Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Kopenhagen könnte an Kyoto scheitern

 

Textarbeit und die Rolle der USA bestimmten den Klimagipfel von Bangkok: Zwar liegt nun erstmals ein verhandelbarer Vertragstext vor, Reduktionsziele aber gibt es noch immer nicht. Zudem sorgen die USA mal wieder für Streit: Sie wollen kein Abkommen akzeptieren, das auf dem Kyoto-Protokoll beruht. Bis Kopenhagen ist jetzt nur noch eine Verhandlungsrunde lang Zeit


Aus Bangkok NICK REIMER

Um 19 Uhr war es am Freitag vorbei. Der Malteser Michael Zammit Cutajar, der die Verhandlungen leitete, schloss die Sitzung mit dem üblichen Dank an die Delegierten für deren "konstruktive Arbeit" - aber auch mit der Mahnung, dass noch viel zu tun sein bis Kopenhagen. plenar-un.jpg

„Die Struktur des Vertrages steht jetzt im Wesentlichen.“ Mit dieser Einschätzung hat auch Yvo de Boer, Chef des UN-Klimasekretariates, am Freitag die Arbeit der gut 1.700 Klimadiplomaten in Bangkok gelobt. 14 Tage lang hatten sie aus einem Wust von Anträgen und Vorschlägen ausgesiebt, um am Ende ein verhandelbares Dokument für den Klimagipfel in Kopenhagen auf den Tisch zu bekommen.

„Jetzt gilt es nach Hause zu fahren, sich mit den jeweiligen Regierungen zu beraten und in die Lehrbücher zu schauen“, sagte de Boer. Die entscheidenden Details nämlich fehlen im Vertragstext: Jene Minderungsziele, zu denen sich Industrie- und Schwellenländer verpflichten wollen. De Boer sagte: „Die Menschen auf der Welt haben ein Recht darauf, zu erfahren welche Regierung was für die Zukunft zu leisten bereit ist.“ Und dieser Zeitpunkt sei spätestens jetzt gekommen. Zu einer letzten Vorkonferenz treffen sich die Klimadiplomaten Anfang November in Spanien.

Die Rolle der USA bestimmte auch in Bangkok das Verhandlungsparkett. "Wir werden unsere Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 80 Prozent reduzieren", erklärte US-Chefunterhändler Jonathan Pershing am Freitag, die Obama-Administration werde für dieses Ziel "messbare Politik" erarbeiten. Allerdings sind die USA nach wie vor nicht bereit, das Kyoto-Protokoll zu unterzeichnen.

erinnerungsfoto.jpg
Ein Erinnerungsfoto für die japanische Delegation. Fotos UN, Reimer

Selbst wenn sich die Industriestaaten zu akzeptablen Reduktionsverpflichtungen durchringen, könnte Kopenhagen an dieser Frage scheitern. "Wir werden in Kopenhagen kein Abkommen akzeptieren, das nicht auf dem Kyoto-Protokoll fußt", erklärte der indische Chefunterhändler Shyam Saran. Lumumba D'Aping, Sudanese und aktueller Chef der G77, erklärte: „Wir haben 15 Jahre verhandelt, um das Kyoto-Protokoll zu installieren. Es gibt überhaupt keinen Grund, das in Kopenhagen wegzuwerfen.“

Das sehen die USA anders: Präsident Bill Clinton hatte seinerzeit in Kyoto zwar unterschrieben, aber nicht die nötigen nationalen Mehrheiten zur Ratifizierung mobilisieren können. Im Kyoto-Protokoll hatte Clinton die USA verpflichtet, ihre Emissionen bis 2012 um 7 Prozent gegenüber 1990 senken müssen - aktuell jedoch liegt der Ausstoß 15 Prozent darüber. Die USA fürchten, dass sie mit eine Unterschrift eines Kyoto-II-Vertrags die Verpflichtung akzeptieren – und 21 Prozent Treibhausgas zusätzlich reduzieren müssen. Die Regularien von Kyoto I sehen das nämlich genau so vor.

Verhandlungsleiter Malteser Michael Zammit Cutajar erklärt den Konflikt so: „Die G77 wollen ein neues Kyoto-Protokoll, die EU einen Vertrag wie das Kyoto-Protokoll, die USA einen ganz anderen Vertrag als das Kyoto-Protokoll.“ Das klingt nicht sehr dramatisch, ist aber eine Bombe: Sowohl die G77 als auch die USA erklärten wechselseitig, dass sie Kopenhagen scheitern lassen, wenn nicht ihr Weg beschritten wird. De Boer erklärte, die unterschiedlichen Vertragsvorstellungen hätten das Misstrauen zwischen wohlhabenden und armen Ländern verstärkt. „Es gibt sicherlich einiges, was am Kyoto-Protokoll verbessert werden muss. Aber es gibt keinen Grund, ein Abkommen jenseits des Kyoto-Protokolls zu suchen.“

plenar-un-besser.jpg

Im Interview mit wir-klimaretter.de zeigt Nicole Wilke einen Lösungsansatz auf: „Unter dem Kyoto-Protokoll kann man nur die Länder verpflichten, die das Protokoll auch ratifiziert, also in nationales Recht umgesetzt haben“, erklärte die Leiterin der deutschen Delegation. „Das haben die USA nicht. Ergo gilt bislang auch keine Verpflichtung für die USA.“

Kommen die USA also ungeschoren davon? Wilke: „Die USA haben keine gültige Verpflichtung und über die neue Verpflichtung werden wir in Kopenhagen verhandeln.“

 

Zurück zu den Bangkok-Sonderseiten geht es HIER

Zur Startseite geht es HIER

 

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Danke, lieber Fritz Vahrenholt!

etscheid Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge

Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Politik


Kanzlerin auf Rohstoffsuche

Angela Merkel (CDU) trifft sich heute mit dem Präsidenten von Kasachstan, um über die Lieferung von seltenen Erden zu verhandeln [mehr...]
Protest


Facebook: Sonne gegen Rösler

Wegen Solarkürzungen: Facebook-Nutzer wetten gegen Wirtschaftsminister [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Wie die FDP Ihr Geld klaut

Der Wirtschaftsminister will 250 Großkunden die EEG-Umlage von deren Strompreis abziehen. Das kostet Sie vielmehr Geld als der Ausbau der erneuerbaren Energien! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]