Laufzeitverlängerung für das Heizen mit Strom
Weithöners Sonnenstrahl
Eine Elektroheizung verursacht im Durchschnitt doppelt so viel CO2-Emissionen wie eine Ölheizung, drei Mal mehr Emissionen als ein Gas-Brennwertkessel und sogar zehn Mal mehr Treibhausgase als eine moderne Holzpelletheizung mit angeschlossener Solaranlage.
Genug Gründe sollte man meinen, dass der Gesetzgeber diese Geräte aus dem Verkehr zieht.
Doch was man bei den Glühlampen auch gegen den Protest der Edison-Fans durchgezogen hat, traut man sich nun bei den viel klimaschädlicheren Stromheizungen nicht. So ist denn auch die neue EnEV voll mit Ausnahmeregelungen für die Energieschleudern: Geräte, die älter als 30 Jahre sind, müssen bis 2019 durch effizientere Geräte ersetzt werden - aber nur, wenn sie in Wohngebäuden mit mindestens sechs Wohneinheiten stehen. Elektroheizungen, die nach 1990 eingebaut wurden, müssen auch ausgetauscht werden - allerdings erst 30 Jahre nach Einbau. Da die Mehrzahl der Stromheizungen (80 Prozent) sich in Gebäuden mit unter sechs Wohneinheiten befindet, ist die überwiegende Mehrzahl der Elektroheizungen von der EnEV nicht betroffen.
Und: Sollte der Ausbau der Nachtspeicherheizungen und der Einbau einer neuen Heizung auch unter Inanspruchnahme von Fördermitteln nicht wirtschaftlich sein, besteht auch keine Austausch-Pflicht. Beobachter vermuten, dass die Stromriesen, die schon seit Jahrzehnten mit diesen technologischen Dinosauriern ordentlich Kasse machen, bei der Verordnung selbst mitgeschrieben haben.
Für die rund 1,5 Millionen dieser Heizungs-Dinos, die in Deutschland derzeit noch frei herumlaufen dürfen, bedeutet die neue Verordnung eine großzügige Laufzeitverlängerung. Experten gehen davon aus, dass Elektroheizungen etwa drei Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verursachen. Jedes Jahr könnten demnach fast 23 Millionen Tonnen CO2 durch den Ersatz von Nachtspeicherheizungen durch umweltfreundliche Heizsysteme vermieden werden.
Und: Elektroheizungen werden immer teurer, denn die Heizstrompreise sind mittlerweile drastisch angestiegen und steigen weiterhin kräftig. War Nachtstrom 2004 noch für rund 5,5 Cent je Kilowattstunde zu haben, so lag der Preis Anfang 2008 zwischen 8,5 und 10 Cent. Zum Vergleich: Eine Kilowattstunde Heizenergie auf der Basis von Holzpellets kostet etwa 4,5 Cent, für Gas liegt der Preis bei rund 6 Cent. Mittlerweile liegen die Preise für Nachtstrom bei bis zu 15 Cent. Energie-Experten empfehlen deshalb Haus- und Wohnungseigentümern schon seit Jahren, nicht auf neue gesetzliche Bestimmungen zu warten, sondern selbst aktiv zu werden - zur Reduzierung der Energiekosten und zur Schonung der Umwelt.
Henner Weithöner ist Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazins Renewable Energy Journal www.rejournal.de
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