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Arktis warm wie nie in 200.000 Jahren

Der bereits eingetretene Klimawandel ist beispiellos für die vergangenen 200 Jahrtausende. Darauf haben kanadische Forscher nach der Auswertung von Bohrkernen aus den Sedimentschichten eines Sees in der Arktis hingewiesen. "Die vergangenen Jahrzehnte sind ökologisch einmalig in 200.000 Jahren", sagte Neal Michelutti, Öko-Paläontologe an der Queen's University in Kingston (Ontario).

queensuni_arktis_baffinisland.jpgDie Arbeit des Wissenschaftlerteams - geleitet von Yarrow Axford (University of Colorado) - ist in den Proceedings of the National Academy of Science erschienen. Auf der abgelegenen Baffin-Insel untersuchten die Wissenschaftler Sedimentschichten, die sich im Lauf der Erdgeschichte am Boden eines heute knapp zehn Meter tiefen See (Foto) abgelagert hatten. Anhand der Überreste von Algen und Wasserinsekten rekonstruierten sie Klima- und Umweltbedingungen der Vergangenheit. So konnten sie die Daten für die vergangenen zwei Eis- und drei Warmzeiten mit denen von heute vergleichen. "Das 20. Jahrhundert ist die einzige Periode während der vergangenen 200.000 Jahre, in denen aquatische Indikatoren eine zunehmende Erwärmung anzeigen", erklärt Studienleiter Axford, "und das trotz Änderungen der Erdrotation, die eigentlich einen kühlenden Effekt haben müssten."

So weit zurückreichende Datenreihen sind äußerst selten, weil die während vergangener Eiszeiten typischerweise die Eisschilde - riesigen Bulldozern gleich - frühere Ablagerungen zerstörten. Auf der Baffin-Insel jedoch sind die Sedimentschichten erhalten. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass der 'menschliche Fußabdruck' lang-andauernde natürliche Prozesse überlagert, sogar in entlegenen arktischen Regionen", so der beteiligte Biologe John Smol. "Wir beeinflussen auf dramatische Weise die Ökosysteme, von denen wir abhängen. Wir haben ein unkontrolliertes Experiment an unserem Planeten gestartet; die Situation ist viel schlimmer, als wir dachten, und das ist erst der Anfang."

Foto: Jason Briner/Queen's University

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