Die arabische Welt organisiert sich
Aus Bangkok NICK REIMER
Noch hängt die Welt am Ölhahn, weshalb die erdölexportierenden Länder bei den Klimaverhandlungen eine wichtige Rolle spielen. Allen voran Saudi-Arabien, das sich auf dem Verhandlungsparkett als größter Bremser entwickelt: Mit immer neuen Detail-Anträgen versuchen die Scheichs jeden Fortschritt zu behindern oder wenigstens die Verhandlungen in die Länge zu ziehen. Zudem versucht Saudi Arabien die Gruppe der Entwicklungsländer zu spalten. Pro Kopf der Bevölkerung gehört das Land aber mit Luxemburg, Australien, den USA und Kanada zu den größten Klimasündern der Welt. Der Ausstoß stieg seit 1990 um 111 Prozent.
Dagegen wollen nun Klimaschützer aus der arabischen Welt mobil machen: In Bangkok gründeten sie am heutigen Donnerstag eine Allianz, die Saudi-Arabiens Blockade-Politik und deren Folgen für die Bevölkerungen der arabischen Welt bekannt machen will. "Saudi Arabien benutzt sein politisches Gewicht in der Region und die Uneinigkeit anderer arabischer Regierungen, um seine Interessen durchzusetzen", begründet Wael Hmaidan, der Geschäftsführer von libanesischen Organisation IndyACT. Obwohl die arabische Welt sehr unterschiedliche Interessen habe, würden sich deren Verhandler ganz den saudischen Interessen hingeben - den Ölexport zu schützen.
Tatsächlich haben die Ölexporteure große strategische Vorteile bei den aktuellen Verhandlungen: Dieses Jahr hat Ölexporteur Sudan den Vorsitz in der Gruppe der 77, während das OPEC-Mitglied Algerien die afrikanische Gruppe leitet. "Die arabischen Länder haben so wirklich die Möglichkeit, die Interessen der arabischen Welt voran zu bringen", urteilt Hmaidan. Statt dessen würden sie sich aber blind dem Willen Saudi-Arabiens unterwerfen. "Die Interessen der ärmsten Länder bekommen immer weniger Raum in den Verhandlungen", sagt Raju Chhetri von der United Mission to Nepal.

Positionsbestimmung: Mitglieder der G 77 beraten in einer Verhandlungspause. Fotos: IndyACT, Reimer, UN
Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, kommt zu einem anderen Urteil: "Saudi Arabien schafft es, die G 77 zu spalten". Bei den Verhandlungen zum so genannten Anpassungsfonds - Industrieländer zahlen den ärmsten Ländern deren notwendige Anpassung an die Erderwärmung - fordert das reiche Wüstenland einen gehörigen Batzen. Wenn Klimaschutz bedeute, so die Argumentation der Saudis, dass weniger fossile Rohstoffe verbrannt werden, dann entstünden dem Scheichtum Export-Ausfälle, an die es sich anpassen müsse.
"Keinem deutschen Steuerzahler ist vermittelbar, dass er den Prunk im Wüstenreich finanzieren soll", sagt Bals. Das stößt natürlich auch bei den Verhandlern auf Widerstand. Aber ohne ein "Ja" von Saudi-Arabien wird es kein Kopenhagen-Abkommen geben: Nach der Geschäftsordnung darf sich kein Land gegen den ausgehandelten Kompromiss aussprechen. Die Delegierten werden also wohl oder übel den Saudis irgend etwas anbieten müssen. Und damit das viel wird, treten die Araber entsprechend auf in Bangkok.
Lumumba D'Aping, Sudanese und aktueller Chef der G77, wies den Vorwurf einer Blockadehaltung Saudi- Arabiens jedenfalls noch am Donnerstag postwendend zurück. Mit solchen Aussagen versuchten Industrieländer, einen Keil zwischen die Entwicklungsländer zu treiben. Die anderen G77-Länder seien wie Saudi-Arabien der Auffassung, dass wirtschaftliche Nachteile durch den Klimaschutz berücksichtigt und kompensiert werden müssten.
Also immerhin: Die neu gegründete arabische Klimaallianz wird wahr genommen. Wenn auch ihre gemeinsam mit Germanwatch abgehaltene Pressekonferenz ein strategischer Fehler gewesen sein dürfte: Erst die Gegenwart der deutschen NGO ermöglichte Lumumba D'Aping den Vorwurf, Industrieländer würden kritisieren und ihrerseits versuchen, einen Keil zwischen die Entwicklungsländer zu treiben.
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