Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Es war einmal die Kröte...

Die Wahlprogramme der Bundestagsparteien im Klimaretter-Check. Heute: Die Grünen

nina2.jpg
Statt Beuys nun Nina Hagen: Die Sängerin wirft sich für grüne Politik in Schale

VON SUSANNE GÖTZE

„Wir wollen Sonne statt Regen – ohne Rüstung leben“, hieß es in einem Wahlspot der Grünen in den 80er Jahren, der von Joseph Beuys und BAP produziert wurde. Heute unterstützen immerhin noch Promis wie Nina Hagen die Grünen. Auch Abrüstungspolitik steht – wie die Umweltfrage - nicht mehr im Vordergrund, sondern es geht vor allem um eins: Jobs, Jobs, Jobs – und zwar eine Million. Das Ganze soll ein neuer grüner „Gesellschaftsvertrag“ richten, bei dem es um mehr geht als um ein paar „Kröten“. Die Grünen begnügen sich schon lange nicht mehr mit einzelnen umwelt- oder friedenspolitischen Forderungen, sondern wollen mit einem Gesamtansatz – nach dem amerikanischen Vorbild des New Deal - beweisen, dass sie mehr können als nur Öko.

Es bleibt ihnen auch keine andere Wahl, denn in der ökologischen Nische ist es mächtig eng geworden. Dennoch: Auch wenn grüne Politik vom Alleinstellungsmerkmal in der Parteienlandschaft zum Allgemeinplatz geworden ist – die Grünen haben insgesamt gesehen immer noch die ambitioniertesten Ziele im Umwelt- und Klimaschutz. Doch es zeigt sich immer mehr, dass ihnen bei vielen Themen andere Parteien – Linke, Sozialdemokraten und zumindest rhetorisch auch die Union - dicht auf den Fersen sind und sie teilweise sogar mit Bekenntnissen überbieten.

Jobs, Jobs, Jobs: Wettlauf um Zahlen

Angefangen bei der Zielmarke eine Million Jobs: Die Idee, mit ökologischer Arbeitsplatzbeschaffung im Wahlkampf zu punkten, hat Frank Walter Steinmeier mit seinem Deutschlandplan weitaus geschickter vermarktet. Zudem hat er auch noch einen drauf gesetzt und angekündigt, vier Millionen neuer Arbeitsplätze herbeizuzaubern – wenn auch bis 2020. Als Steinmeier seine Zielmarke verkündete, war das grüne Wahlprogramm allerdings schon gedruckt – wer hat da wohl von wem abgeschrieben? Im Wettlauf um die Zahlen liegt somit die SPD vorne, was die Glaubwürdigkeit anbelangt, haben in diesem Fall wohl eher die Grünen gepunktet. Bei der SPD heißt das Modell „ökologische Industriepolitik“ und bei der Linken „Zukunftsfonds“ und bei der CDU schlicht „Weg aus der Krise“.

gruene-jobs-jobs-jobs-1.jpg
Nicht alle nehmen den Grünen ihre Joboffensive ab: Das Erbe von sieben Jahre Regierungsbeteiligung wiegt bis heute schwer

Rund die Hälfte der neuen Arbeitsplätze wollen die Grünen im Bereich der „ökologischen Modernisierung“ schaffen – sprich mit der Förderung erneuerbarer Energien, Gebäudesanierung und Ökolandwirtschaft.

Am besten machen sich Wahlversprechen aber immer noch, wenn diese weit in der Zukunft liegen: In Sachen Elektroauto wollen die Grünen statt der von der Regierung beschlossenen eine Million gleich zwei Millionen Fahrzeuge mit Elektromotor auf deutschen Strassen fahren lassen. Trotzdem kam die Regierung der Opposition zuvor: Die Grünen haben bis 2020 eine Förderung von 500 Millionen veranschlagt. Die Regierung hingegen beschloss schon Ende August die gleiche Summe bis 2012 für die Branche locker zu machen.

In näherer Zukunft wollen die Grünen das lang ersehnte Tempolimit einführen - was ihnen auch unter sieben Jahren Rot-Grün nicht gelungen war. Kanzlerkandidat Steinmeier (SPD) betonte erst vor kurzem einhellig mit der Auto-Kanzlerin, dass es mit ihm keine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung geben werde.

