Dürre in Kenia sorgt für Mangelernährung
König Fußball macht es möglich: Die ganze Welt schaut nach Afrika. Einen Sommer lang bestimmt das runde Leder den Takt der Welt – und die Zeiten, in denen der Ball mal ruht, werden garantiert mit Reportagen oder Interviews aus dem Alltagsleben überbrückt. Afrika einmal nicht als Katastrophe, sondern als stolzer, selbstbewusster Gastgeber.
Auch wir-klimaretter.de schaut nach Afrika: In einer Serie betrachten wir den Kontinent im Klimawandel. Denn der Fußballzirkus wird ab Montag weiter ziehen. Aber die Klimaprobleme bleiben. Keine andere Region der Welt hat so unter der Erderwärmung zu leiden - und das ist erst der Anfang. Teil 8 unserer Serie: Dürren sorgen für Mangelernährung.

Im Nordwesten Kenias haben die Tiere nicht genug Wasser. (Foto: Brendan Cox/Oxfam)
Der Klimawandel zeigt sich im Nordwesten Kenias in Form langer Dürreperioden und sintflutartigen Regenfällen. Lebensmittel sind rar und auch die Tiere können nicht ernährt werden. Besonders gefährdet sind Schwangere und Kinder. Um das zu ändern, wird vereinzelt versucht, mit Traditionen zu brechen.
Aus Turkana in Kenia Isaiah Esipisu (IPS)
Zahlreiche Mütter und Kinder im Distrikt Turkana im trockenen Nordwesten Kenias sind mangelernährt. Um Lebensmittel von Hilfsorganisationen in Empfang nehmen zu können, müssen die Frauen oft bis zu 50 Kilometer durch die ausgedörrte Steppe laufen. Lange Dürrezeiten und sintflutartige, wenn auch seltene Regenfälle sind Folgen des Klimawandels.
"Normalerweise ernähren wir uns von wilden Früchten, Wurzeln, Kamelmilch und Ziegen- oder Eselfleisch", sagt die 34-jährige Regina Ekwar. "Doch jetzt müssen wir essen, was wir kriegen können." Untersuchungen der Regierung belegen, dass mindestens die Hälfte der Schwangeren und stillenden Mütter in Turkana unterernährt ist.
Auch zahlreiche Kinder in dem vorwiegend von Nomaden bewohnten Distrikt haben so starke Mangelerscheinungen, dass sie medizinisch behandelt werden müssen. "Die schwierigen Lebensbedingungen haben dazu geführt, dass die Säuglingssterblichkeit mit 66 pro 100.000 Lebendgeburten sehr hoch ist", berichtet der Leiter des Krankenhauses in der Distrikthauptstadt Lodwar, Gilchrist Lokoel.

Lange Dürreperioden trocknen die Böden aus. (Foto: Zeresenay Berhane Mehar / Oxfam)
Im Turkana-Distrikt ist die Vegetation spärlich und wird zudem von dornigen Mathenge-Pflanzen dominiert, die für Mensch und Tier ungenießbar sind. In unregelmäßigen Abständen regnet es seit einiger Zeit so heftig, dass die spärlich wachsenden einheimischen Pflanzen vernichtet werden. Bei jüngsten Überschwemmungen sind zudem viele Nutztiere ertrunken, die in der Regel den männlichen Familienoberhäuptern gehören.
Klimawandel ist existenzbedrohend
Männer, die große Teile ihrer Herden verlieren, können ihre Frauen und Kinder nicht mehr wie früher unterstützen. Auch der Mann von Regina Ekwar, die mit dem sechsten Kind schwanger ist, hat bei der Dürre im vergangenen Jahr die meisten seiner Tiere verloren.
Der Lehrer Brian Ekai wirbt dafür, bestehende Traditionen den neuen Lebensverhältnissen anzupassen. So ist es beispielsweise üblich, dass Männer ihre Frauen nach der Geburt eines Kindes für zwei Jahre verlassen. "Das war in der Vergangenheit, als es noch häufiger regnete, kein Problem", meint er. "Auch die Frauen, die allein mit den Kindern zu Hause waren, hatten immer Kamele, die sie melken konnten. Das ist jetzt anders." Ekai ist der Ansicht, dass in der derzeitigen Situation beide Elternteile bei den Kindern bleiben sollten.
Hilfsorganisationen versuchen, die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen und sie bei der Familienplanung zu beraten. Es lasse sich nicht alles auf einmal verbessern, so Nick Wasunna von World Vision Kenya. "Im Moment konzentrieren wir uns auf mangelernährte Kinder unter fünf Jahren sowie Schwangere und Stillende."
World Vision führt in dem ostafrikanischen Land mehrere Programme durch, die entweder Soforthilfe oder längerfristige Unterstützung vorsehen. Wie Wasunna erklärt, stellen die Helfer für die Unterernährten einen Speiseplan auf. Besonders kritische Fälle werden an spezialisierte Gesundheitseinrichtungen verwiesen. Die übrigen Familienmitglieder erhalten Lebensmittel über das allgemeine Programm der Nahrungsmittelverteilung.
Bislang in unserer Afrika-Serie erschienen:
Teil 1: Afrika im Klimastress - Die Flucht vor dem Klimawandel
Teil 2: Burkina Faso - Sahelpflanzen wandern gen Süden
Teil 3: Ich hatte 150 Kühe. Eine Reportage aus dem Süden Kenias
Teil 4: Begehrlichkeiten am Okawango - Afrikas Wasser-Probleme
Teil 5: Umweltbildung - "Die Klimadebatte ist in Togo angekommen"
Teil 6: Fußball sehen mit der Sonne
Teil 7: Kongo - Wenn Bauern zu Köhlern werden
Teil 8: Dürre in Kenia sorgt für Mangelernährung
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