Burkina Faso: Sahelpflanzen wandern gen Süden
König Fußball macht es möglich: Die ganze Welt schaut nach Afrika. Einen Monat lang bestimmt das runde Leder den Takt der Welt – und die Zeiten, in denen der Ball mal ruht, werden garantiert mit Reportagen oder Interviews aus dem Alltagsleben überbrückt. Afrika einmal nicht als Katastrophe, sondern als stolzer, selbstbewusster Gastgeber. Auch wir-klimaretter.de schaut nach Afrika: In einer Serie betrachten wir den Kontinent im Klimawandel. Denn der Fußballzirkus wird bald weiter ziehen. Aber die Klimaprobleme bleiben. Keine anderer Region der Welt hat so unter der Erderwärmung zu leiden - und das ist erst der Anfang.
Teil 2: Die Sahelpflanzen wandern gen Süden

Bäuerin in Burkina Faso: Es wird immer schwieriger, dem Boden Ernte abzutrotzen. (Foto: Deutsche Welthungergilfe)
Burkina Faso, ehemalige französische Kolonie Obervolta, ist durch tropisches Klima und Savannenlandschaften geprägt. Mit seinen 14 Millionen Menschen gehört es zu den ärmsten Ländern des Globus. Regelmäßig wiederkehrende Dürreperioden sorgen oft für große Not der hauptsächlich als Bauern lebenden Bevölkerung.
Das "Centre Ecologique Albert Schweitzer" in Burkina engagiert sich beim Einsatz angepasster Technologien, und das nicht nur in Burkina Faso, sondern in ganz Westafrika. Vor 25 Jahren mit tatkräftiger Unterstützung aus der Schweiz gegründet, beraten heute 45 Beschäftigte die kleinbäuerliche Klientel bei Fragen zu den Themen Energie, Bewässerung, Kompostierung. Einer ist Michael B. Yanogo, der vor zehn Jahren an das Zentrum kam.
wir-klimaretter.de: Herr Yanogo, was kennzeichnet den Klimawandel in Burkina Faso?
Michael B. Yanogo: In den vergangenen 35 Jahren haben wir deutliche klimatische Veränderungen festgestellt. So ist die Niederschlagsmenge gesunken, gleichzeitig wurde es immer wärmer. Extreme Wettererscheinungen wie Trockenheiten und Überschwemmungen haben zugenommen. Pflanzenarten, die früher nur im Sahelgebiet vorkamen, wandern gen Süden.
Was wird dagegen unternommen?
Im Jahre 1984 wurde der Plan "national de lutte contre la désértification" erstellt. Sein Ziel ist es, noch intakte Naturräume zu schützen, die Bodenqualität zu verbessern und Wiederaufforstungsmaßnahmen zu organisieren. In den Jahren 1996 bis 2000 sind nach offiziellen Angaben zu diesem Zweck zirka 23 Millionen Bäume gepflanzt worden.

Wie unterstützt das Centre Ecologique Albert Schweitzer den Kampf gegen den Klimawandel?
Wir haben mittlerweile eine eigene Abteilung zu diesen Themen eingerichtet. Oberstes Ziel ist es, den Bauern zu helfen, sich an die immer unwägbareren Wetterlagen anzupassen. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung betreiben Subsistenzwirtschaft, also den Anbau von Obst, Gemüse und Getreide - Hirse, Mais, Sorghum, Fonio und Reis – für den Eigenbedarf.
Sie sagen, Bildung und Fortbildung der Bauern machen einen Großteil ihrer Arbeit aus. Wie sieht das aus?
Das ist richtig, denn nicht nur die klimatischen Bedingungen erschweren die Ausübung der Landwirtschaft, sondern auch das Unwissen der Bauern. Ein Beispiel: All zu lange war es gängige Praxis, Buschfeuer zu entfachen, um Ackerland zu gewinnen. Viel besser ist es, die Bodenfruchtbarkeit zu fördern und mittels Kompostierung, richtiger Bewässerung und natürlicher Schädlingsbekämpfung die Erträge zu steigern.
Interview: NORBERT GLASER

Bislang in unserer Afrika-Serie erschienen:
Teil 1: Afrika im Klimastress: Die Flucht vor dem Klimawandel
Teil 2: Burkina Faso: Sahelpflanzen wandern gen Süden
Teil 3: Ich hatte 150 Kühe. Eine Reportage aus dem Süden Kenias
Teil 4: Begehrlichkeiten am Okawango - Afrikas Wasser-Probleme
Teil 5: Umweltbildung: "Die Klimadebatte ist in Togo angekommen"
Teil 6: Fußball sehen mit der Sonne
Teil 7: Kongo: Wenn Bauern zu Köhlern werden
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