Baumhäuser gegen Kohlekraftwerk Moorburg
Im Gählerpark in Hamburg-Altona hängen mehrere Plattformen in den Bäumen – KlimaschützerInnen protestieren hier gegen den Bau der Fernwärmeleitung des Kohlekraftwerks Moorburg. 400 Bäume sollen für die Fernwärmetrasse weichen
Aus Hamburg HANNO BÖCK
Wir erinnern uns: Vor knapp zwei Jahren kam es in Hamburg zur bundesweit ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene. Die Hamburger Grün-Alternative Liste hatte im Wahlkampf damit geworben, im Falle einer Regierungsbeteiligung den Kohlekraftwerksbau im Ortsteil Moorburg zu stoppen. Vattenfall baut dort zwei kohlebefeuerte Kraftwerksblöcke, die etwa 8,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausstoßen werden.

Baumbesetzung im Gählerpark. (Foto: Hanno Böck)
In die Koalitionsverhandlungen gingen die Grünen mit zwei wichtigen umweltpolitischen Forderungen – Verhinderung der Elbvertiefung und Stopp des Kohlekraftwerks in Moorburg. Der daraufhin geschlossene "Kompromiss" lautete – Elbvertiefung ja, Kohlekraftwerk vielleicht. Ein halbes Jahr später war klar: Es war nur eine Strategie, um die aufgebrachte grüne Basis zu beruhigen. Das Kohlekraftwerk Moorburg wird von der "grünen" Umweltsenatorin Antje Hajduk genehmigt.
Die Kraftwerksplanung schließt die Nutzung großer Teile der Abwärme des Kohlemeilers für Fernwärme in Wohngebieten ein. Hierfür soll eine zwölf Kilometer lange Fernwärmeleitung entstehen. Die Fernwärmenutzung ist Voraussetzung für den Betrieb des Kraftwerks. Daher konzentrierte sich der Widerstand von KlimaschützerInnen in jüngerer Zeit verstärkt auf den Bau der Fernwärmeleitung.

Baustelle des Kohlemeilers Moorburg. (Foto: Greenpeace)
Anfang Dezember begannen AnwohnerInnen damit, Bäume im betroffenen Gählerpark in Hamburg-Altona besetzt. Wenn die Trassenpläne realisiert werden, müsste dieser Park weichen. Inzwischen haben die Baumbesetzer Verstärkung erhalten. Eine Gruppe Robin Wood-AktivistInnen besetzte weitere Bäume. Viele AnwohnerInnen sympathisieren mit dem Anliegen der BaumbesetzerInnen. Momentan wird die Besetzung geduldet, die Bauarbeiten können frühestens ab dem 15. Januar beginnen. Bis dahin ist noch eine Klage des BUND gegen die Baumfällungen anhängig.
Die Genehmigung der Trasse erfolgte unter fragwürdigen Umständen – die "grüne" Umweltsenatorin erteilte eine sogenannte "vereinfachte Genehmigung". Diese ist normalerweise nur für Bauvorhaben mit geringen Umweltauswirkungen vorgesehen. Die Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgte auf Basis veralteter Planungen, die jetzige Trassenführung betrifft deutlich mehr Bäume und Grünfläche. Die AnwohnerInnen wurden erst nach erteilter Genehmigung informiert.

Plattformen in den bedrohten Bäumen. (Foto: Hanno Böck)
Die BaumbesetzerInnen wollen bis zu einer möglichen Räumung bleiben – und freuen sich bis dahin über jede Unterstützung.
Die Schlagzeilen um 07 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Danke, lieber Fritz Vahrenholt! Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]
Meinungen: Kommentar
Keine Blackout-Angst Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde
Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]
Aktion des Monats In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr] | Durban 2011 Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen. [mehr] |
Neue Klimaretter-Serie
Die Gesetze der Energiewende
Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | In eigener Sache Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge
Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13






