Die 14 von Cancún
Ziviler Ungehorsam mitten im Klimagipfel: 14 junge Klimaaktivisten zählten in einer Aktion im Konferenzzentrum die Menschen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel gestorben sind. Unsanft wurden sie abtransportiert.
Bei "Zweitausendvierhundertundvierzig" griffen die Sicherheitskräfte der UN zu und schoben 14 junge Klimaaktivisten gewaltsam in einen Shuttle-Bus, der sie aus dem Konferenzzentrum transportierte. Eine knappe Stunde vorher hatten diese begonnen, die Menschen zu zählen, die 2010 bei Ereignissen gestorben sind, die mit dem Klimawandel zusammenhängen. Langsam zählten sie von "Eins" an hoch und überschritten dabei die genehmigte halbe Stunde. Sie hielten Schilder hoch, auf denen einzelne Todeszahlen standen: "Russland: 15.000" und "Pakistan: 2.000". Als Grundlage für die Zahlen verwiesen sie auf einen Bericht von Oxfam, der Daten aus der Hitzewelle in Russland und den Überflutungen in Pakistan belegt hatte.

21.000 Klimatote im Jahr 2010: Junge Aktivisten machten auf der Klimakonferenz in Cancún auf die Zahl der Menschen aufmerksam, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel gestorben sind. (Fotos: Adopt a Negotiator)
Begleitet wurde das Zählen von Statements der Aktivisten. Kandie Mossett aus North Dakota sprach als Erste. Die Campus-Koordinatorin des Umweltnetzwerks der Ureinwohner IEN stammt aus einem Reservat der Mandan, Hidatsa und Arikara. Die Krebsraten dort liegen zum Teil sieben Mal so hoch wie im Durchschnitt der USA – das Reservat liegt in der Nähe mehrerer Kohlekraftwerke. Mossett hielt Fotos von Freunden hoch, die sie im vergangenen Jahr beerdigen musste, weil sie an Krebs gestorben waren.
Die globale Erdtemperatur darf sich nicht um mehr als 1,5 Grad erwärmen, um das Überleben Tausender von Menschen zu sichern, so die Aktivisten.
Der deutsche Autor Wolfgang Gründinger zählte bis zum Ende mit und wurde im Bus vom Gelände gefahren. Er ist einer der Veteranen des Jugendprotests bei den UN, schon 1999 hatte er am Klimagipfel in Bonn teilgenommen.
Die Jugendlichen bei den UN sind zum ersten Mal mit Gewalt an einer Aktion des Zivilen Ungehorsams gehindert worden. Das Sit-In im Kopenhagener Bella Center vor einem Jahr war friedlich beendet wurden – nach über zehn Stunden gegen zwei Uhr morgens. In Cancún mussten die UN-Sicherheitskräfte ein Dutzend Fotografen aus dem Weg schieben, um die Jugendlichen in den Bus zu bringen. Im folgenden Gedrängel ergriff ein Zuschauer das fallengelassene Schild "1,5 Grad = Überleben" und hielt es stumm hoch, bis er in den nächsten Bus gesteckt wurde.
Der 13-jährige Felix Finkbeiner, Gründer von Plant for the Planet, verfolgte die Aktion auf dem Weg zu der Pressekonferenz, auf der er eigentlich Erfolge verkünden wollte: 20 Schulen rund um Cancún haben in der letzten Woche mehr als 10.000 Bäume gepflanzt. Er sagte: "Drinnen wird unsere Zukunft zerredet, die haben draußen die Toten gezählt und werden gewaltsam in den Bus gedrängt." Gregor Hintler, Mitgründer von Plant for the Planet, kritisierte die engen Grenzen, die die Sicherheitskräfte Jugendaktionen in Cancún gesetzt haben: "Es ist nicht in Ordnung, der Jugend nur für eine halbe Stunde eine Stimme zu geben. Entscheidungsträger, die um ein Vielfaches älter sind und viel weniger hart von den Konsequenzen des Klimawandels betroffen sein werden, verhandeln hier mehrere Wochen lang."
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