Unterwegs in einer Welt aus Plastik
Mehr als 12.500 PET-Flaschen sollen den Katamaran "Plastiki" von San Francisco bis Sydney über Wasser halten, um auf die Verschmutzung der Meere durch Plastikabfälle aufmerksam zu machen. Das Plastikzeitalter nimmt auch der Film "Plastic Planet" ins Visier
VON SARAH MESSINA
Die "Plastiki" besteht aus dem, was sie kritisiert: Mehr als 12.500 Plastikflaschen sollen den 20 Meter lange Katamaran auf einer mehrmonatigen Reise über 20.000 Kilometer über Wasser halten. Am Freitag wurde die Plastiki im kalifornischen Sausalito erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Mit der Reise will die sechsköpfige Crew auf die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikabfälle aufmerksam machen.

Der mit tausenden Zweiliter-Plastikflaschen umkleidete Bootsrumpf verleiht dem Katamaran fast 70 Prozent des nötigen Auftriebs. Die Fahrt soll von San Francisco südlich an Hawaii vorbei, über das Bikini-Atoll nach Sydney gehen: In See stechen wird die Plastiki allerdings erst in den nächsten Wochen – zunächst steht noch eine Testfahrt in der Bucht von San Francisco an. Auf ein paar Tage kommt es der Crew zu diesem Zeitpunkt jedoch offenbar nicht mehr an: Geplant war der Start ursprünglich bereits für Ende 2008, "klar Schiff" war die Plastiki dann aber auch nach Aufschub auf Mitte 2009 noch nicht.
Die Idee zur Fahrt in einem Meer aus Plastik kam der "treibenden Kraft", dem Bankiersson und Milliardärserben David de Rothschild, vor gut vier Jahren nach der Lektüre eines Berichts des UN-Umweltprogramms Unep: Rund 80 Prozent des gesamten Mülls in den Weltmeeren sind demnach Plastiktüten, PET-Flaschen und andere Plastikabfälle.

Zu finden sind diese Abfälle mitunter auf regelrechten maritimen Müllhalden, wie etwa dem "Great Pacific Garbage Patch" zwischen Hawaii und Kalifornien. Der gigantische Müllstrudel aus Plastikteilchen von der Größe des US-Bundesstaats Texas beschäftigt Meereswissenschaftler bereits seit einigen Jahren. Forscher aus den Staaten haben erst kürzlich auf ein ähnliches Problem im Nordatlantik aufmerksam gemacht: Sie fanden oberhalb der karibischen Inseln riesige Plastikmüll-Flächen - teilweise wurden bis zu 200.000 winzige Plastikstücke von weniger als einem Zentimeter Durchmesser pro Quadratmeter gezählt.

Die Qual der Wahl: Nachhaltiges Konsum- und Wegwerfverhalten versus Plastik über Plastik. (Foto: Plastiki, Thomas Kirschner/Plastic Planet)
6,4 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle landen Jahr für Jahr in den Weltmeeren. Die Abbauzeit von Plastik liegt nach Angaben des Umweltbundesamts bei bis zu 450 Jahren - das wird mit bis zu 500 Jahren nur noch von der Aluminiumdose überboten. Ein Teil der Abfälle wird etwa durch die kommerzielle Schifffahrt oder die Fischerei verursacht.
Plastik-Müllberge im Ozean haben aber auch andernorts ihren Ursprung: "Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Erdball sechs Mal in Plastikfolie einzupacken" - heißt es etwa im Dokumentarfilm "Plastic Planet", der seit vergangenen Donnerstag in Deutschland im Kino zu sehen ist. Zwischen Müllstrudeln im Ozean und einem von Plastik geprägten Alltag stellt Regisseur Werner Boote aus Österreich das Plastikzeitalter samt seiner ökologischen und gesundheitlichen Schäden in den Mittelpunkt. Müllvermeidung, nachhaltiger Ressoucennutzung und flächendeckende Recyclingstrategien sind demnach auf dem "Planeten Plastik" noch nicht wirklich angekommen.
Mehr zur Plastiki finden Sie HIER. Auf ähnlicher Mission war bereits im Sommer 2008 auch das Floß Junk auf Pontons aus 15.000 Plastikflaschen unterwegs.
Wie das UN-Umweltprogramm das Problem maritimer Müllhalden einschätzt, können Sie HIER nachlesen. Mit der Plastikmüllverschmutzung in Nord- und Ostsee hat sich das Umweltbundesamt in diesem Hintergrundpapier beschäftigt.
Und mehr zum Film Plastic Planet finden Sie HIER
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