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Meeresspiegel steigt schneller

Der Arktische Rat schlägt Alarm: Der Meeresspiegel wird am Ende des Jahrhunderts bis zu 1,6 Meter über dem heutigen liegen. Was tun, wenn der serie_meer_klein.pngMeeresspiegel steigt? In einer Serie beleuchtet klimaretter.info, welche Strategien es dagegen gibt. Teil 13

Von Nick Reimer

Singapur ist der kleinste Staat Asiens, der reichste und der dicht besiedeltste: 4.5 Millionen Menschen leben auf den 63 Inseln. Ursprünglich war nur der Süden des Landes am Singapore River bewohnt, die restlichen Teile des Landes wurden landwirtschaftlich genutzt oder waren Urwald. Dann aber setzte wegen der strategisch günstigen Lage ein wahrer Siedlungsboom ein: Kaum größer als Hamburg leben nun viermal so viele Menschen hier.

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Dichtes Gedränge: Die Skyline von Singapur. (Foto: Reimer)

Deshalb versucht Singapur dem Meer immer neue Flächen abzutrotzen. So stieg die Landfläche von 581 Quadratkilometern in den 1960er Jahre auf heute 700 Quadratkilometer. Leisten kann sich der Stadtstaat das: Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 39.000 US-Dollar pro Kopf verdienen die Singaporis statistisch gesehen in etwa das gleich wie die Deutschen. Also wird weiter investiert: Bis zum Jahr 2030 sollen weitere 100 Quadratkilometer Neuland hinzu kommen.

Der Arktische Rat warnt vor einem drastischeren Meeresspiegelanstieg

Was aber, wenn der Meeresspiegel stärker steigt, als bislang prognostiziert? Der Arktische Rat hat am Montag Alarm geschlagen. Nach einem Zeitungsbericht der dänischen Politiken warnt die Expertengruppe des Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) nach einer neuen Untersuchung vor einem durchschnittlichen Anstieg von 0,9 bis 1,6 Meter bis zum Jahr 2100.

Dies ist deutlich mehr, als bei der letzten großen Prognose angenommen: Der Weltklimarat IPCC hatte in seinem jüngsten Gutachten von 2007 noch einen Anstieg von  0,19 bis 0,59 Meter angenommen. Zu Grunde liegt dieser Prognose ein durchschnittlicher Anstieg von 3 Millimeter pro Jahr. 

Der Arktische Rat ist ein zwischenstaatliches Gremium, das 1996 zum Interessenausgleich zwischen den arktischen Anrainerstaaten gegründet wurde. Ausgangspunkt der Warnung ist eine Untersuchung des AMAP, die am Dienstag veröffentlicht werden soll. Demnach ist vor allem ein schnelleres Abschmelzen des arktischen Eises "Schuld" an der neuen Prognose: Es trage schon heute zu 40 Prozent am Meeresspiegel-Anstieg bei.


Das Abschmelzen in der Arktis: das blaue Band ist die Prognose des Weltklimarates, die rote Kurve zeigt die tatsächlichen Messdaten der Satelliten. (Grafik: Rahmstorf)

Der von Satelliten gemessene Eisrückgang ist tatsächlich drastischer, als von den Klimawissenschaftlern Ende des letzten Jahrhunderts noch simuliert. Besonders beängstigend sei, dass der Eispanzer auf Grönland angefangen hat zu kollabieren, erklärte der Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf Ende 2010 gegenüber klimaretter.info. Erstmals sei deutlich geworden, dass auch an der Nordküste Grönlands die Eisschmelze eingesetzt habe.

Das Grönlandeis ist bis zu 3.000 Meter dick - einer der größten Süßwasserspeicher der Welt. "Würde das Eis komplett abschmelzen, bedeutet das, dass der Meeresspiegel um 7 Meter steigen würde", so Rahmstorf. Das klingt gefährlich, aber die eigentliche Gefahr birgt folgende Erkenntnis der Wissenschaft: Der Weltklimarat IPCC sagt, dass ab einer globalen Erwärmung von im Durchschnitt 1,9 Grad Celsius ein Totalverlust des Grönlandeises nicht mehr zu verhindern ist. "Ein Kippsystem, das bislang unaufhaltsam auf uns zu kommt", sagt Rahmstorf: "Klimaskeptiker und auch Politiker behaupten gern, der IPCC übertreibe. Ich wünschte, sie hätten Recht!"

Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Technischen Universität Helsinki hatte bereits 2009 einen Meeresspiegel-Anstieg um 75 bis 190 Zentimeter bis zum Jahr 2100 prognostiziert. Für die Expertise hatten die Wissenschaftler Meeresspiegel- und Temperaturmessungen aus den vergangenen 130 Jahren ausgewertet.


Sandsäcke - hier in der thailändischen Hauptstadt Bangkok - werden das Problem auf Dauer nicht lösen. (Foto: Reimer)

Was also gedenkt Singapur zu tun? Um sich zu wappnen verhandelte die Regierung mit holländischen Deichbauern. Staatsgründer Lee Kuan begründete das auf einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung so: "Wenn das Wasser steigt, und wir dann erst anfangen zu lernen, ist es zu spät." Die niederländische Firma Delft Hydraulics hat in Singapur jetzt zusammen mit der Singapurer National University ein  Forschungszentrum aufgebaut. Gegenwärtig wird ein Damm für einen neuen Wasserspeicher gebaut - um erste Erfahrungen zu sammeln und um den Deichbau zu erlernen.

bislang in der Serie erschienen:

Teil 1: Die Malediven - Ein Land plant den Umzug
Teil 2: Singapur verpflichtet holländische Deichbauer
Teil 3: Bangladesch - Überleben im Hochbunker
Teil 4: Pazifik - Das Paradies bittet um Asyl
Teil 5: Venedig - Mit Schleusentoren und Mose
Teil 6: New York - Die zukunftslose Stadt
Teil 7: Die Niederlande - Holland lässt die Häuser schwimmen
Teil 8: Shanghai - Die Last des Wirtschaftsbooms
Teil 9: Deutschland - Was die Schafe lehren
Teil 10: Grönland - sonnig, mild, 18 Grad Celsius
Teil 11:  USA - Die ungehörte Botschaft der der chesapeake bay
Teil 12: Flutwelle rollt auf Bangkok zu
Teil 13: Der Meeresspiegel steigt schneller
Teil 14: Wasser im Traum und unter dem Bett

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