Algenhunger trifft Tierhunger
Die Algenblüte verlaufe anders als bei vorangegangenen Experimenten, sagte Ulrich Bathmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Leiter des Fachbereichs Biowissenschaften am Alfred-Wegener-Institut: "Das ist ein Argument gegen die kommerzielle, großflächige Eisendüngung, da ihre Auswirkungen nicht kalkulierbar sind." Noch sei nicht klar, ob die Algen langfristig überhaupt größere Mengen von Kohlendioxid binden könnten.
Es geht um das Experiment LOHAFEX, mit dem eine deutsch-indische Forschergruppe klären will, ob das Klimagas Kohlendioxid von Algen gebunden und letztlich gespeichert werden kann. Um dieses Experiment hatte es viel Streit gegeben. Trotzdem schien es wichtig: Seit längerer Zeit legten Laborergebnisse nahe, dass eine Düngung des Meereswassers mit Eisensulfat das Algenwachstum dort deutlich stimuieren könnte - und so jede Menge Treibhausgas der Atmosphäre entziehen kann.
Die Expedition des deutschen Forschungsschiffes soll klären, ob die Laborergebnisse auch tatsächlich in der realen Natur den gewünschten Effekt bringen. Dafür pumpten die Wissenschaftler Ende Januar zehn Tonnen Eisensulfat in den Südwest-Atlantik.
"Bereits nach vier Tagen konnte das Team ein deutliches Wachstum der Algen feststellen", sagte Bathmann der dpa. "Dass sie sich so schnell vermehrt haben, ist überraschend." In früheren Experimenten sei dies erst nach 10 bis 14 Tagen der Fall gewesen. Vor allem die auch aus der Nordsee bekannte Phaeocystis globosa reagierte auf die Düngung heftig.
Allerdings - und jetzt kommt der Haken - haben die Wissenschaftler festgestellt, dass im selben Tempo, in dem die Algenblüte wächst, sich auch Kleinsttiere konzentrieren, die die wachsende Algenschar auffressen. Bathmann: "Dadurch atmen die Tiere das von den Algen gebundene Kohlendioxid wieder aus" - und zwar sehr viel stärker als in bisherigen Labor-Experimenten. "Zurzeit wachsen die Algen noch schneller, als die Tiere fressen können." Die Frage der nächsten Wochen ist, wie viele der Algen am Ende übrig blieben. "Deshalb können wir noch keine Aussage darüber machen, wie viel Kohlendioxid die Algen binden werden", betonte Bathmann.
Kritiker des Experimentes glauben, das Alfred Wegener Institut wolle kommerziellen Versuch im Kampf gegen den Klimawandel vernichten: Amerikanische Firmen hatten Patente für Konzepte angemeldet, die per Düngung Kohlendioxid-Zertifikate für den Emissionshandel generieren sollen. Allerdings hatte bereits Arbeiten eines britischen Forscherteams im Januar nahe gelegt, dass diese Idee nicht den gewünschten Nutzen bringt.
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