"Ihr entscheidet über Leben oder Tod"
aus Bonn HENNER WEITHÖNER
Der Klimawandel wird der Studie zufolge besonders für die ärmsten Entwicklungsländer in Zukunft katastrophale Folgen haben. Hungersnöte, Überschwemmungen und Krankheiten wie Malaria würden das Leben von zusätzlich rund einer Milliarde Menschen unerträglich machen, heißt es in dem IIED-Bericht. “Letztendlich ist der Klimawandel eine Bedrohung für die ganze Menschheit. Aber die Armen müssen die härtesten menschlichen Kosten tragen, obwohl sie nichts zur Erderwärmung beigetragen haben“, sagte Saleemul Huq, Leiter der Abteilung Klimawandel, auf dem im Bonner Haus der Geschichte veranstalteten "Climate Day".
Klimaschützer und Wissenschaftler aus aller Welt diskutierten auf Einladung der Umweltschutzorganisation Germanwatch abseits der großen UN-Klimadiplomatie einen Tag lang Maßnahmen gegen den Klimawandel und Schutz vor deren Auswirkungen für die ärmeren Staaten.
Fei Tevi, Generalsekretär des Pazifischen Rats der Kirche, richtete einen eindringlichen Appell an die etwa 100 Teilnehmer des Climate Day: "Je länger die reichen Industriestaaten ihren Lebensstil fortsetzen, desto mehr Inseln werden in unserer Heimat des Pazifiks von der Landkarte verschwinden." Er geht davon aus, dass in den nächsten 15 bis 25 Jahren allein von den Fidschis fünf Inseln durch den Anstieg des Meeresspiegels in der Region komplett überschwemmt werden.
"Und je später wir handeln, desto mehr Inseln werden betroffen sein", warnte Tevi. Seine Botschaft an die Adresse der UN-Klimadiplomaten: "Wir sehen hier die UN-Klimakonferenz im schicken Maritim-Hotel mit Blick auf den Rhein und sagen: Hoffentlich wisst ihr, dass ihr über Leben oder Tod im Pazifik entscheidet."
Sinkende Erträge als Folge der Erderwärmung: Marktfrau in Hanoi
Von den katastrophalen Auswirkungen zunehmender Dürren in Westafrika, die ebenfalls auf den Klimawandel zurückgeführt werden, berichtete Moussa Na Abou Mamouda . Er arbeitet im Senegal und Niger für die Entwicklungshilfeorganisation ENDA. "Mehr als die Hälfte aller Farmer in Niger klagt über dramatische Ernteausfälle. Die Nahrung reicht jetzt nur noch für drei Monate des Jahres und niemand weiß, wie es weitergehen soll."
1,6 Milliarden Menschen auf der Welt nutzen dem IIED-Bericht zufolge vor allem Brennholz und Dung, um Energie zu gewinnen. Die reichen Nationen dagegen verschwendeten Energie. Wenn alle Menschen der Welt den gleichen Lebensstil hätten wie ein durchschnittlicher US-Amerikaner, bräuchte man neun Planeten wie die Erde, um der Umweltverschmutzung Herr zu werden, rechnen die Experten vor. Beispielsweise sondere eine einzige Klimaanlage in den USA innerhalb eines Jahres mehr CO2 aus, als ein Bewohner von Afghanistan oder Kambodscha im Laufe seines Lebens produziere.
Trotz der Klimaschutzziele von Kyoto hat der Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern in diesem Jahrzehnt unter dem Strich bislang zugenommen. Dieser Trend halte bereits seit dem Jahr 2000 an, berichtete das UN-Klimasekretariat zur Eröffnung der Klimakonferenz Anfang vergangener Woche. Von 2000 bis 2006 habe es in den 40 Industrieländern des Kyoto-Protokolls einen Anstieg von im Schnitt 2,3 Prozent gegeben. "Dies gefährdet die Klimaschutzziele des Protokolls", so der lapidare Kommentar des UN-Klimasekretariats.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 06 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed








