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Berlinale: Mit Robin Hood das Klima retten

Auf der Berlinale werben Heike Makatsch und Jan Josef Liefers für eine Finanztransaktionssteuer, die Milliarden für Armutsbekämpfung und Klimaschutz aufbringen könnte. In Großbritannien setzen die Organisationen hinter der internationalen Kampagne derweil auf einen anderen Star, um für "den größten Bankraub aller Zeiten" zu begeistern

Aus Berlin SARAH MESSINA

Stars und Sternchen flanieren dieser Tage über die roten Teppiche der 60. Berlinale. "Premiere" beim großen Filmfestival in der Hauptstadt hatten auch die Schauspieler Heike Makatsch und Jan Joseph Liefers mit einem Filmspot der Kampagne Steuer gegen Armut. Hunderte Milliarden von Dollar wurden mobilisiert, um die Banken und das Finanzsystem zu retten, kritisieren damit Organisationen wie Attac, Germanwatch oder Oxfam. Geht es aber um brennende soziale Probleme und den Kampf gegen den Klimawadel muss um jeden Cent gerungen werden.

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"Eine süße kleine Idee": Zum Video mit einem Klick aufs Bild

Das versucht die Kampagne seit Oktober 2009 mit der Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer zu ändern, um mit einer Abgabe von bis zu 0,05 Prozent etlich Milliarden in die Kassen zur Bekämpfung von Armut und Klimawandel fließen zu lassen. Eine entsprechende Petition an den deutschen Bundestag, die bis Ende Januar 66.204 Unterzeichnern online, per Brief, Unterschriftsliste und Fax mitgetragen haben, hat es in bereits die parlamentarischer Prüfung geschafft.

Zur Berlinale hat sich die Kampagne mit Heike Makatsch und Jan Joseph Liefers aufgefrischt: Auf der Gala "Cinema for Peace" wurde der Filmspot als Deutschland-Startschuss für eine weltweite Kampagne zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein internationales Netzwerk aus Nichtregierungsorganisationen, kirchlichen und gewerkschaftlichen und globalisierungskritischen Gruppen will mit einer Petition an die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder zur Einführung einer Umsatzsteuer auf den Handel mit Finanzvermögen auffordern.

Tobin-Steuer als neue Finanzquelle für Klimabeihilfen

Die Idee der Steuer wird allerdings auch den G20-Chefs nicht neu sein: Erdacht wurde sie in den 1970er Jahren vom amerikanischen Ökonomen James Tobin, um kurzfristige Spekulationen auf den Finanzmärkten einzudämmen. Auch mit zahlreichen politischen Befürwortern kam die Tobin-Steuer über die Theorie bislang jedoch nie hinaus. Zuletzt hatten sich im Vorfeld des Weltklimagipfels in Kopenhagen etwa Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Äthiopiens Präsident Meles Zenawi oder Großbritanniens Premier Gordon Brown für die Einführung ausgesprochen.

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Die Tobin-Steuer als "größter Bankraub aller Zeiten", aber frei nach Robin Hood für einen guten Zweck

Was auch für den weiteren Verlauf der UN-Verhandlungen um ein neues Klimaabkommen noch von Bedeutung sein könnte: In Dänemark konnte sich die Weltgemeinschaft nur auf Zusagen zur kurzfristigen Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung in armen Ländern einigen. Bis 2012 wollen die Industrieländer demnach 30 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen. Langfristig liegt der Bedarf jedoch wesentlich höher: Die UN geht davon aus, dass bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar nötig sind.

Um diese Summen aufbringen zu können, müssten auch zusätzliche Finanzquellen aufgetan werden, so die UN. Mit genau diesem Auftrag hatte erst kürzlich Generalsekretär Ban Ki Moon einen neuen Ausschuss ins Leben gerufen, der Vorschläge zur Mobilisierung der Klimabeihilfen erarbeiten soll um zum nächsten Weltklimagipfel in Mexiko konkrete Empfehlungen vorlegen zu können. An der Spitze der "task force" stehen mit Meles Zenawi und Gordon Brown zwei prinzipielle Befürworter der Finanztransaktionssteuer.

Goldman Sachs vergnügt Robin Hoods Bande

Gestartet war die Kampagne bereits eine Woche vor dem Deutschland-Start auch in Großbritannien: Dort setzen die Organisationen hinter der Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer allerdings auf einen anderen Star: Der Volksheld Robin Hood soll die Briten für den "größten 'Bankraub' aller Zeiten" begeistern.

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Von den Reichen nehmen, den Armen geben: Das Konzept funktioniert offenbar bestens, was angesichts der bunten und phantasievollen Version mit entsprechendem Film-Pendant und inklusive kleiner Späße wie der Robin Hood Maske zum herunterladen und selberbasteln auch kaum verwunderlich ist: Mehr als 27.700 Unterstützer zählt die "Robin Hood Steuer" bereits.

Und auch neuen Stoff für Legenden hat Robin Hood bereits provoziert: Auf der Internetseite der Kampagne wird der Besucher am Ende des Filmspots gebeten, für oder gegen die Robin Hood Steuer abzustimmen. Auf jede ablehnende Stimme kommen derzeit etwa zehn Befürworter der Steuer. Einmal allerdings gingen innerhalb von nur 20 Minuten fast 5.000 Nein-Stimmen ein. Nachforschungen der Kampagnenmacher ergaben: Im Akkord wurde von zwei Computern aus gegen Robin Hood geklickt. Während die Identität eines Widersachers unbekannt blieb, konnte der zweite Rechner offenbar ausgemacht werden. An der Tastatur saß demnach ein Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs. 

 

 


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