Schlecht, schlechter, am schlechtesten
Auf dem Klimagipfel in Polen wurden heute die Ergebnisse des neuen Klimaschutz-Index veröffentlicht. Sein Anspruch: ein Vergleich der Leistungen zum Klimaschutz von 57 Industrie- und Schwellenländern, die gemeinsam für 90 Prozent der globalen energiebedingten Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich sind.
Eine Platzierung auf den oberen Rängen heißt hier aber noch lange nicht "preisverdächtige Leitstung für den Klimaschutz". Auch wenn der Index von Germanwatch und Climate Action Network Europe diesen Eindruck erwecken mag. Im letzten Jahr verliehen die Organisationen Deutschland durch das Ranking eine "Silbermedaille" – die Bundesregierung hatte bis zum Erstellen des Index jedoch nicht ein einziges Gesetz zum Klimaschutz verabschiedet, der Treibhausgasausstoß war außerdem im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. In diesem Jahr wurde das "Siegertreppchen" – auch angeregt durch eine auf klimaretter.info geführten Debatte um die letzte Ausgabe des Index – zumindest demonstrativ nicht besetzt.
Weltweit steigen die Kohlendioxid-Emissionen - sowohl absolut betrachtet, als auch in Relation zum Wirtschaftswachstum der einzelnen Länder. "Die Gesamtemissionen sind im vergangenen Jahr schneller als jemals zuvor gewachsen," so Studienautor Jan Burck. "Ob auf den oberen oder den unteren Plätzen, kein Land hat bei der Emissionsreduktion gut genug abgeschnitten, um sich eine Medaille zu verdienen".
Die größten Klimasünder sind Saudi-Arabien, Kanada und die USA. "Bestes" unter den insgesamt schlecht bewerteten Ländern ist Schweden auf Platz vier, gefolgt von Deutschland und Frankreich. Die letzten Wochen flossen in das Ranking jedoch nicht mehr ein: Und welch Ironie, genau diese Länder stehen heute aufgrund ihrer Neupositionierung in der Debatte um ein europäisches Energie- und Klimapaket neben den großen Blockierern Italien und Polen (Index-Platzierung 44 und 45) in heftigster Kritik.
Noch ein Grund zur Freude in Sachen gute Platzierung: Deutschland bleibt weiterhin unter den "top ten" der größten Kohlendioxid-Emittenten. Die Bewohner der zehn größten Klimasünder der Welt machen zusammen nur etwa die Hälfte der Menschheit aus – ihr Kohlendioxid-Ausstoß jedoch fast zwei Drittel der energiebedingten Emissionen.
"Bundeskanzlerin Merkel riskiert einen spektakulären Absturz. Noch letztes Jahr wurde sie für ihre Diplomatie und ihre Vision im Umgang mit der Herausforderung des Klimawandels gefeiert. Aber nun scheint sie dabei zu versagen, sich gegenüber den verschmutzenden Industrien zu behaupten. Diese Woche wird sich entscheiden, was Deutschlands Vermächtnis im Klimaschutz sein wird. Der Index zeigt, was auf dem Spiel steht," sagt Matthias Duwe, Direktor des Climate Action Network Europe.
Das Fazit des Klimaschutz-Index 2008: Schlecht, schlechter, am schlechtesten. Keines der 57 Länder ist derzeit auf Kurs, den gefährlichen Klimawandel zu verhindern.
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