Umwelt-Medienpreis 2008 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009
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"Wenn ständig jemand dazwischenfunkt"

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Auf vielen Universitätsdächern in Deutschland wird mittlerweile mit studentischer Unterstützung Solarenergie erzeugt. Ausgerechnet an der Uni Leipzig geht es trotz preisgekrönter Initiative Unisolar seit dem ersten Projekt nicht mehr voran. Woran es in Leipzig hakt, erklärt Christin Melcher, die von Anfang an bei Unisolar dabei ist

wir-klimaretter.de: Die Idee hinter Unisolar ist, Solaranlagen auf freie Dächer von Universitätsgebäuden zu bauen. Was war anfangs wichtiger: Studenten generell für das Thema Solarenergie zu interessieren oder das konkrete Anlageprojekt?

Christin Melcher: Uns ging es damals darum, dass sich mehr Leute für Umweltschutz engagieren. Es ist natürlich ein positiver Nebeneffekt, wenn die beteiligten Studenten dafür vier Prozent Zinsen bekommen. Aber das war nicht der Hauptgrund: Uns ging es darum, dass die Leipziger mitkriegen, da oben ist eine Photovoltaikanlage. Deshalb haben wir auch eine Anzeigetafel installieren lassen: Die zeigt Passanten die erzeugte Energie an. Wir waren dann auch in den Medien präsent und haben einen Preis bekommen.

Woraufhin das Projekt an anderen Hochschulen kopiert wurde.

Genau. Und da sind wir mittlerweile auch in einem Netzwerk verbunden, das bundesweit schon recht erfolgreich ist. Nur für weitere Projekte in Leipzig stellt sich die Uni quer.

Woran hakt es? Warum dürfen Sie beispielsweise nicht wie geplant eine Photovoltaikanlage auf der inzwischen eröffneten Mensa bauen?

Wie hatten mehrere Gespräche mit dem Kanzler der Uni Leipzig Frank Nolden, der gesehen hat, dass man mit Photovoltaikanlagen ganz gut Geld verdienen kann. Und Nolden hat uns gesagt, dass er diese Geld dann lieber selber verdienen würde. Wir haben damals explizit nach dem Mensadach gefragt, weil das natürlich ein sehr öffentlichkeitswirksames Dach ist. Noldens Antwort, die auch groß in der Leipziger Volkszeitung lief: Er wolle da eben selbst eine Solaranlage bauen.

Und jetzt? 

Unisolar hat noch ein anderes Dach der Universität Leipzig lokalisiert, das sich aufgrund unserer Untersuchungen eignen würde, mit einer Solaranlage zu bestücken. Der Kanzler hat sich offenbar nie die Mühe gemacht, zu analysieren, welche Dächer seines Gebäudebestandes sich für ein Sonnenkraftwerk eignen würden. Als mit dem Bau der Mensa begonnen wurde, haben wir schon empfohlen, die Stromkabel für die potentielle Solaranlage mit zu verlegen. Das war nämlich ein Hindernis bei der Realisierung der jetzigen Anlage.

gwz-dach-unisolar.jpgErste und einzige bisher realisierte Solaranlage von Unisolar Leipzig auf dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum. (Foto: Unisolar)

 

 

 

Nochmal zurück zum Start von Unisolar: Wie lange hat es gedauert, bis die erste Anlage realisiert wurde?
 

Im Februar 2006 war das erste Treffen, da ging es um ganz grundlegende Dinge. Sollen wir ein Verein sein? Wie sollen wir das überhaupt realisieren? Verschiedene Modelle wie Bürgersolaranlagen wurden diskutiert. Konkret gebaut wurde die Anlage dann ein Jahr später im April 2007. Einen Monat später im Mai ist sie dann ans Netz gegangen.

Rentiert sich das Projekt?

Ja: die vier Prozent sind dabei noch konservativ gerechnet, tatsächlich sind es etwa sechs Prozent Rendite. 

War es schwer das nötige Geld zusammenzubekommen? 

Anfang Dezember 2006 haben wir angefangen Geld zu sammeln und am 31. Januar war Schluss. Also gerade einmal zwei Monate: Und wir haben doppelt so viel Geld gesammelt, wie notwendig. Wobei sowieso schon eine Hälfte vom Studentenwerk finanziert wurde, damit die auch etwas daran gewinnen, weil sie während der Laufzeit einfach einen riesigen Verwaltungsaufwand haben. Die andere Hälfte - ungefähr 80.000 Euro - wurde über studentische Darlehen finanziert. Wir hatten aber ungefähr 170.000 Euro an Darlehensverträgen da. Da haben wir dann einigen Leuten abgesagt und sie auf ein nächstes Projekt vertröstet. Wir haben gehofft, dass es demnächst eine zweite Anlage gibt.

Wenn ein neues Dach zur Verfügung stände, könnte eine weitere Unisolar-Anlage auch innerhalb von vier Monaten stehen? Wie geht es jetzt weiter?

Ja, wir haben inzwischen das nötige Know-How parat und auch die Kontakte: Das würde ganz schnell gehen. Wir haben in der Zwischenzeit deshalb ein Dach einer anderen Hochschule in Leipzig ins Visier genommen. Da gab es zuerst zwar Probleme mit dem Denkmalschutz, inzwischen wurde uns aber eine Dachhälfte zugesichert.

Momentan sieht es aber leider personell nicht besonders gut aus bei uns. Wenn eine Person in der Uni dir ständig dazwischenfunkt - und das in Anbetracht dessen, welches Renommee die Unisolar-Anlage hat, auch bundesweit - ist das zermürbend. Vielen fehlt deshalb die Motiviation. Auch wenn zum Beispiel der Uni-Rektor Franz Häuser, der auch im wissenschaftlichen Beirat bei Unisolar ist, absolut dafür ist, eine neue Anlage mit studentischer Beteiligung zu bauen. Zu entscheiden hat aber nun einmal der Kanzler.

Und der blockiert. Der Wert der Initiative und der ersten Anlage wird von der Uni oft unterschätzt. Gerade im Jubiläumsjahr der Uni Leipzig hätte ich mehr erwartet: Es stiftet schließlich auch Identifikation mit seiner Universität, wenn man eine Anlage auf dem Dach hat, an der man sich als Student beteiligt hat. Aber das sind alles Chancen, die die Uni offenbar nicht sieht.

INTERVIEW: JÖRG ZEIPELT 

Die Mensa, deren Dach für eine weitere Anlage genutzt werden soll, steht seit mehr als einem Jahr. Auf Nachfrage von wir-klimaretter.de erklärte der Kanzler der Universität Frank Nolden, die Universität habe zunächst andere Prioritäten beim Universitätsneubau gesetzt und wollte zunächst Seminarräume, Mensa, Bibliothek und Rechenzentrum in Betrieb bringen.  "Ich glaube, die Module sind sogar schon auf dem Universitätsgelände und wenn das Wetter besser ist, dann kommen die drauf", so Nolden. Der Strom aus der neuen Solaranlage der Universität soll laut Nolden ab Frühjahr eingespeist werden. Auf einen Termin festlegen wollte sich der Kanzler jedoch nicht. 

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