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Erderwärmung bedroht Meeres-Nahrungsquelle

Ein norwegischer Rapport listet Folgen der Erwärmung in der Arktis auf. Nach Untersuchungen der Wissenschaftler vom norwegischen  Polarinstitut wird es bis zum Ende des Jahrhunderts auf Spitzbergen 8 Grad wärmer. Damit verschwindet der Zooplankton - eine zentrale Nahrungsquelle im Meer.

Aus Stockholm REINHARD WOLFF

"Das würde nicht weniger als das Einstürzen der Grundmauern dieses marinen Ökosystems bedeuten", sagt Nina Jensen vom WWF-Norwegen. Das norwegische „Polarinstitut“ hat den Abschlussbericht eines sechsjährigen Forschungsprogramms vorgelegt, das die Auswirkungen der Erwärmung der Erdatmosphäre auf den norwegischen Teil der Arktis untersuchen sollte. Und der  "Nor-ACIA"-Rapport weist große Temperaturveränderungen bis zum Jahrhundertende nach. Nina Jensen vom WWF-Expertin Jensen: "Die Auswirkungen auf die Naturvielfalt, das biologische Gleichgewicht und die Fischerei werden gewaltig sein".

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Auch das deutsche Alfred-Wegener-Institut unterhält in Ny-Ålesund auf Spitzbergen eine Forschungsstation - mit der Büste von Roald Amundsen im Vordergrund

Für das norwegische Festland rechnen die ForscherInnen mit einem Temperturanstieg von 2,5 bis 3,5 Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts. In Lappland würden damit die Winter zwei Monate kürzer werden und mit den Rentierflechten eine wichtige Ernährungsgrundlage für die Rentierzucht der Sami verschwinden. Um die Arktisinsel Spitzbergen könne es gar zu einer extremen Temperaturveränderung kommen und 8 Grad wärmer werden. Aus dem Barentsmeer würden sich Fischarten wie Dorsch oder Lodde zurückziehen und weiter nach Osten und Norden auswandern. Aus dem Süden würden zwar Arten wie der Hering nachwandern, der mögliche Ertrag für die Fischerei sei aber nicht annähernd vergleichbar.

Und es könnte zu einer dramatischen Reduktion im Bestand von Zooplankton kommen. Diese 0,2 bis 2 Millimeter mm großen Organismen von denen es Tausende von Arten gibt, sind die Basis der marinen Nahrungskette in der Arktis. Sie ernähren sich teilweise von Phytoplankton, pflanzlichem Plankton, das mit Hilfe der Photosynthese aus Kohlendioxid und Nährstoffen seine Biomasse aufbaut, teilweise von jeweils kleineren Zooplanktonarten. Und sie sind die wichtigste Nahrung für Fische, Seevögel und Meeressäugetiere wie Wale. Mit steigenden Wassertemperaturen würde ihr Bestand von südlicheren und wesentlich weniger nahrungsreichen Arten auskonkurriert werden. In der nördlichen Nordsee konnte dieser Zusammenhang bereits nachgewiesen werden. Hier ist der Bestand des wichtigen Zooplanktons "Calanus finmarchicus" binnen der letzten drei Jahrzehnte um 50 Prozent zurückgegangen.

Zwar sei das marine Ökosystem recht flexibel und habe sich in der Vergangenheit immer wieder kleineren Temperaturschwankungen gut angepasst, schreibt der "Nor-ACIA"–Rapport. Aber der in den kommenden Jahrzehnten zu erwartende rapide Umschlag könne dramatische Veränderungen auslösen. Um so mehr, als der Temperaturanstieg nicht nur dazu führen werde, dass große Mengen von Umweltgiften, die derzeit noch in Permafrostböden, Meeres- und Gletschereis gebunden seien, dann freigesetzt würden, sondern auch weil das arktische Meer aufgrund des hohen CO2-Gehalts in der Atmosphäre so sauer werden würde, wie in den letzten 20 Millionen Jahren nicht mehr. "Sorge machen uns vor allem die sich gegenseitig verstärkenden Mechanismen", sagt Bjørn Fossli Johansen, stellvertretender Direktor des Polarinstituts.

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Spitzbergen: Hier wird es den Untersuchungen zufolge 8 Grad wärmer. (Foto: Wikipedia)

 Als "Marschbefehl", um mit den Klimaanpassungen jetzt zu beginnen, bezeichnete der norwegische Umweltminister Erik Solheim den Rapport: "Mehr Informationen brauchen wir eigentlich nicht." Norwegen habe das Ziel, das am besten an den Klimawandel angepasste Land zu werden, meinte der Minister und hob Details hervor, die bereits jetzt in alle Infrastrukturplanungen eingehen müssten: Der Meeresspiegel in Nordnorwegen wird  bis 2100 um 50 bis 95 cm ansteigen und extreme Wetterereignisse würden sich häufen.

Lars Haltbrekken vom Naturschutzverband "Naturvernforbundet" hofft, dass "Nor-ACIA" nicht nur als Aufforderung zur Anpassung an das bereits Unvermeidbare verstanden wird. Norwegen als eines der größten Ölexportländer habe es mit in der Hand, ob der Klimagasausstoß stetig weiter anwachse. Und mit der Reduktion von Rußpartikeln, die aus Verkehr und Industrie erst in der Atmospäre und dann als Grauschleier auf dem Eis landeten und dessen Schmelze beschleunigten, könne die Klimaänderung auf kurze Sicht deutlich gebremst werden.

 

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