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Ein Yoga-Kurs im Klimacamp

Was macht eigentlich die Klimabewegung in Cancún? Zerstritten sein. Aber das hat durchaus auch sein Gutes, wie die Protagonisten finden.

Aus dem Klimacamp 2010 Lena Hörnlein und Nick Reimer

"Ich komme aus einer wunderschönen Stadt in einer wunderschönen Gegend Australiens." Claire Snuder ist 26 und studiert Journalismus. Jetzt sitzt sie im Camp des Klimaforums 2010 und debattiert mit einigen Gleichaltrigen den Stand der Dinge. "Warum ich mich hier engagiere? Vor der Küste meiner wunderschönen Stadt soll nach Öl gebohrt werden und im Regenwald nebenan ist eine neue Kohlemine geplant. Da muss man doch einfach etwas tun."


Klimaforum 2010: Rick Andre Zwaan will sich vernetzen. (Fotos: Reimer)

Es ist das Klimathema, das Claire Snuder nach Cancún gebracht hat. Genauso, wie Rick Andre Zwaan, einen 17-jährigen Neuseeländer. Warum er hier auf dem Klimaforum ist, und nicht auf der Klimakonferenz im Moon Palace? "Da wird jede Menge Papier produziert, jede Menge heiße Luft und jede Menge Menschen wuseln durcheinander." Das Klimaforum liegt dagegen mitten im Urwald, zwanzig Kilometer entfernt von der hektischen Weltklimakonferenz. Handgroße blaue Schmetterlinge fliegen über die Wiese, Kinder planschen in einem Swimmingpool, aus den Boxen plätschert entspannter Jazz. "Ein herrlicher Platz hier, um einfach mal runterzuschalten", findet Zwaan.

Vernetzen, Ideen austauschen, Aktionen planen

Allerdings: Zum Runterschalten sind weder Snuder noch Zwaan hier. "Wir wollen den Delegierten mit einer Aktion zeigen, dass uns ihre Trägheit anödet", sagt der Neuseeländer. Schließlich sei es ihre Zukunft, die auf dem Spiel stehe: "Die Klimadiplomaten sind zumeist so alt, dass sie selbst keine Konsequenzen mehr zu fürchten haben." Genaueres über die geplante Aktion möchten die beiden noch nicht verraten. Es soll eine Überraschung werden, unweit des Konferenzzentrums.

"Es geht nicht so weiter, wenn die drin an den Verhandlungstischen so weiter machen wie bisher", sagt der 24jährige Enrique Paredes. Enrique Paredes hält nicht mehr viel von UN-Klimakonferenzen. Weil das Thema aber dennoch wichtig für ihn ist, kam der Student aus Mexiko-Stadt zur Alternativ-Veranstaltung nach Cancún – das Klimaforum10. Paredes will sich hier "vernetzen, Ideen austauschen, Aktionen planen".


Fast alles findet unter freiem Himmel statt.

Das sei genau im Sinne des Klimaforums, erklärt Miguel Valencia, Mitglied des Organisationskomitees und Sprecher der mexikanischen Umweltorganisation Ecomunidades. "Wir planen selbst keine Proteste, aber solidarisieren uns mit den Aktivitäten, die unsere Teilnehmer hier entwickeln." Zwei Wochen lang bietet das Forum Seminare und Vorträge an. Es geht um umweltfreundliche Transportmittel, die Auswirkungen des Klimawandels auf Fauna und Flora in Mexiko, und die Frage, ob im Kampf gegen den des Klimawandels Marktmechanismen wie Emissionshandel und CDM hilfreich sind. Auch einige Stars der Bewegung haben ihr Kommen angekündigt: Tom Goldtooth beispielsweise, vom Umweltnetzwerk der Indigenen Völker, oder Kumi Naidoo, der Greenpeace-Chef aus Südafrika.

Via Campesina und Diálogo Climático gehen eigene Wege

Dass es außer dem Klimaforum10 noch zwei andere Alternativ-Gipfel zur UN-Konferenz gibt, stimmt Valencia ein wenig missmutig. Die Kleinbauernbewegung "Via Campesina" hat eigene Aktionen geplant. Außerdem beginnt am Freitag in Cancúns Innenstadt der "Diálogo Climático", organisiert von den großen internationalen NGOs (Oxfam, Greenpeace, WWF) und etwa 50 mexikanischen Verbänden. "Uns wurde vorgeworfen, dass wir wegen unserer Kooperation mit den Organisatoren des Klimaforum09 von Kopenhagen nicht die mexikanische Bewegung widerspiegeln", sagt Miguel Valencia. Er selbst kritisiert die "Big Greens" wie Oxfam und Greenpeace. Sie würden die Regierungsdelegationen in der Klimadiplomatie nicht stark genug unter Druck setzen. Valencia: "Die Radikalen sind wir!"

Gustavo Ampugnani, dessen Organisation Greenpeace den Diálogo Climático unterstützt, versteht diesen Streit innerhalb der Klimabewegung nicht. Die Anzahl der Veranstaltungen spiegele die Vielschichtigkeit der mexikanischen Klimabewegung wider. "Diese Diversität ist wichtig, da wir voneinander lernen können. Wir sind zwar nicht immer alle einer Meinung, aber in den großen Fragen stimmen wir überein." Spätestens am 7. Dezember werde die Bewegung vereint sein. An diesem Samstag soll es einen "Marsch der Tausend" in Cancún geben.

Vorher allerdings wird sich im Klimaforum 2010 den leiblichen Dingen gewidmet. Eine Glocke läutet zum Mittagessen im großen Zelt. Und wer vorher noch etwas Entspannung in seine Knochen bringen wollte, für den gab es einen Yoga-Kurs.

Alle Beiträge zur COP16 in Mexiko auf einen Blick finden Sie in unserem Cancún-Dossier

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