Kopenhagen: Fossil of the Day

Tag 12 in Kopenhagen und ein Fossil of the Year

Für die Verleihung des Preises für das Fossil-of-the-Year gab das Avaaz-Team noch mal alles: Erst traten die Fossil-Tänzer auf, während das Fossil-Lied gespielt wurde, dann versuchte Meerjungfrau Hilda den Tresor mit dem Namen des Gewinners zu öffnen. Leider versagte der Code 550, auch fossil-of-the-year.jpgder Code 450 funktionierte nicht, erst als die knapp 500 Zuschauer Drei-Fünf-Null riefen und Hilda den Code 350 eingab, öffnete sich das Schloss. Ben Wikler von Avaaz öffnete den Umschlag und zur Überraschung von vielen waren nicht die USA der Gewinner – sondern Kanada! Premier Harper trat dann auch unter Trommelwirbel auf die Bühne, um den Preis in Empfang zu nehmen. Das Fossil des Jahres wurde ermittelt, indem alle täglich verliehenen Preise addiert wurden, also das Gesamtergebnis aus den Zwischenrunden in Bonn, Bangkok, Barcelona und dem Gipfel in Kopenhagen ermittelt wurde. Kanada hatte sich kontinuierlich geweigert, seine Emissionsziele zu erhöhen und wenig für die Dynamik der Verhandlungen getan. Höhepunkt war wohl der Termin in der Donut-Fabrik, den Premierminister Harper wahrnahm und dafür nicht beim UN-Gipfel in New York im September erschien. Vorbei sind die Zeiten, in denen Kanadier mit dem Ahornblatt auf dem Rucksack ruhig durch Europa reisen konnten, das Ahornblatt entwickelt sich zum Zeichen für Klima-Zerstörer.

 

Tag 11 in Kopenhagen...

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... und wieder neue "ausgezeichnete Klimaschützer", auch wenn es in der NGO-Halle zum Ende der Klimakonferenz "aus Sicherheitsgründen" leider immer leerer wird: Der Hauptpreis geht an Australien, die Druck auf die kleinen Inselstaaten des Pazfiks machen, von der 1,5-Grad-Grenze abzurücken.

Weitere Fossil-Awards gingen an Kanada, Australia and Japan weil sie noch immer keine Zusagen zur langfristigen Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländer gemacht haben – im Gegensatz zu den USA: Vizepräsidentin Hillary Clinton hatte am Donnerstag in Kopenhagen gesagt, die Vereinigten Staaten werden sich an den Finanzhilfen beteiligen.

 

Tag 10 in Kopenhagen – die USA zum dritten Mal in Folge auf Platz 1

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Platz 1 geht zum dritten Mal in Folge an die USA: Diesmal dafür, dass sie sich dafür einsetzen, in den Vertragstext unter der Klimarahmenkonvention statt des IPCC-Reduktionsziels 25 bis 40 Prozent bis 2020 ein X Prozent einzusetzen. Das würde die Tür öffnen für freiwillige Reduktionsverpflichtungen.

Platz 2 geht an die Umbrella Group, zu der fast alle Industrienationen außer der Europäischen Union gehören. Verdient wurde der Negativpreis durch noch immer ausstehende konkrete Angaben zur langfristigen Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung in den armen Ländern und stattdessen lieber über Kohlenstoffmärkte referieren. 

Einen dritten Platz gibt es an Tag 10 in Kopenhagen nicht: Damit wollen die Fossil-Aktivisten erst während des High-Level-Segments aufwarten. 

Tag 9 in Kopenhagen – die USA bleiben dran

 

Verdächtig still blieb es in der ersten Verhandlungswoche von Seiten der USA. Von wegen Glanzleistung: Als am wenigsten konstruktive Verhandlungspartei wurde am Dienstag die USA ausgezeichnet. Als einziges Industrieland sprachen sie sich in den UN-Gesprächen gegen eine Steuer auf die so genannten "bunker fuels" aus – gemeint sind damit die Emissionen aus Flug- und Schiffsverkehr. Mit einer Steuer – so ein auf dem Weltklimagipfel diskutierter Vorschlag – könnte gleichzeitig ein Fonds zur Unterstützung der Entwicklungsländer bei Klimaschutz und Anpassung finanziert werden. Eine gute Idee, finden prinzipiell alle anderen reichen Länder.

Auch auf Platz 3 werden die USA ausgezeichnet. Gemeinsam mit Kolumbien haben sie sich einen Fossil of the Day verdient, weil sich beide Verhandlungsparteien beim Thema Waldschutz und REDD-Mechanismus (Reducing Emissions from Deforestation und Degradation) in der entsprechenden Arbeitsgruppe durchgesetzt haben, den Entwurfstext zum Thema von drei Seiten auf sieben Seiten aufzuplustern und Fortschritte damit erneut zu verzögern.

