Regierungsamtliche Kritik
Der Klima-Berater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Hans Joachim Schellnhuber hat die Ergebnisse der Klimaverhandlungen in Brüssel und Poznan kritisiert. Schellnhuber sagte der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag), seine Hauptsorge sei, dass das EU-Mindestziel einer Verringerung von Kohlendioxid bis 2020 um 20 Prozent im Vergleich zu 1990 wegen der vielen Ausnahmen beim Kohlendioxid-Emissionshandel verfehlt werde. Der nötige Strukturwandel hin zu kohlendioxid-armen Anlagen in Europa werde verschleppt. Noch schwieriger werde es, das 30-Prozent-Ziel der EU zu einzuhalten, das sie beim Zustandekommen eines globalen Klimapakts Ende 2009 in Kopenhagen erreichen will.
"In Posen machten die Kyoto-Staaten keine gute Figur, denn die Industriestaaten haben sich praktisch nicht über die Position von Bali hinausbewegt", sagte der Klimaforscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK. "Dagegen legten Schwellenländer wie Mexiko oder Südafrika hervorragende Klimaschutz-Pläne vor - die Lage hat sich praktisch umgedreht", so der Professor.
Auch EU-Umweltkommissar Stavros Dimas forderte weitere Anstrengungen der Union zum Klimaschutz. "Wir sollten uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen", sagte der Grieche in Poznan, wo er die EU-Delegation auf internationalem Parkett leitete und keinen Einfluss auf die Enscheidungen in Brüssel nehmen konnte.
Der tschechische Umweltminister Martin Bursik sagte der dpa, Klimaschutz werde ein zentrales Thema in der EU- Ratspräsidentschaft seines Landes im ersten Halbjahr 2009 werden. Er wolle eine Klimabrücke zwischen alten und neuen EU-Staaten bauen. Viele Beobachter fürchten, dass während der tschechischen Ratspräsidentschaft ab Januar das Thema ganz gestrichen wird: Staatspräsident Vaclav Klaus hält den Klimaschutz für "Ökostalinismus".
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