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Pflanzparty mit Präsident

Klickende Kameras, Blitzlichter und "Plant for the Planet": Auf Umweltminster Norbert Röttgen wartet die Presse umsonst. Dafür gibt sich Ecuadors Präsident Rafael Correa die Ehre.

Aus Cancún Daniel Boese

Wenn man dem Geräusch von klickenden Kameraverschlüssen und zischenden Blitzlichtern folgt, dann ist der spannendste Moment der Pflanz-Party, wenn der kleine Ceiba-Schößling im Boden versenkt ist, die Erde festgeklopft wird und ein pflanzender Minister einem jungen Schüler die Hand schüttelt. Es wird laut, Fotografen und Kameramänner dirigieren, zwölf mexikanische Schüler zwischen 9 und 14 Jahren, Felix Finkbeiner (13) und drei Dutzend Journalisten amüsieren sich mit 193 Bäumen. Jo Leinen (SPD), Vorsitzender des Umweltausschusses im Europaparlament, pflanzt einen Baum für Deutschland: Händeschütteln mit Felix vor dem Baum kniend, stehend hinter dem Baum und dann noch mal kniend. Das Kamerateam vom ZDF hatte Umweltminister Norbert Röttgen erwartet - doch der ist nicht gekommen.


Im entscheidenden Moment wird abgedrückt: Die Presse auf der Suche nach dem ultimativen Bild. (Alle Fotos: Daniel Boese)

Dann werden Interviews geführt, Felix spricht mit dem mexikanischen Fernsehen während Reporter aus aller Welt die mexikanischen Kinder ausfragen. Ein Amerikaner will von Felix wissen: "Wie kann der Klimawandel eine große Liebesgeschichte werden?" Felix überlegt, dann: "Wir haben gemerkt, dass es nicht gerecht ist, wenn manche Länder fast alle Ressourcen verbrauchen und andere keine. Klimawandel wird eine Liebesgeschichte, wenn wir Klimagerechtigkeit schaffen." Wobei man wissen muss, dass Felix und die Aktivisten von "Plant for the Planet" eine sehr genaue Definition von Klimagerechtigkeit haben: Zwei Tonnen CO2 pro Erdenbürger im Jahr, Handel ist erlaubt.


Fachsimpeln über die richtige Pflanztechnik: Rafael Correa, Präsident von Ecuador und Felix Finkenbeiner.

Trotz Blitzgewichter aber ist die spannendste Aktion eine, für die man länger hinsehen muss. Heute morgen um halb acht waren die mexikanischen Schüler vom Centro Educativo Monteverde in Cancun noch schüchtern, als sie in zwei Reihen die Delegierten am Eingang des Messegeländes begrüßten. Felix musste sie immer wieder anfeuern, die Plakate mit den eindringlichen Fotos (Felix hält Prinz Albert und Gisele Bündchen den Mund zu: Mehr pflanzen, weniger reden) schön hoch über die Köpfe zu halten.


Vormachen wie es geht: Mexikanische Schüler packen mit an

Anfangs wurde auch nur Felix laut und lud wie ein guter Marktschreier die Delegierten zur Pflanzparty ein: "Macht mit, zwischen eins und drei ist Pflanzparty". Dann fingen die anderen an laut zu werden. Sechs Stunden und viele Interviews später haben sie ihre Scheu verloren – und wohl auch den Respekt vor Journalisten und Politikern. "Ich habe gelernt, viel für Kameras zu lächeln und viel zu reden", sagt Camilla Castellano (14). Die Extrastunde Diplomatie, könnte sie noch erwähnen, die im Beobachten einer Dutzend Entourages von Präsidenten und Ministern bestand. Sie haben sich gegen die Gängelung durch die Sicherheitskräfte gewehrt und Baum um Baum im Boden versenkt. Und dutzenden Diplomaten den Mund zu gehalten – für ein Foto.


Eine Delegierte der Seychellen pflanzt mit.

Der amerikanische Wort "Empowerment" beschreibt es wohl am treffendsten, Ermächtigung bringt das nicht ganz zum Ausdruck. Felix hat ihnen vorgeführt, wie selbstverständlich sich Kinder zwischen den Diplomaten der Welt bewegen können. Weil jeder weiß, dass die Diplomaten seit Jahren reden, aber die Verhandlungen nur im Schildkrötentempo vorankommen.

Gegen das Aufblühen der Grundschüler aus Cancún verblassen die Auftritte der Umweltminister von Uganda, Paraguy, Kenia, Surinam, der Botschafterin der Niederlande und des Delegationsleiters von Frankreich zur Kulisse. Selbst Raffael Correa, Präsident von Ecuador und Star des Tages auf dem Gipfel reißt die Geschichte nicht an sich. Er hat eine Heilerin mitgebracht, die den Baum segnet, bevor er gepflanzt wird. Dann schaufeln Carolina Castellano (14) und Felix los.


Interviews? Kein Problem, Felix Finkenbeiner ist in Sachen Medien schon ein alter Hase

Natürlich im Blitzlichtgewitter. Später kommt noch Marcelo Ebrard, Bürgermeister von Mexico City. Trotzdem staunt die Abgeordnete der Seychellen nur über eins: "Habe ich gerade gesehen, wie ein dreizehnjähriger seine Visitenkarte verteilt?" fragt sie ungläubig.

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