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Anpassungsfonds

Der Anpassungsfonds (Adaptation Fund) wurde von den Unterzeichnern des --> Kyoto-Protokolls eingerichtet, um Projekte und Programme zur Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern zu finanzieren. Viele Entwicklungsländer sind von den Auswirkungen der Erderwärmung schon heute stark betroffen, obwohl sie aufgrund ihrer geringen CO2-Emissionen selbst kaum zum Klimawandel beitragen. Bisher gilt der Anpassungsfonds als zu leistungsschwach angesichts des immensen Finanzierungsbedarfs, den der Klimawandel erfordert.

Die Finanzierung des Fonds erfolgt über den im Klimaschutzabkommen verankerten "Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung" (--> Clean Development Mechanism – CDM). Auf jedes hier angemeldete Projekt wird eine Abgabe von vier Prozent fällig, von denen die Hälfte in den Anpassungsfonds geht; die verbleibenden zwei Prozentpunkte sind Bearbeitungsgebühr. Erhoben wird der Beitrag vom UN-Klimasekretariat in Bonn. Allerdings sind die Preise der Emissionshandels-Zertifikate im Keller, sodass auch Ebbe bei den Anpassungshilfen herrscht.

Die Einrichtung des Fonds wurde auf der --> UN-Klimakonferenz in Marrakesch im Dezember 2001 beschlossen. Die Gründung des Fonds fand jedoch erst fünf Jahre später auf der Klimakonferenz in Nairobi statt; arbeitsfähig war er zu dieser Zeit allerdings noch nicht. Stattdessen begann ein politisches Fingerhakeln zwischen Industrie- und Entwicklungsländern darüber, wo das neue Instrument anzusiedeln sei.

Der Vorstoß der Industriestaaten, den Anpassungsfonds der Weltbank einzugliedern, wurde von den Staaten des Südens abgelehnt. Auf der Klimakonferenz in Bali 2007 konnte man sich übergangsweise auf die Globale Umweltfazilität (Global Environment Facility, GEF) als Träger einigen. Die GEF ist eine von Weltbank, UNDP und UNEP getragene Institution, die Umweltschutzbelange bei Entwicklungshilfevorhaben projektiert.

Die eigentliche Arbeit des Fonds wurde 2008 erst mit der Einrichtung eines Adaptation Fund Board (AFB) als oberstem Entscheidungsgremium möglich, nachdem dessen Ausgestaltung auf der Konferenz in Poznań Zentrum hitziger Debatten war. Die Entwicklungsländer erhielten die Mehrheit im Steuerungsgremium, die Vorsitzenden kommen ebenfalls aus dem globalen Süden. Im Jahr 2010 einigten sich die Staaten dafür auf Bonn als Sitz des Klimafonds. Umstritten in Poznań war auch die Frage, wie die Gelder des Fonds ausgeschüttet werden sollten: Der Süden plädierte für einen weitgehend freien "direkten Zugang" – die Industrieländer lehnten dies zunächst ab.

Gewährt wird der freie Zugriff nun, jedoch mit Einschränkungen. Das Steuerungsgremium hat die Modalitäten für die Mittelvergabe im Laufe des Jahres 2009 erarbeitet. Die verantwortlichen Instanzen können die Mittel nach einem Akkreditierungsprozess nun direkt abrufen. Ein Netz von Verlässlichkeitsstandards, Kontroll- und Evaluierungsinstanzen soll der Befürchtung vieler Industrieländer und Nichtregierungsorganisationen entgegenwirken, dass die Gelder nicht dort ankommen könnten, wo sie am meisten gebraucht werden.

Der Anpassungsfonds nahm seine Arbeit 2009 auf. Seitdem ist er chronisch unterfinanziert. Nach Schätzungen der Entwicklungsorganisation Germanwatch liegt der tatsächliche jährliche Finanzierungsaufwand zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels bei zwei- bis dreistelligen Milliardenbeträgen in den Entwicklungsländern. 

Da das Kyoto-Protokoll im Jahr 2020 ausläuft, soll der Anpassungsfonds unter das Dach des neuen, 2015 beschlossenen Paris-Abkommens geholt werden. Dagegen wehren sich Länder wie die USA, die beim Kyoto-Protokoll nicht dabei sind. Aber auch die europäischen Staaten bremsen, während die Entwicklungsländer auf schnelle Entscheidungen drängen. Ein endgültiger Beschluss ist für Ende 2018 geplant.

Weiterführende Links:

Zähes Ringen um ein bisschen Geld – ausführlicher Artikel über den Anpassungsfonds auf  klimaretter.info von 2011

Adaptation Fund – Facts and Documents (UNFCCC)

www.adaptation-fund.org – Website des Anpassungsfonds

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