Ein Tsunami für die Kunstwelt
Die Auswirkungen des Klimawandels als Auslöser für eine kulturelle Revolution sind in der Kunst bisher kaum ernst genommen wurden. Wohltuend anders als die gängige Kunstszene hatten die Veranstalter der transmediale09 - Motto "deep north" - eine interessante Auswahl von Beiträgen angeboten, wie man sie bisher kaum auf dem gängigen Kunstmarkt, geschweige denn in Ausstellungen großer Museen zum Thema Klimawandel sehen konnte.
Zwar sind die meisten Beiträge der Medienkunst sehr theorielastig verquast und eher was für Leute, die Computerkonsolen und kilometerlange Kabelwürste sexy finden, dennoch wurde der Klimawandel hier wenigstens als ein Thema ernst genommen, das sich nicht mehr von der Agenda streichen lassen wird.
Anders im Kunstmarkt, in den trendigen Galerien und in den Museen für zeitgenössische Kunst. Hier herrscht die gleiche Stammtischmeinung zum Klimawandel wie bei Ernas Bierstübchen in der Altstadt. Nämlich, dass uns das alles am *rsch vorbei geht. Hauptsache, uns geht’s gut.
Und bis jetzt ist noch immer alles gut gegangen, warum sollte sich die gesamte Kunst plötzlich einem Thema widmen, dass womöglich eine Änderung gewohnter Lebensweisen fordert? Für die Matadore des Kunstmarktes und die Diven der Musentempel ist der Klimawandel kein wirkliches Thema, sondern höchstens ein Hype, der wieder verschwindet, wie er gekommen ist. Solange sie damit öffentliche Töpfe anzapfen können, soll es ihnen recht sein.
Das British Council geht einen, wie ich finde, guten Weg. Es versucht, Kulturschaffende und Kulturvermittler mit Klimaforschern zusammenzubringen, damit sie eine Ahnung davon bekommen, was inzwischen auf dem Spiel steht. Denn was nützt der teuerste Baselitz oder Kiefer im atomsicheren Safe in den Schweizer Bergen, wenn es demnächst keinen mehr gibt, der sich an seinem Anblick erfreuen kann?
Als ich 1991 mit meiner Arbeit zu den kulturellen Auswirkungen globaler Umweltveränderungen versuchte, in der Kunstszene neue Wege zu gehen, wurde ich dort nicht ernst genommen. Nun könnte man meinen, so kurz vor dem Sinken der Titanic hätte sich im Jahr 2009 was geändert. Statt dessen immer noch der alte Trott. Natürlich wehre auch ich mich dagegen, ein Thema aufgezwungen zu bekommen. Doch diesmal ist es überlebenswichtig für unsere Gesellschaft, ob wir es schaffen, den Klimawandel zu stoppen. Auch wenn die etablierten und oft blasierten Kulturmonopolisten es nicht wahr haben wollen, ich bleibe dabei: Nur die Kunst kann den Klimawandel stoppen!
Ich kenne zum Glück einige, die bereit sind, dies mit mir unter Beweis zu stellen. Für die anderen wünsche ich mir einen Tsunami, der ihnen den alten Mief aus den Hirnwindungen bläst. Und die Szene durchwirbelt, damit auch der letzte Museumshüter mitbekommt: Dieser Klimawandel ist die größte Kulturrevolution aller Zeiten. Wer das verpennt, wird nie wieder aufwachen.
Hermann Josef Hack ist Maler und Aktionskünstler
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