WWF: Gabriel täuscht Öffentlichkeit
Im Streit um die Planungen für neue Kohlekraftwerke in Deutschland hat der WWF eine detaillierte Studie vorgelegt. Demnach gibt es derzeit zwanzig konkrete Projekte. „Die Analyse zeigt, dass die Aussagen von Umweltminister Sigmar Gabriel, in Deutschland werden nur neun neue Anlagen gebaut, nicht in Übereinstimmung mit dem Planungs- und Genehmigungsstand sind“, betont Regine Günther, Leiterin des Klimareferats beim WWF Deutschland.
Die Aufzählung der Bauprojekte sei eine „Liste des Schreckens“, so der WWF. Die Analyse der Rechtsanwältin Dr. Roda Verheyen zeigt, dass sieben neue Braun- und Steinkohlekraftwerke bereits eine Genehmigung erhalten haben oder die Erteilung bevorsteht. Es handelt sich um die Projekte Boxberg (Vattenfall), Datteln (E.on), Duisburg-Walsum (Steag), Hamm-Uentrop (RWE), Grevenbroich-Neurath (RWE), Lünen (Trianel) und Moorburg (Vattenfall). Mindestens 13 weitere Kraftwerke seien im konkreten Genehmigungsverfahren. Dazu wird auch das so genannte Scoping-Verfahren gezählt. Es seien die Anlagen in Dörpen (Advanced Power), Brunsbüttel (Südwest Strom), Düsseldorf Lausward (SW Düsseldorf), Ensdorf (RWE), Herne (Steag), Ingelheimer Aue (Kraftwerke Mainz-Wiebaden), Krefeld-Uerdingen (Trianel), Lubmin (DONG), Lünen (Evonik Steag), Stade Bützfleth (Electrabel), Stade (E.on), Staudinger (E.on) und Wilhelmshaven (E.on).
Erst gestern hatte Greenpeace eine Liste 25 aktueller Kraftwerksvorhaben veröffentlicht. Nach Angaben der Organisation hat sie den Minister auf einer SPD-Veranstaltung in Salzgitter mit der Liste konfrontiert. Seine Antwort sei gewesen: "Ich muss feststellen, dass Sie Recht haben. Wenn diese Anzahl von Kohlekraftwerken, vor allem wenn sie ohne Kraftwärmekopplung gebaut werden, gebaut wird, werden wir die Klimaschutzziele deshalb nicht erreichen."
Zu den meisten Kraftwerksprojekten gibt es inzwischen Bürgerinitiativen. Eine Auswahl finden Sie hier.
Foto: Kohlekraftwerk Neurath in NRW (WWF/Canon Andrew)
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