Youngos sorgen für Herzschmerz
Die Jugendvertretung hat bei den Klimaverhandlungen in Bonn Hochzeit gefeiert: Kyoto-Protokoll und Industrieländer haben sich das Ja-Wort gegeben - rechtlich bindender Ehevertrag inklusive
Aus Bonn Daniel Boese
Die Jugend-Aktivisten haben bei den Bonner Klimaverhandlungen große Gefühle aufgefahren, um den "täglich grüßt das Murmeltier"-Effekt zu vertreiben. Der stellt sich fast automatisch ein, weil dieses Jahr genau die gleichen Fragen verhandelt werden, wie letztes Jahr - ohne dass ein großer Fortschritt zu sehen ist. Am Donnerstag hielten die jungen Klimaretter an der Eingangskontrolle eine Hochzeitszeremonie ab. Das Kyoto-Protokoll wurde mit den Industrieländern verheiratet – natürlich mit einem "rechtlich bindenden Ehevertrag".

"Eine Verbindung zur gegenseitigen Freude und zur Zeugung von Klimapolitik", sagte Sebastian Power aus England. Der britische Sprecher der Jungen Europäischen Grünen hielt die Zeremonie ab, die daran erinnern soll, wie "wichtig es ist, dass Kyoto-Protokoll nach 2012 zu erhalten, solange kein anderes gerechtes, rechtlich verbindliches und ehrgeiziges Abkommen verabschiedet" ist. Shenna Sanchez aus Belgien stellte das Kyoto-Protokoll dar, Kathrin Henneberger aus Deutschland mit den sogenannten Annex-1-Staaten die Industrieländer.

Damit reagierten die Jugendaktivisten auf das Papier des Klima-Sekretariats, dass die juristischen Optionen für die Fortdauer des Kyoto-Protokolls untersucht, falls bis 2012 kein neues Abkommen geschlossen werden sollte. Ihre Liebe zum Kyoto-Protokoll äußerten sie auch optisch: Sie trugen T-Shirts mit "I love KP", die sie auch an den John Ashe, den Vorsitzenden der Verhandlungen zu Emissionsreduktionen nach dem Kyoto-Protokoll, übergaben. Mit der Frage "Annex-1-Staaten, werdet ihr das Kyoto-Protokoll lieben und pflegen?" wurde die Ehe besiegelt. Auch die obligatorische Frage ans Publikum, wer Einwände gegen die Union habe, solle sie äußern oder für immer schweigen, wurde vom Publikum mit Schweigen beantwortet.
Schon am Mittwoch hatte die Gefühlsoffensive der Jugendaktivisten einen ersten Höhepunkt erreicht. Bei der Gesprächsrunde der YOUNGO-Vertreter mit der neuen Chefin des UN-Klimasekretariats hatten die Fragen der Jugendlichen Christiana Figueres zu Tränen gerührt. Frikk Nesje von der norwegischen Jugend-NRO Changemaker hatte die Fragen gestellt, was sie den Millionen jungen Menschen auf der Welt zu sagen habe, die vom Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen enttäuscht seien. Warum sollten Jugendliche noch Vertrauen haben, dass ihr Überleben gesichert werde?

Nach einer langen Schweigeminute antwortete Figueres - mit Tränen in den Augen: "Die Verantwortung liegt bei uns. Früher kannte man die Konsequenzen der Umweltzerstörung nicht. Aber heute machen wir weiter mit der Zerstörung, obwohl wir wissen, was wir tun" Die Chefin des Klima-Sekretariats fügte hinzu: "Ich kann nicht zusichern, dass diese Verhandlungen das Überleben sichern. Aber ich hoffe es."
Sie unterstrich auch, dass die Teilnahme von Jugendlichen an den Klimaverhandlungen wichtig sei: "Die Jugend ist essentiell, weil sie uns an die Anliegen zukünftiger Generationen erinnert." Für den Freitag haben die Jugendvertreter eine weitere Rede vor der Plenarversammlung angekündigt.
Fotos: Messina
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