Poznan: Anpassung spaltet weiter
aus Poznan NICK REIMER
"Warten? Worauf denn warten", fragt Aboubacar Traore, ein Agraringenieur aus Mali. Dort arbeitet er für die Entwicklungsorganisation Oxfarm zum Thema "Anpassung an den Klimawandel". Traore sagt: "Würden wir wirklich warten, bis der Fonds uns Geld zuteilt, hätte niemand mehr Hoffnung".
Es geht um den "adaptation fund": Dieser Anpassungsfonds soll armen Ländern Geld für die Bewältigung von Klimaschäden bereitstellen und Strategien umsetzen, mit denen sich etwa an geänderte Niederschlagsechos angepasst werden kann. Der Fonds war der wichtigste Beschluss der Klimakonferenz in Nairobi 2006. Die Details aber hatten für so viel Streit gesorgt, dass sie auf die letztjährige Konferenz auf Bali verschoben werden mussten.
Dort hatten sich dann bis zuletzt die Entwicklungsländer dagegen gewehrt, den Fonds mit der Weltbank zu verknüpfen. Dennoch war man sich auf Bali einig worden, den Fonds unter dem Dach des "Global Environment Facility" (GEF) anzusiedeln, einer Weltbank-Tochter. "Damit kann der Fonds pünktlich zum Beginn der Kyoto-Phase im Januar startet", freute sich vor einem Jahr der Leiter des Klimasekretariats Yvo de Boer.
Aber da hatte de Boer zu optimistisch geurteilt. "Jetzt geht es darum, den Anpassungsfonds so zu funktionalisieren, dass dann auch erste Gelder fließen können", erklärte der UN-Chefunterhändler nun. "Wichtig ist, dass die Entwicklungsländer ein Zeichen bekommen", so de Boer. Nur so würden sie mit ins Boot einsteigen, dass in Kopenhagen ein neues Klimaregime bringt.
Agraringenieur Traore gefällt das Bild mit dem Boot nicht mehr. "Die Entwicklungsländer sind die leidtragenden eines Problems, dass sie nicht verursacht haben." In Mali beispielsweise würde jede dritte Ernte vernichtet, einmal wegen zu wenig Regen, das andere Mal wegen zu viel. "Ich versuche den Bauern, den Genossenschaften, einzuimpfen, von jeder halbwegs normalen Ernte ein Drittel beiseite zu legen für das Erntejahr, dass dann ausfällt". Er kann sich nicht vorstellen, dass ein Anpassungsfonds so gestaltet werden kann, dass dann tatsächlich auch Geld ganz unten bei den Bauern ankommt.
Immerhin die Finanzierung des Fonds ist klar: Auf Projekte aus dem "Mechanismus für saubere Entwicklung", kurz CDM, wird eine 2-prozentigen Abgabe gezogen. Dies zeige, wie klug das Kyoto-Regime eingerichtet sei, meint de Boer: Treibhausgas-Minderung durch CDM "auf der einen Seite, Anpassung auf der anderen. Ein Teil des Klimaregimes finanziert das andere." Zum Jahresanfang waren allerdings erst gut 80 Millionen Dollar im Fonds. Den Prognosen des UN-Klimasekretariats zufolge wird der Anpassungsfonds bis zum Jahr 2012 insgesamt 2 Milliarden US-Dollar eingespielt haben.
Verhandlungsraum wechseln, Dokumente organisieren, sich mit der Delegationsleitung abstimmen, den Zwischenstand in der Paralellverhandlung abfragen - Klimakonferenzen sind hektische Angelegenheiten
Für heftige Debatten in Poznan sorgt die Reform dieser CDM-Projekt-Definition. De Boer: "Es liegt ein Antrag vor, nachdem auch Atomkraftwerke und CCS-Projekte in den CDM-Katalog aufgenommen werden sollen. Es liegt ein Antrag vor, dies nicht zuzulassen. Und es liegt ein Antrag vor, beides nur limitiert als Pilotprojekte zuzulassen".
Entwicklungsorganisationen kritisieren allerdings, dass dies viel zu wenig ist. Offizielle Berechnungen geben ihnen Recht. So kam die "Studie über die menschliche Entwicklung" der UN 2007 zu dem Ergebnis, dass spätestens ab 2015 jährlich 60 Milliarden Euro notwendig seien, um die armen Länder in die Lage zu versetzen, sich an die Folgen der Erderwärmung anzupassen.
Und ohne Rechner geht auch hier nichts mehr
Und wie stark die Vorbehalte der Entwicklungsländer gegen die Weltbank sind, kann man an dem Malinesen Traore merken. "Man muss sich nur die Weltbank-Politik seit den 90er Jahren ansehen: Sie hat dafür gesorgt, dass die Qualität unseres Gesundheitswesens eingebrochen ist, dass die Bildung nieder gegangen ist, dass Sozialstandarts geschliffen worden. Und ausgerechnet diese Weltbank soll uns diesmal helfen?"
Chefdiplomat Yvo de Boer kommentiert solche Kritik so: "Wenn alle Finanzierungsmechanismen außerhalb der Klimarahmenkonvention oder des Kyoto-Protokolls installiert werden, stellt sich für die Entwicklungsländer natürlich irgendwann die Frage, warum sie da überhaupt noch mitmachen sollen".
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