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2,1 Billionen US-Dollar Schaden

Tag fünf der Klimakonferenz: 600.000 Menschen sind bislang bereits an den Folgen der Erderwärmung gestorben. Und glaubt man einer spanischen Untersuchung, kommen binnen der nächsten 20 Jahre eine Million Menschen dazu.

Aus Cancún Nick Reimer

Gleich drei Gutachten haben heute am Rande der Klimakonferenz für Aufsehen gesorgt. Die Weltbank stellte eine Untersuchung zur Rolle der Städte bei der Erderwärmung vor, Germanwatch den Klima-Risiko-Index, und die in Madrid ansässige Nichtregierungsorganisation DARA präsentierte eine Untersuchung, derzufolge an der Erderwärmung eine Million Menschen bis 2030 zu Grunde gehen.

pakistan2-oxfam_internationalAusblick auf das Jahr 2010: wegen der Fluten in Pakistan wird sicherlich das Land am indischen Ozean den nächsten Klima-Risiko-Index anführen. (Foto: oxfam)

Beginnen wir mit letzter Studie: Die Autoren untersuchten die Folgen der Erderwärmung für 184 Länder in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft. Besonderes Augenmerk wurde dabei auch auf die Folgen der Wüstenbildung und steigender Meerespiegel gelegt. Ergebnis: Künftig werden jedes Jahr Schäden in Höhe von 117 Milliarden Euro zu erwarten sein - gemessen an der heutigen Wirtschaftskraft.

Die Studie bestätigt zudem, was frühere Arbeiten bereits ausgeführt hatten: Arme Länder werden stärker betroffen sein. Zwar werden in 20 Jahren alle Staaten der Welt die Auswirkungen der Erderwärmung zu spüren bekommen. "Akute" Gefahren drohen der Studie zufolge aber ausgerechnet 54 armen und sehr armen Ländern. Auf die Industrieländer kommen zwar nominal die höchsten Kosten zu, gemessen an der Wirtschaftsleistung tragen aber auch hier die Entwicklungsländer die größte Last.

Bangladesh, Myanmar und Honduras sind bisher am stärksten vom Klimawandel betroffen

Germanwatch untersuchte mit dem Klima-Risiko-Index, welche Länder aktuell betroffen sind. Demzufolge waren in dem Zeitraum 1990 bis 2009 die bitterarmen Staaten Bangladesh, Myanmar und Honduras jene Länder, die am stärksten von den Folgen der Erderwärmung betroffen waren. Dem Index zu Folge gab es zwischen 1990 und 2009 fast 14.000 extreme Wetterereignisse, bei denen mehr als 650.000 Menschen als direkte Folge starben. Germanwatch ermittelte Schäden in diesem Zeitraum in Höhe von mehr als 2,1 Billionen US-Dollar.

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Unter anderem die Elbe-Flut 2002 (hier in Dresden) hat Deutschland auf Platz 28 des Klima-Risiko-Indexes gebracht. (Foto: Archiv)

"Überraschenderweise waren 2009 auch Länder wie Taiwan, Saudi Arabien und Australien unter den zehn besonders betroffenen Staaten", erklärt Sven Harmeling, Autor des Index', bei dessen Vorstellung in Cancún. Demnach wurde die Liste der 2009 am stärksten von Unwettern heimgesuchten Staaten von El Salvador, Taiwan, den Philippinen und Vietnam angeführt.

Deutschland liegt unter den geschädigten Staaten auf Platz 28 - vor allem Elbe- oder Oderfluten waren teuer

Deutschland liegt im Germanwatch-Ranking im Jahr 2009 auf Platz 68. "Das war also eher ein harmloses Jahr", führt Harmeling aus. Bezogen auf den Zeitraum 1990 bis 2009 liegt die Bundesrepublik auf Platz 28, woran vor allem die Oderflut 1997, die Elbefluten 2002 und 2006 sowie die Hitzesommer 2003 und 2007 Schuld sein dürften.

Der seit 2006 erhobene Klima-Risiko-Index analysiert die Auswirkungen extremer Wetterereignisse sowohl hinsichtlich der Todesopfer als auch der wirtschaftlichen Schäden. Genutzt wird dazu die weltweit anerkannten Datenbank NatCatSERVICE des Versicherungskonzerns Munich Re. Harmeling erklärte, dass vor allem die Entwicklungsländer verstärkt in Anpassungsmaßnahmen investieren müssen. "Jeder jetzt investierte Euro wird später zwischen 2,5 bis 13 Euro an Katastrophenhilfe einsparen."

"Es ist aber leider offensichtlich, dass die angebotenen Gelder für Anpassung bei Weitem nicht den enormen Bedarf decken können", sagt Tonya Rawe, Expertin der Hilfsorganisation Care. Laut Weltbank sind alleine für die Anpassung jedes Jahr zwischen 75 und 100 Milliarden US Dollar erforderlich. Im Anpassungsfonds des Kyoto-Protokolls sind aktuell 130 Millionen Euro.

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Städter tragen besonders zur Erderwärmung bei - und werden besonders unter ihr zu leiden haben. (Foto: Rietschel)

Drittens schließlich legte die Weltbank einen Bericht vor, nach dem 80 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen von Stadtbewohnern verursacht werden. Gleichzeitig sind viele dieser Städte besonders von der Erderwärmung und dem folgenden Anstieg des Meerespegels bedroht, weil sie an der Küste liegen. Die 50 größten Städte der Welt haben zusammengenommen 500 Millionen Einwohner – und die verursachen 2,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid.

"Städte brauchen Unterstützung ihrer Regierungen um ihrer Verantwortung gerecht zu werden", so Andrew Steer, bei der Weltbank für Klimaschutz zuständig. Seiner Einschätzung nach seien die Städte auch bereit gegen die Treibhausgasproduktion vorzugehen. Unmittelbar vor der Klimakonferenz von Cancún hatte ein Stadtbündnis in Mexiko ein eigenes Klimasekretariat gegründet.

 

Lesen Sie HIER eine Serie über Anpassungsstrategien von Küstenstädten.

  

Alle Beiträge zur COP16 in Mexiko auf einen Blick finden Sie in unserem Cancún-Dossier

 


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