4.000 ringen in Bonn
Es ist die entscheidende Sitzung: Nach den Statuten der UN muss der geplante Nachfolgevertrag für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ein halbes Jahr vor den Verhandlungen am Sitz der UNO zur Einsicht für jedermann hinterlegt werden. Bei der Weltklimakonferenz im Dezember (7. bis 18.) soll in Kopenhagen dieses neue Abkommen verabschiedet werden. Letzter Termin den Vertragstext im New Yorker UNO-Hauptquartier zu hinterlegen ist deshalb der 18. Juni.

Allerdings gibt es diesen Vertragstext noch nicht: Zwar veröffentlichte das UN-Klimasekretariat UNFCCC kürzlich einen Verhandlungstext - 121 Seiten. Aber diese Textsammlung ist allenfalls ein Verhandlungsrahmen: Aufgelistet sind Möglichkeiten, Optionen, Varianten. Und das gleich zigfach. Das Kyoto-Protokoll scheint daneben geradezu simpel gestrickt - auf 21 Seiten.
Klar ist, dass es auch nach 2012 konkrete Reduktionsziele der Industrienationen geben soll. Unklar ist allerdings alles weitere: Bis zu fünf neue Spalten sieht die Textwerkstatt des Klimasekretariats in den verschiedenen Optionen für eine mögliche Änderungen oder Erweiterungen des Kyoto-Protokolls um eine zweite Reduktionsperiode vor: Abhängig unter anderem vom Zeitraum, auf den sich die im Kopenhagen-Abkommen zu vereinbarenden Minderungsziele beziehen. Selbst dies ist noch ungeklärt. Ganz zu schweigen von der Art und Weise, wie die Reduktionen und Emissionen gemessen werden sollen - als Gesamtsumme der Staaten oder umgerechnet auf Pro-Kopf-Werte.
Den Durchbruch sollte ursprünglich das so genannte "Major Economies Meeting" (MEM) vor Wochenfrist in Paris bringen. Ursprünglich von George W. Bush als Gegendiplomatie zum UN-Weltprozess eingerichtet, hat es Nachfolger Barack Obama klug umfunktioniert: Die 16 MEM-Nationen, die für drei Viertel aller Treibhausgase verantwortlich sind, wollten ein Angebot an die 175 anderen Vertragsstaaten formulieren. Von China bis USA, von Italien bis Mexiko, von Russland bis Japan: Die 16 Länder konnten sich nach monatelanger Verhandlung nicht auf ein Angebot einigen. "Es gibt noch nicht mal Trippelschritte", sagte ein ungewöhnlich frustrierter Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.
Die Bonner Konferenz muss nun also ohne ein solches Verhandlungsangebot neue Dynamik entwickeln. Wie schwer dies wird, zeigt allein das Thema Anpassung: Die Entwicklungsländer wollen über ein neues Klimaschutzabkommen überhaupt erst dann reden, wenn die Industrieländer klar machen, wie viel Milliarden sie jährlich zur Behebung der Klimaschäden in ärmeren Länder transferieren werden - und auf welchem Weg. Auf dem Bonner Verhandlungstisch liegt ein Vorschlag Mexikos: Alle Staaten zahlen abhängig von ihrer Wirtschaftsleistung in einen gemeinsamen Fonds ein, die ärmeren Länder profitieren überproportional. Der Vorschlag wird Ländern wie Japan, Russland, Kanada abgelehnt.
Die Stimmung auf dem Bonner Verhandlungsparkett ist also angespannt. Klar ist bislang lediglich: Ohne Vertragstext bis zum 18. Juni ist der Weltklimaschutz gescheitert.
NICK REIMER
FOTOS: UNFCCC
zurück zum Dossier zur Klimakonferenz in Bonn
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 06 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed








