Hier entbrannte ein Streit zwischen den Delegierten. Denn noch ist unklar, ob Klimaanpassungs-Maßnahmen in den neuen Klimavertrag integriert werden sollen oder ob sie beispielsweise in die Klimaschutzverpflichtungen der Staaten, die sogenannten Intended Nationally Determined Contributions (INDCs), gehören.

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Auf der Bonner Konferenz geht es voran, eine Schnecke könnte sie aber auf ihrem Weg nach Paris überholen. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)

Ungeklärt ist auch noch, wie stark Finanzierungsfragen in die Paris-Verpflichtungen einbezogen werden. So forderten Vertreter von Entwicklungsländern von den Industriestaaten konkretere finanzielle Zusicherungen für mehr Klimaschutz in ihren Ländern – auch über das Jahr 2020 hinaus. Für die Klimafinanzierung wurde ein Arbeitsplan aufgestellt, nach dem unterschiedliche Instrumente erarbeitet werden sollen. Um die Finanzen wird es sich auch am Ende auf der Klimakonferenz in Bonn drehen: Der Green Climate Fund ist ebenfalls ein Instrument der ADP-Verhandlungen und muss mit Leben beziehungsweise mit Geld gefüllt werden. Bislang geht das nur langsam ("Slowly, slowly ...").

Mehr zur Klimakonferenz in Bonn finden Sie in unserem Dossier 

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