Kanada belegt Platz 3 für ein niedriges Reduktionsziel für 2020 von 3 Prozent unter 1990, das offenbar nicht einmal eingehalten werden könnte: Die Regierung plant nach Medienberichten offenbar die Entlastung von Großverschmutzern wie dem Ölsandabbau. Das könnte bis 2020 für einen Emissionsantieg von 37 Prozent sorgen.

 

Tag 8 in Kopenhagen – USA, EU, Kanda und Saudi-Arabien sahnen ab

fossil8-weimann.jpgDie zweite Woche auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen beginnt mit einem Fossil of the Day für die USA: Die haben sich den Negativpreis nicht nur dadurch verdient, dass sie der zweitgrößte Kohlendioxid-Emittent der Welt sind und ein Reduktionsziel für 2020 von lediglich vier Prozent gegenüber 1990 mit nach Kopenhagen gebracht haben. Hopenhagen oder Brokenhagen fragen die Aktivisten: Sie haben auch keine Zusagen zu langfristigen Geldern zur Unterstützung von Entwicklungsländern mit auf das Verhandlungsparkett gebracht.

Platz 2 des Fossil of the Day geht an die Europäische Union für das Pflegen und Hegen von Schlupflöchern in Form von heißer Luft. Diskutiert wird, dass nicht verbrauchte Emissionsrechte aus der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls mit in die nächste Verpflichtungsperiode genommen werden könnten. Interessant ist das vor allem für die Ostblock-Staaten. Insgesamt könnte sich die EU in einem neuen Klimaabkommen auf immerhin 11 Gigatonnen Kohlendioxid ausruhen.

Kanada und Saudi-Arabien teilen sich am Montag den dritten Platz des Fossil-Awards. Und zwar für die Letztplatzierungen beim Klima-Index, den am morgen Gemanwatch und das Climate Action Network herausgebracht hatten. Saudi-Arabien hat sich in dem Ranking von 57 Staaten durch null Punkte für Klimapolitik hervorgetan. Kanada ist beim Fossil of the Day bereits Stamm-Preisträger: Das Land gehört nicht nur zu den zehn größten Verschmutzern der Welt. Die Pro-Kopf-Emissionen in Kanada sind mit 23 Tonnen Kohlendioxid die höchsten der Welt.

 

Tag 6 in Kopenhagen: Fossil of the Day für Japan

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Die nächste Woche lässt nichts Gutes erwarten, zumindest wird der dritte Preis beim Fossil of the Day für die kommenden Tage aufgespart. Den zweiten Platz belegt Papua-Neuguinea für seine kleine Revolution gegen die Inselstaaten. Eigentlich gehört das Land selbst zu der Allianz der Kleininseln AOSIS, doch in der Plenarsitzung ist es den anderen Staaten kräftig in den Rücken gefallen. Und hat sich gegen einen Vorschlag ausgesprochen, der einen klaren Weg zu einem fairen, ambitionierten und rechtlich bindenden Abkommen ermöglichen würde.

Der erste Preis geht heute an Japan – dafür, dass der Staat dem Kyoto-Protokoll seine Geburtstagsfeier verdorben hat. Das Klimaabkommen besteht nämlich nun seit elf Jahren. Doch mit einer zweiten Periode nach 2012 könnte es schwierig werden: Japan lehnt den Textvorschlag des Vorsitzes der Kyoto-Verhandlungsgruppe rundherum ab.

PS: Weil den Klimaverhandlern – und auch den Kritikern der Klimaverhandlern – der Sonntag heilig ist, gibt es morgen keinen Fossil of the Day.

 

Tag 5 in Kopenhagen: Kanada und die EU sahnen ab

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EU-Gipfel nicht genutzt – Weil die Europäische Union gleich mehrere Chancen zum Klimaschutz hat sausen lassen geht Platz 3 der Fossil-Awards am Freitag an die EU. Weder die bedingungslose Erhöhung des Klimaziels für 2020 auf 30 Prozent noch langfristige Finanzhilfen für Entwicklungsländer wurden beim zweitägigen Treffen in Brüssel beschlossen. Das reicht nicht, sagen die Fossil-Aktivisten: Wenn die Europäische Union ein ambitioniertes Abkommen in Kopenhagen will, müssen sie auch vorangehen. Vor allem Deutschland muss verstehen, dass die EU durch vornehmen Zurückhaltung wenig inspirierend auf den Verhandlungsprozess wirkt, so die Begründung. 

