Bonn beginnt mit Rückenwind

Die USA und China bringen neuen Schwung in die Verhandlungen über einen neuen Weltklimavertrag, die heute in Bonn beginnen. Bislang glichen solche Runden einem Mikadospiel: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Doch nun haben die beiden größten Treibhausgas-Emittenten der Welt gesagt, wie sie in Zukunft ihre Emissionen reduzieren wollen.

Eine Analyse von Christian Mihatsch

Die USA sind schon mal in Vorlage gegangen: Am Montag hatte die Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy, einen Plan vorgestellt, mit dem Präsident Barack Obama die Kohlendioxid-Emissionen aus bestehenden Kraftwerken um 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 reduzieren will. Was sich die Regierung davon erhofft, hat Obama bereits vergangene Woche bei einer Rede an der Militärakademie West Point dargelegt: "Amerikas Einfluss ist immer dann größer, wenn wir mit gutem Beispiel vorangehen."

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Will jetzt doch noch ein bisschen "change" wagen: US-Präsident Barack Obama. Den "climate change" bekommen nämlich inzwischen auch US-Bürger zu spüren. (Foto: Michael Ayotte/ USMC/Wikimedia Commons)

Mit ihrer Ankündigung versuchen die USA also Schwung in die Klimaverhandlungen zu bringen. Und Obamas Plan scheint aufzugehen: Gestern hat ein Berater der chinesischen Regierung angekündigt, Peking wolle eine absolute Obergrenze für die nationalen Emissionen im nächsten Fünf-Jahres-Plan festschreiben. Dieser gilt ab 2016. Bislang hatte sich China stets geweigert, eine absolute Obergrenze zu nennen. Das aktuelle Emissionsziel verlangt lediglich eine Reduktion der CO2-Intensität der chinesischen Wirtschaft: Die CO2-Emissionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sollen um 40 Prozent gegenüber 2005 sinken. Wegen des starken Wirtschaftswachstums sind die Emissionen aber seither um 50 Prozent gestiegen. Wie hoch die neue Obergrenze sein wird, ist aber noch nicht entschieden.

"In den letzten 24 Stunden hatten wir zwei wichtige Ankündigungen, von China und den USA. Damit senden sie ein wichtiges Signal an andere Regierungschefs", sagt Doug Parr, Chefwissenschaftler der britischen Greenpeace-Sektion. Ob das Signal ankommt, zeigt sich bereits diese Woche, denn heute beginnen in Bonn die diesjährigen UN-Klimaverhandlungen.

Ziel der Verhandlungen ist der Abschluss eines neuen Weltklimavertrags im Dezember nächsten Jahres in Paris. Im Gegensatz zum Kyoto-Protokoll soll das "Paris-Protokoll" verbindliche Emissionsziele für alle Länder und nicht nur für die Industriestaaten festschreiben.

Einmal mehr den großen Wurf versuchen

Damit versucht sich die Weltgemeinschaft einmal mehr am großen Wurf. Beim letzten Versuch, den Klimaverhandlungen im Jahr 2009 in Kopenhagen, waren die Führer der Welt kläglich gescheitert und konnten sich nur auf einige unverbindliche Eckpunkte einigen. Doch das Klima wartet nicht. Wie der aktuelle Bericht des Wissenschaftlergremiums IPCC zeigt, droht der Erde eine Klimaerwärmung um knapp vier Grad und nicht um maximal zwei Grad wie vereinbart. Das "Paris-Protokoll" soll daher zwei Teile umfassen: Maßnahmen, die schon vor 2020 greifen, und Maßnahmen, die nach Inkraftreten des neuen Vertrags ab 2020 wirksam werden.

In Bonn muss vor allem entschieden werden, wann die Staaten ihre Klimaziele vorlegen müssen. Einige Länder wie China möchten ihre Ziele erst Mitte 2015 präsentieren. Dann bleibt aber nicht genug Zeit, um diese Ziele vor der Pariser Konferenz zu vergleichen und bewerten. Eigentlich wollte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon diesen Prozess beschleunigen. Im September dieses Jahres veranstaltet er einen Sonder-Klimagipfel, bei dem die Staats- und Regierungschefs "kühne" Pläne zur Reduktion ihrer Emissionen vorstellen sollen. Wie viele Länder dieser Aufforderung nachkommen werden, ist aber unklar. So entscheidet die EU erst nach Bans Gipfel über ihr Reduktionsziel für 2030.

Wie immer geht es bei den Klimaverhandlungen aber nicht nur um Gase, sondern auch um Geld. Doch selbst hier sind erste Fortschritte zu verzeichnen: Zum einen ist der Grüne Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) mittlerweile einsatzbereit und könnte nun befüllt werden. Zum anderen hat das Zentrum für Klimatechnologie seine Arbeit aufgenommen. Es soll ärmeren Ländern bei der Reduktion ihrer Emissionen und bei der Anpassung an den Klimawandel helfen. Die Länder haben die Zeit seit Kopenhagen also genutzt, um eine Verwaltung für den Kampf gegen den Klimawandel aufzubauen. Jetzt müssen sie nur noch entscheiden, welche Mittel dieser Verwaltung zur Verfügung stehen sollen und welche Ziele sie verfolgen soll. 

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Wie sich die Zeiten ändern: Bei der neuen Klimaverhandlungs-Runde wollen auch die Großen mitmischen. Von "Klimakanzlerin" Angela Merkel ist dagegen nichts mehr zu sehen. (Foto: UNFCCC)

Erstmals werden in Bonn auch zwei sogenannte High-Level Ministerial Events stattfinden. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) reist am Donnerstag Abend an.

Mehr zur Klimakonferenz in Bonn finden Sie in unserem Dossier

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