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"Es geht nicht um Eisbären"

"Plant for the Planet" auf der Klimakonferenz: Wie ein 13jähriger Schüler aus Deutschland den 193 Umweltministern auf der Klimakonferenz in Canún einen Spaten in die Hand drückt.

Aus Cancún Daniel Boese

Vor gut 400 Schülern hat Felix Finkbeiner, 13 Jahre, Gründer der Kampagne "Plant for the Planet" zu Beginn der zweiten Verhandlungswoche in Cancún einen Vortrag über den Klimawandel gehalten und damit die Vorbereitung der großen Pflanzaktion am Mittwoch eingeläutet. Dann sollen Umweltminister aller 193 Länder je einen Baum auf dem Gelände des Moon Palace pflanzen.


Felix Finkbeiner in Cancún: "Als wir anfingen, dachten wir, es ginge darum, die Eisbären zu retten". (Foto: Daniel Boese)

Am Sonntag fand bereits eine erste Pflanzaktion von 350 Familien im botanischen Garten von Puerto Morales statt. Das Publikum aus den Klassen eins bis acht lauschte Felix Finkbeiner trotz Parallelübersetzung ins Spanische gebannt. Kurz laut wurde es nur, als Finkbeiner die Konsequenzen des Klimawandels für Cancún erlauterte: "Wenn das Grönlandeis schmilzt, steigt der Meeresspiegel um sieben Meter. Dann steht Cancún unter Wasser und auch die Häuser eurer Eltern," sagte Finkbeiner.

Wie ein Virus breitet sich die von Schülern organisierte Kampagne "Plant for the Planet" rund um die Welt aus, auch in Mexiko wurden inzwischen bereits mehrere Tausend Bäume gepflanzt. Bei einem Besuch in Cancún im April blieb Felix Finkbeiner wegen des isländischen Vulkanausbruchs eine Woche länger. Über Facebook erhielt er zahlreiche Anfragen, sprach in sieben Schulen und einer Lokalzeitung in Playa del Carmen.


Minister packen an, hier zum Beispiel Deutschlands Umweltmnister Norbert Röttgen bei einer Aktion während des Petersberger Klima-Dialogs. (BMU)

Auch der Moon Palace, das Tagungshotel des Gipfels lud ihn zu einem Vortrag ein. Zu diesem Zeitpunkt war der Moon Palace noch nicht offizieller Gipfeltreffpunkt, das Management wusste aber schon Bescheid - so erfuhr Felix Finkbeiner noch vor Umweltorganisationen und Regierungen von den Planungen. Er pflanzte gleich einen ersten Baum, eine Palme, die inzwischen gut angewachsen ist.

Erklärtes Ziel ist es, in jedem Land der Welt eine Million Bäume zu setzen. In Deutschland wurde das Ziel im April erreicht und beim ersten Treffen der Umweltminister nach dem Klimagipfel in Kopenhagen mit einer Aktion auf dem Petersberg gewürdigt. Im nächsten Jahr wird der vierte Geburtstag der Kampagne begangen, dann wollen sich die Gruppen auf eine internationale Struktur geeinigt haben und einen "Weltpräsidenten" wählen.

Felix Finkenbeiner und Jia Zhibang, Direktor von China Waldbehörde. (Foto: Plant for the Planet)

Zur Zeit sind Finkbeiner und sein Team mit der Logistik für Mittwoch beschäftigt. 100 Schippen und 200 Bäume stehen bereit, der Ort muss aber noch von den Sicherheitskräften freigegeben werden. Und die Einladungen müssen verteilt werden. Felix hat eine dicke Box in seinem Rucksack aufs Konferenzgelände getragen und verteilt fleißig an Delegierte und Journalisten.

Die Plant for the Planet Gruppen aus aller Welt haben eine aussagekräftige Definition von Klimagerechtigkeit entwickelt (zwei Tonnen pro Erdbürger, Handel ist erlaubt) und stellen auch klar in den Vordergrund, dass Klimawandel eine Gerechtigkeitsfrage stellt. "Als wir anfingen, dachten wir, es ginge darum, die Eisbären zu retten", sagt Felix in Cancún: "Aber wir haben schnell gemerkt, dass es darum geht, uns Menschen zu retten".

Alle Beiträge zur COP16 in Mexiko auf einen Blick finden Sie in unserem Cancún-Dossier

 


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