Der große Sieger des Dinosaurier-Preises ist jedoch Kanada: Platz 1 und Platz 2 belegt das Land zum einen für sein eher possierliches Klimaziel von drei Prozent in Bezug auf das Jahr 1990. Die Zahl basiere auf sorgfältigen wissenschaftlichen Berechnungen, hatte der kanadische Chef-Unterhändler am Freitag erklärt. Die Jury des Fossil of the Day findet das eher wunderlich, ist doch Kanada schon unter dem Kyoto-Protokoll dazu verpflichtet, seine Emissionen bis 2012 um 6 Prozent zu senken.

Den Vogel abgeschossen hat jedoch Kanadas Umweltminister Jim Prentice: Der hatte am Donnerstag versucht einer kanadischen Umweltorganisation einen eigenen Negativpreis, den "hot air of the day Award" zu überreichen. Nettes Engagement, finden die Fossil-Macher Climate Action Network und Avaaz: Noch viel netter fänden sie es jedoch, wenn das Land des Ölsand-Abbaus sich mit einem angemessenen Reduktionsziel für ein starkes Kopenhagen-Abkommen engagieren würde. 

 

Tag 4 in Kopenhagen: Ein Fossil-Award für Deutschland

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Dinosaurier par excellence Polen, Deutschland und Neuseeland stehen auf dem Siegertreppchen des Fossil of the Day am Donnerstag. Einen Ray of the Day gab es auch: Für Frankreich, das beim Thema LULUCF (die schon fast liebevolle Abkürzung für Land Use, Land Use Change and Forestry) Schlupflöcher, die unter anderem Schweden, Finnland und Australien vorgeschlagen hatten (die Award-Sieger von Tag 1) als solche beim Namen nannte. 

Polen hat sich den Fossil of the Day verdient, weil es bei der bedingungslosen Erhöhung des EU-Klimaziels keine Eile kennt: 20 Prozent gegenüber 1990 will die Europäische Union bis 2020 reduzieren. 30 Prozent sollen reduziert werden, wenn es zu einem ambitionierten Klimaabkommen in Kopenhagen kommt. Polen sagt dazu: Das können wir auch noch nächstes Jahr entscheiden. Das finden die CAN-Aktivisten nicht. Und quittieren die Bemerkung des polnischen Außenministers Mikolaj Dowgielewicz zur EU-Position.

Für Deutschland haben sich der Bundestag und Entwicklungsminister Dirk Niebel den Fossil-Award verdient: Der unterstützte in Vorfeld der Klimakonferenz den Ansatz, Klimahilfen auf bereits versprochene Entwicklungshilfen anzurechnen. Den Hintergrund zur Debatte im Bundestag finden Sie übrigens HIER

Neuseeland belegt Platz 3 für das folgende ernüchternde Statement des Premierministers John Key: "Mir geht es nicht darum Neuseelands Klimaziel zu erhöhen. Mir geht es darum, in Kopenhagen sicherzustellen, dass wir die Bedingungen in ein Klimaabkommen bekommen, die wir brauchen um ein Ziel von 10 bis 20 Prozent zu erreichen. Wenn wir diese Bedingungen nicht verhandeln können, reduzieren wir eben nur um 10 Prozent."

 

Tag 3 in Kopenhagen: Ray of the Day für Tuvalu

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Grund für ein Tänzchen: Der erste "Ray of the Day" geht in Kopenhagen an Tuvalu: Der Inselstaat im Pazifik hat sich in den UN-Klimagesprächen dafür eingesetzt, in einer neuen Verhandlungsgruppe die Diskussion um ein rechtlich verbindliches Abkommen voranzubringen. Und blitzte damit bei COP15-Präsidentin Connie Hedegaard ab. Solidarität sprachen Tuvalu schon am Nachmittag knapp 300 Aktivisten aus. Am Abend nahm ein Delegationsvertreter den symbolischen Heiligenschein "Ray of the Day" entgegen, der ausdrücklich als lobendes Gegenstück zum Schmähpreis Fossil of the Day verliehen wird. 

Ganz ohne Schmähpreis geht es dann aber doch nicht nach einem bewegten Tag auf dem UN-Klimagipfel: Der "klassische" Platz 1 des Fossil-Awards geht an Tag 3 an Kanada und Kroatien. Beide Länder teilen die Abneigung gegen das offizielle Referenzjahr 1990 miteinander – und wollen wertvolle Verhandlungszeit damit verbringen, in einer eigenen Verhandlungsgruppe darüber zu diskutieren. Kein Wunder, dass Länder mit weniger amitionierten Klimazielen ein "moderneres" Basisjahr vorziehen würden: In Sachen Emissionsreduktion lassen sich so auch kleine Zahlen deutlich aufplustern. 

