Vattenfalls Kohleprojekt nicht mehr "co2-frei"
Der Energiekonzern Vattenfall darf sein Pilotprojekt eines Braunkohlekraftwerks mit co2-Abspaltung und unterirdische Lagerung nicht mehr "co2-frei" nennen. Das entschied das Berliner Landgericht (Aktenzeichen: Az: 97 O 297/07).
Das Unternehmen errichtet derzeit im brandenburgischen "Schwarze Pumpe" eine Anlage, mit der die CCS-Technologie ("Carbon Capture and Storage") für den großtechnischen Einsatz erprobt werden soll. Die Inbetriebsnahme ist für 2008 geplant. Deren Leistung ist mit 30 Megawatt (thermisch) weit von der eines großen Kraftwerks entfernt, trotzdem wirbt Vattenfall (wie auch andere Kohlekonzerne) bereits unter Verweis auf CCS für "co2-freien" Kohlestrom und präsentiert sich als besonders umweltbewusstes Unternehmen.
Dagegen geklagt hatte eine Berliner Solarfirma. Das Landgericht folgte ihrer Argumentation, dass der Begriff "co2-frei" irreführend sei, da auch mit CCS ausgerüstete Kraftwerke sehr wohl Kohlendioxid produzieren. Zwar entweiche (im Normalbetrieb) nur noch ein kleiner Teil davon in die Atmosphäre, aber die Langzeitsicherheit der geplanten unterirdischen Lagerstätten ist noch nicht abschließend erforscht.
Im übrigen ist der Einsatz von CCS sehr kosten- und energieintensiv, der Wirkungsgrad der ohnehin wenig effizienten Kohlekraftwerke sänke dadurch wieder, für dieselbe Menge erzeugten Stroms müsste am Ende mehr Kohle verfeuert werden. Experten schätzen, dass vom anfallenden co2 nur 80 bis 90 Prozent aufgefangen und dauerhaft von der Atmosphäre ferngehalten werden können.
Vattenfall teilte nach
der Entscheidung mit, man prüfe rechtliche Schritte. Schließlich werde
weltweit von der CCS-Technologie als
"co2-frei" oder "carbon free" gesprochen. Vorläufig droht dem
Unternehmen aber ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro, wenn esdie Bezeichnung "co2-frei" weiter in der
Werbung einsetzt.
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