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Ein Klima-Label für Autos

Am 27. Januar 2009 fiel der Startschuss für die so genannte "Umweltprämie" der Regierung Merkel I. Ein Jahr später ziehen Verbraucherschützer Bilanz: Fürs Klima hat die Abwrackprämie wenig gebracht. Die Allianz aus Verbraucherzentralen, Verkehrsclub Deutschland, Germanwatch und anderen Organisationen fordert von der Regierung Merkel II, die angekündigte Verbrauchs-Kennzeichnung für Autos endlich auf den Weg zu bringen

VON SARAH MESSINA

Beim Kauf eines Kühlschranks ist der Blick auf die bunte EU-Effizienzskala schon fast Routine. Auch beim Autokauf soll künftig ein schneller Blick genügen, um Interessenten aufzuzeigen, ob ihr Wunsch-Vehikel ein Spritsparer oder Spritfresser ist: Das fordert ein Klima-Bündnis von Verbraucherzentralen, Deutschem Mieterbund, Verkehrsclub Deutschland, Germanwatch und anderen.

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Verbrauchsübersicht von Pkw in Großbritannien. (Foto: VCA)

Das Datum des Appells ist wohlgewählt: Vor einem Jahr fiel der Startschuss für die sogenannte "Umweltprämie", die vor allem als Abwrackprämie in aller Munde war: Wer sein mehr als neun Jahre altes Auto verschrotten ließ, konnte sich beim Kauf eines Neuwagens über eine Prämie von 2.500 Euro freuen. Fünf Milliarden Euro hat die Bundesregierung dafür in Rahmen ihres Konjunkturpakets zur Verfügung gestellt: Zwei Millionen Antragssteller hatten die Subvention eingesackt, am 3. November war der Fördertopf schließlich ausgeschöpft.

Umweltprämie ohne Umweltauflagen

Einen Nutzen für Umwelt- und Klima brachte die Abwrackprämie nur begrenzt – und vor allem wenig gezielt. Denn die Subvention war nicht wirklich an Umweltauflagen gekoppelt. Mit der Bedingung, die Abgasnorm Euro 4 einzuhalten, waren faktisch fast alle Autos förderfähig – die Norm war schon seit Anfang 2005 in Kraft. Die Öko-Bilanz der Maßnahme fiel denn auch reichlich geteilt aus: Während der damalige SPD-Kanzlerkandidat schon im September 2009 die Erfolge der Prämie feierte, kritisierten Umweltverbände die "vertane Chance" für den Klimaschutz.

"Die Prämie hatte zwar einige positive Auswirkungen auf den Klimaschutz, weil ein Teil des älteren Fahrzeugbestands verschrottet und durch Kleinwagen mit geringerer Klimabelastung ersetzt wurden", sagt auch Gerd Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Mit einer ökologischen Lenkungswirkung unter dem Motto "Fördern und Fordern" hätte die Kohlendioxid-Einsparung jedoch stärker ausfallen können.

Zum Beispiel durch einen Kohlendioxid-Grenzwert, der sich mit maximal 120 oder 130 Gramm pro Kilometer an den EU-Vorgaben für 2012 orientiert. Davon sind die "Klima-Erfolge" der Umweltprämie jedoch ein mehr als deutliches Stück entfernt. Den Effekt der Abwrackprämie auf den Kohlendioxid-Ausstoß haben auch die Verbraucherzentralen noch einmal berechnen lassen. Nach einer Untersuchung des Centrums für Evaluation (Ceval) sank der CO2-Ausstoß beim Wechsel von alten auf neuen Wagen im Rahmen der Abwrackprämie demnach durchschnittlich um sieben Prozent - von 166 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer auf 154 Gramm.

Verbrauchskennzeichnung soll grünes Licht für Spritsparer geben

Dabei sind etliche Fahrzeuge mit deutlich geringerem Kohlendioxid-Ausstoß auf dem Markt: Der durchschnittliche Kohlendioxid-Ausstoß der Auto-Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) beträgt etwa in den Top Ten der Kompaktklasse 116 Gramm pro Kilometer. Bei 78 Prozent der zwischen Januar und Juni 2009 tatsächlich verkauften Pkw dieser Klasse lag er nach Angaben des VZBV dagegen bei mindestens 140 Gramm pro Kilometer, 29 Prozent stoßen gar mehr als 160 Gramm aus.

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Abgewrackt wurde gut und gerne - für das Klima hatte die Umweltpremie nur begrenzte Effekte

Was bei der "Umweltprämie" versäumt wurde, solle die Bundesregierung nun durch eine übersichtliche Verbrauchskennzeichnung für Pkw wieder aufgreifen, fordert das Klima-Bündnis. Um Kaufanreize für verbrauchsgünstige Autos mit geringem Kohlendioxid-Ausstoß zu verstärken war eigentlich bereits für 2008 ein einheitliches Pkw-Effizienzlabel nach dem Vorbild der bunten Skala für Waschmaschinen, Kühlschränke und Fernseher angekündigt. In Großbritannien und Dänemark gibt es eine entsprechende Kennzeichnung bereits.

In Deutschland sind Händler zwar bereits seit 2004 dazu verpflichtet, ihre Kunden über Spritverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß zu informieren. Die Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (EnVKV) verlangt Angaben dazu direkt am ausgestellten Fahrzeug, eine ausgehängte Vergleichstafel für den schnellen Überblick über die im Autohaus angebotenen Modelle und durch einen Leitfaden zum Kohlendioxid-Ausstoß aller am Markt angebotenen Pkw-Modelle zum Mitnehmen. In der Praxis findet der Autokäufer jedoch eher sparsame Informationen als Informationen über sparsamen Verbrauch, so das Ergebnis eines Test den die Verbraucherzentralen bereits im August 2009 gemacht hatten. 

Auch die Kfz-Steuer wird seit Mitte letzten Jahres teils nach Hubraum, teils nach Kohlendioxid-Ausstoß berechnet. Ein Grund mehr, beim Autokauf für besseren Überblick zu sorgen, so die Verbraucherschützer. Doch während der Regierung Merkel I war die Reform bereits einmal geplatzt. Billen: "Die Politik muss jetzt endlich im Sinne der Verbraucher handeln und eine verständliche Klima-Kennzeichnung für Neuwagen einführen."

Eine wirksame CO2-Steuer, eine transparente Effizienz-Kennzeichnung und eine ambitionierte CO2-Obergrenze - was aus den Meseberg-Beschlüssen zum Klimaschutz im Bereich Pkws wurde, können Sie HIER nachlesen

Mehr Informationen auch auf der Seite des Bündnisses www.verbraucherfuersklima.de

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