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Milde Stimmung unter Palmen

Tag drei auf dem Klimagipfel in Cancún: Optimismus versprühen ist Pflicht. Die neue UN-Klimachefin Christiana Figueres ihre Bilanz der ersten Verhandlungstage vorlegt. "Der Start war absolut positiv", sagt sie. "Cancún wird einige substanzielle Ergebnisse liefern können, das scheint mir heute schon klar." Fast klingt Figueres so, wie Vorgänger Yvo de Boer Mitte der ersten Verhandlungswoche in Kopenhagen.

Aus Cancún Nick Reimer

Vielleicht 75 Journalisten sind in den Raum "Luna" im Moon Palace Hotel gekommen, in der ersten Woche ist der Medienansturm noch relativ gering. "Natürlich gibt es einige Prioritäten", erläutert Christiana Figueres: Der Waldschutz solle in Mexiko verbindlich verabschiedet werden, die Finanzsysteme sollten in ihrer Struktur stehen, die Frage der Anpassung an die Folgen der Erderwärmung dränge immer mehr. "Und dann wird entscheidend sein, ob wir die Verpflichtungen aus dem Copenhagen Accord im Klimarahmenvertrag verankern können", so die UNFCCC-Chefin.


Die Zukunft leuchtet: Klimachefin Christiana Figueres in Cancún. (Foto: COP16)

Damit gibt sie das Auditorium für Fragen frei. Die Europäische Union habe sich zinsverbilligte Kredite als Soforthilfe für die Entwicklungsländer angerechnet, was speziell die Entwicklungsorganisatonen scharf kritisierten. Halten sie das Vorgehen der EU denn für legal? "Die Fragen der Finanzierung werden hier ganz zentral sein", sagt Christiana Figueres. Alle sollten die so genannte Soforthilfe – in Kopenhagen hatte die EU 7 Milliarden Euro in den Jahren 2010 bis 2012 zugesagt – als Lehrstück begreifen: "Die EU kann lokalisieren, wie man am besten Soforthilfe anschiebt, die Entwicklungsländer können lernen, wie man diese beantragt und abrechnet."

Wie sieht es mit den langfristigen Finanzmechanismen aus? Die Weltbank hatte ermittelt, dass die Entwicklungsländer jährlich 100 Milliarden Dollar brauchen, um sich an die Erderwärmung anzupassen. "Das Ministersegment wird dazu in der nächsten Woche eine Entscheidung herbeiführen", sagt die UN-Klimachefin. Flugbenzin- oder Schiffsdiesel-Steuer, "klar ist, dass eine Kombination aus vielen verschiedenen Mechanismen notwendig wird, um die gewaltige Summe aufzubringen".

Allerdings ist von Figueres Optimismus auf dem Verhandlungsparkett wenig zu spüren. Staaten wie Saudi-Arabien und Kuweit auf der einen Seite oder Tuvalu und Bolivien auf der anderen zeigen keinerlei Kompromissbereitschaft. Erstere wollen den Verhandlungsprozess lieber aussitzen, um gar nichts beschließen zu müssen, zweitere wollen nicht über das zwei Grad-Ziel, sondern nur über Massnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung auf maximal anderthalb Grad beraten.

Am Nachmittag des dritten Verhandlungstages (Ortszeit) einigten sich die Delegierten immerhin auf die Einrichtung einer so genannten "Kontaktgruppe", die eruieren soll, welche rechtliche Form das Ergebnis von Cancun eigentlich haben soll. Wird es einen neuen Verhandlungsauftrag geben? Oder gilt noch der alte, 2007 in Bali beschlossene? Die Klimakonferenz verhandelt also, was sie eigentlich verhandeln soll.


Milde Stimmung unter Palmen: Das Moon Palace Hotel in Cancún. (Foto: COP16)

Und dann kamen auch noch Misstöne aus Brasilien. Die Deutsche Presse-Nachrichtenagentur zitiert Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva mit den Worten: "Kein wichtiger Regierungschef ist da, höchstens Umweltminister. So wird es keinen Fortschritt geben."

Macht das denn alles noch Sinn, Frau Figueres? "Cancún war nie als ein Treffen gedacht, dass auf allerhöchster Ebene besetzt sein wird", sagt die Chefin des Klimasekretarates tapfer. "Aber natürlich sind die Staatschefs willkommen."

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