Kohle und Atom überflüssig machen

Auch beim Atomausstieg sind Linke und SPD mit von der Partie – also auch kein Grund, unbedingt die Grünen zu wählen. Die Grünen halten am Atomausstieg fest und wollen neben den in den nächsten Jahren vom Netz gehenden Meilern auch noch „alte, besonders riskante Meiler“ abschalten. Die LINKE geht mit ihrer Forderung nach einem Sofortausstieg allerdings entschieden weiter. Beide Parteien halten die Hypothese einer Stromlücke für Propaganda der Atomlobby.

dem-gruene.jpg
Anti-Atomdemo in Berlin: Bei Bewegungsverteranen sind grüne Fahnen unerwünscht

Um nicht nur die Atomkraft, sondern auch die Kohle loszuwerden, wollen die Grünen den Anteil erneuerbarer Energien am Strom bis 2020 auf 40 Prozent steigen, bei der Wärme um 30 Prozent – das ist die ambitionierteste Forderung der im Bundestag vertretenen Parteien. Zudem soll die Energieeffizienz zum „Schwerpunkt der Regierungsarbeit“ gemacht und soweit gefördert werden, dass Kohle- und Atomkraft überflüssig werden. Mit dieser Forderung konkurrieren die Grünen ebenfalls mit den LINKEN. Beide Parteien sind die einzigen im Bundestag, die sich konsequent gegen Kohle und Atomkraft aussprechen. Die Grünen versichern, dass sie „an der Seite der Bürgerinitiativen und Umweltverbände stehen“, wenn es um den Neubau von Kohlekraftwerken geht. Doch das ist nicht immer erwünscht – das zeigte auch die Stimmung unter den Teilnehmern der größten Anti-Atomdemo der letzten 23 Jahre. Nicht wenige Bewegungsveteranen schimpften über die „vielen grünen Fahnen“ und meinten, dass sich die Grünen während ihrer siebjährigen Regierungszeit „verkauft“ hätten.

Lesen Sie auch die Wahlanalyse der Bundeswahlprogramme der FDP - Klimaschutz als Ware - und der SPD - Zwischen Baum und Borke sowie  der CDU/CSU Ab durch die Mitte, der LINKEN Eine öko-soziale Vision?

(Fotos: Wir-Klimaretter, Grüne)
 

 

 

 

 

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

Meinungen: Überraschung der Woche

Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Fritz Vahrenholt (RWE): Kalter Kaffee zur Sonne

Der kommende Montag wird die Welt erschüttern, zumindest die der Klimaforschung. Das verheißt jedenfalls eine aktuelle Verlagsankündigung: Donnerwetter! Tausende IPCC-Wissenschaftler sind komplette Versager!! Der Klimawandel ist längst gestoppt!!! Die Ozeane und die Sonne waren schuld daran!!!! Puh, da hat die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung


Werbung


Ressorts

Politik


EU gegenüber China vorerst hart

Alternativ zu Emissionshandel bietet Kommission aber "Ausgleichsmaßnahmen" an [mehr...]
Energie


Geothermiekraftwerk Landau vor dem Aus

Dem Geothermiekraftwerk im pfälzischen Landau droht das Betriebsende. Seit durch das Kraftwerk ein Erdbeben ausgelöst wurde, kämpfen die Betreiber mit Schwierigkeiten. Nun droht eine der Firmen - EnergieSüdwest - mit dem Ausstieg.
Aus Freiburg Bernward Janzing
[mehr...]
Wirtschaft


18.000 neue erneuerbare Jobs

Studie: Offshore-Branche werde 2021 mindestens 33.000 Menschen beschäftigen [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen

licht1-nick
Baumärkte schlampen bei den Lampen

Test der Deutschen Umwelthilfe: Nur in 40 Prozent gab es Rücknahme-Behälter für quecksilberhaltigen Energiespar-Leuchten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Noch nicht einmal 50 von 2.000

Der Ausbau der Offshore-Windkraft stockt - trotz üpiger Fördererhöhung durch die Bundesregierung. Schuld sind natürlich die Behörden, klagt RWE. Echt? Lesen Sie mal! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]