Mit Platz 2 wird Russland ausgezeichnet: Man sei nicht in Kopenhagen, um eigene konkrete Reduktionsziele zu diskutieren, ließ die Delegation am Mittwoch verlauten. Das von Präsident Medvedev vor Journalisten angekündigte Klimaziel von 20 bis 25 Prozent bis 1990 könne zu diesem Zeitpunkt der Verhandlungen schlichtweg noch nicht offiziell bestätigt werden. 

 

Tag 2 in Kopenhagen: Fossil of the Day für die Ukraine

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Die Ukraine darf sich richtig freuen: Sie belegt Platz 1, Platz 2 und Platz 3 des Fossil of the Day, der am Dienstag Abend im UN-Kongresscenter feierlich verliehen wurde. 

Für eine Spitzenleistung ohne Vergleich halten die Fossil-Aktivisten die Chuzpe des osteuropäischen Staats, mit dem schlechtesten Klimaziel der Welt in Kopenhagen anzureisen: Bis 2020 will die Ukraine ihre Treibhaus-Emissionen um 20 Prozent gegenüber 1990 reduzieren. Klingt nicht schlecht, ist aber nicht viel mehr als "heiße Luft" (hot air). Weil die Emissionen ohnehin seit den 90ern stark gesunken sind, würde das gegenüber dem heutigen Stand eine Zunahme um sagenhafte 75 Prozent bedeuten. Das verdient nicht irgendeinen, sondern den ersten Platz des Fossil-Preises, finden die Aktivisten des Climate Action Networks. 

Und schieben Platz 3 für die Ukraine gleich hinterher: Die Ukraine hat Japan Emissionsrechte im Wert von 300 Millionen Euro verkauft – ist aber nicht bereit, offenzulegen, ob und zu welchem Anteil dieses Geld in Klimaschutzmaßnahmen investiert wird.

Platz 2 zwischen Ukraine und Ukraine geht an die so genannte Umbrella-Group, zu der neben Kanada, Island, Japan, Kasachstan, Neuseeland, Russland, den USA, Australien auch – raten Sie mal – die Ukraine gehört. Die höchst umstrittene Technik zur Kohlendioxidabscheidung und unterirdischen Verpressung CCS (Carbon Capture and Storage), mit der zum Beispiel Kohlekonzerne auch in Zukunft den klimschädlichsten aller fossilen Brennstoffe unter einem grünen Deckmantel verbrennen wollen, soll – wenn es nach dem Willen der Regenschirm-Gruppe geht – künftig als Projekt im Clean Development Mechanismus angerechnet werden können.


Tag 1 in Kopenhagen: Fossil für die Industrieländer

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Ein kleiner Rundumschlag des Fossil-Award: Ganz oben auf dem "Siegertreppchen" stehen am ersten Tag des Weltklimagipfels die Annex I Staaten: Die sind mit deutlich zu Reduktionszielen nach Kopenhagen gereist. Legen die Industrieländer nicht mehr auf dem Tisch, wird sich die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 um 3,5 Prozent erhöhen, hatten bereits in der letzten Woche das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Ecofys errechnet. 

Schweden, Finnland und Österreich teilen sich Platz 2, weil sie sich innerhalb der Europäischen Union für Regelungen zum Waldschutz einsetzen, die sich zwar durchaus für das Kohlenstoffkonto der waldreichen Heimat, aber weniger für das Klima lohnen würden. Das wäre ein schönes Schlupfloch für die EU, finden die Fossil-Aktivisten, und ist damit ein verdienter Fossil of the Day.

Kanada darf sich über Platz 3 freuen: Umweltminister Jim Prentice hatte verkündet, das Land werde sich vom "Kopenhagen-Hype" nicht vereinnahmen lassen. Auch die Verhandlungshaltung in Kopenhagen nicht zu verhandeln verdient Fossil-Applaus, sagt Aktivist und Fossil-Moderator Ben Wikler. 

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fossilofthedayawardlogo.jpegDer Fossil-Award zeichnet auf den UN-Verhandlungen bereits seit drei Jahren täglich den größten Bremser und Blockierer aus. Auserkoren wird der "Gewinner" der Anti-Trophäe vom Climate Action Network CAN, einem Dachverband von mehr als 450 internationalen Nichtregierungsorganisationen: www.fossil-of-the-day.org

 

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